Genthin/Burg l „Die Amerikaner sind freundliche und zugewandt, wenn sie jemandem aus dem Ausland begegnen, aber von sich aus interessieren sie sich wenig für das, was in der Welt passiert.“ Während einer digitale Konferenz des Rotary-Clubs Burg-Genthin hat Melissa von Ditfurth-Siefken von ihrer Zeit als Austauschschülerin erzählt. Die USA seien mit 9,8 Millionen Quadratkilometern Fläche und 328 Millionen Einwohnern so groß, dass man sich fast unwillkürlich sehr stark mit sich selbst beschäftige.

Die 17-jährige Schülerin aus Detershagen war für zehn Monate in Bloomfield im Staat New York zu Gast. Während dieser Tage nahezu die ganze Welt nach Amerika schaut und den Ausgang der Präsidentschaftswahl verfolgt, hat Melissa viele US-Amerikaner als eher unpolitisch erlebt. „In zwei von meinen drei Gastfamilien lief den ganzen Tag der Fernseher, allerdings kaum Nachrichtensendungen, sondern viel Unterhaltung.“ Wobei sie in Familien mit Gasteltern und Gastgeschwistern gelebt habe, die eher liberalen Meinungen zugeneigt gewesen seien und nicht so sehr der Trump-Politik.

Wenig Politik im Privaten

Überhaupt sei der amerikanische Alltag wenig von politischen Unterhaltungen im Privaten geprägt. „Solche Gespräche habe ich vermisst“, sagt sie, bestätigt aber die Offenheit vieler Menschen gegenüber Gästen. Schnell könne man eine Verbindung aufbauen, schnell komme es zu freundlichen Unterhaltungen. Die Amerikaner sind Meister im Small-Talk. Für Melissa war der Aufenthalt bereits zu Beginn mit einigen Aufregungen verbunden, musste sie doch nach einem Zwischenstopp, mehrere Stunden auf den Anschlussflug warten. Doch letztlich erreichte sie den Staat New York wohlbehalten und fühlte sich in allen Familien von Gast-eltern und Gastgeschwistern gut aufgenommen. Überschattet wurde ihr Aufenthalt von der Corona-Pandemie.

„Wir hatten seitens des Rotary-Clubs die Wahl, ob wir abreisen oder bleiben möchten.“ Die 17-Jährige blieb, hatte sie sich doch in den ersten Monaten ihres Aufenthaltes gut eingelebt. Angst vor dem Virus habe sie nicht gehabt, da es im Umfeld nicht so viele Infektionen gab. Der Aufenthalt war viel zu aufregend. Dabei war manches genau so, wie es sich ein junges Mädchen vorstellt. Etwa der Alltag in der High-School. „Das war genau wie im Film.“ Auch den klassischen Schulball gebe es – wie in Teenager-Movies. Amerikanische Schüler verbringen einen Großteil ihres Alltages in der Schule. Nach dem Unterricht folgen mehrere Stunden mit Freizeitaktivitäten.

Melissa gab in ihrem Vortrag auch ein paar Einblicke in das Schulleben, das manchmal auch lustig sein muss, denn wann sieht man in Deutschland schon einmal einen Schulleiter im Tutu tanzen? In den USA komme so etwas häufiger vor, erzählte die Detershagenerin. Weil sie selbst gern tanzt und kulturell interessiert ist, war eine Musical-Aufführung des Stückes „Addams Family“ ein großer Höhepunkt. Darin habe sie eine der Hauptrollen spielen dürfen, aber erst nach einem waschechten Casting. Lehrer und Schüler gingen in den USA zwar respektvoll, aber oft sehr freundschaftlich miteinander um.

Schulsysteme kaum vergleichbar

Häufig werde behauptet, dass die US-Schulbilung nicht die Beste sei. Das mochte Melissa so nicht bestätigen: „Man kann die Schulsysteme nicht vergleichen, die Amerikaner sind nicht dumm, sie lernen anders.“ Es gebe einen entspanntes Verhältnis zum Unterricht. Letztlich habe sie ihre englischen Sprachkenntnisse verbessert und viele neue Freunde gefunden, mit denen sie in Kontakt bleiben werde. „Ich werde diesen Aufenthalt mein ganzes Leben nicht vergessen“, sagt sie.

Der Rotary-Club führt seine Aktivitäten im Bereich des Jugendaustausches weiter. Aktuell ist eine junge Australierin im Jerichower Land zu Gast. Und für das Schuljahr 2021/22 gibt es bereits vier feststehende Teilnehmerinnen. „Im Übrigen würde ich mich über Jungs auch sehr freuen, sind echt rar im Programm“, sagt Martin Schafföner, Jugendaustauschbeauftragter des Rotary-Clubs. Allerdings bleibt auch diese Aktion nicht von den Verwerfungen der Pandemie verschont. Nicht klar sei, ob es einen interkontinentalen Schüleraustausch geben könne. So könne es passieren, dass die Jugendlichen im nächsten Jahr nicht nach Japan oder in die USA reisen dürfen, sondern ein Austausch im europäischen Ausland stattfinde.