Burg/Genthin l „Wir werden Sie in jedem Fall für eine Entscheidung einbeziehen“, erklärte Bauvorstand Bernd Girke am Montagabend im Ausschuss für Bau, Wirtschaft und Verkehr des Kreistages. Girke reagierte damit auf eine geharnischte Kritik aus dem Finanzausschuss.

Im Konkreten ging es um die Sanierung des Gymnasiums Genthin. Hier hatte die Verwaltung einen Ersatzneubau statt einer Sanierung ins Spiel gebracht, das aber zu einem späteren Zeitpunkt als bisher geplant. Finanzausschussmitglieder wie Dr. Volker Bauer (CDU), zugleich auch Kreistagsvorsitzender, und Andreas Fischer (FDP/Freie Wähler) hatte das auf die Palme gebracht.

Kreistag wird einbezogen

Girke verwies am Montag auf einen Kreistagsbeschluss, der nach eingehender Prüfung als Option statt einer Sanierung auch einen Ersatzneubau vorsieht. Aus Sicht der Verwaltung scheine ein Ersatzneubau die effektivere Variante zu sein, erklärte Girke. Das soll im Juni mit den Projektplanern diskutiert werden. „Der Kreistag wird einbezogen. Das ist vorgesehen“, versicherte Girke und schien damit die Gemüter etwas beruhigt zu haben.

Unter dem Strich bleibt aber die zeitliche Verschiebung der Projekte Gymnasium Genthin und Sekundarschule Parey – vor allem, weil die Schulsanierung in Gommern mehr Geld verschlingt als geplant.

Bei dem Genthiner Kreistagsabgeordneten Horst Leiste (SPD) stieß das auf wenig Gegenliebe. „Ich verstehe, dass Gommern fertiggestellt werden muss. Aber das Bismarck-Gymnasium haben wir schon einmal geschoben, jetzt wieder. Genthin muss kommen“, forderte er. Auch dem Ausschussvorsitzenden Egon Buchmann kräuselt es Sorgenfalten in die Stirn. „Genthin kommt später, aber die Mittel sind da. In Parey sind die Mittel nicht da.“

Das bestätigte Girke. Die geplante energetische Sanierung der Sekundarschule in Parey kann nicht über Fördermittel erfolgen. Ein Antrag auf öffentliche Zuschüsse wurde vom Land abgelehnt.

Mit eigenen Kräften

Der Kreis will Parey dennoch nicht fallen lassen, betonte Vorstand Girke. „Wir wollen es aus eigenen Kräften stemmen. Dafür benötigen wir 3,8 Millionen Euro.“ Dieses Jahr hat der Kreis dieses Geld nicht mehr. Darum muss die Sanierung in Parey notgedrungen verschoben werden. Die Haushaltsdebatte 2019 dürfte spannend werden, um die Mittel für den Start des Vorhabens im nächsten Jahr zu finden.

Zurück zum Gymnasium Gommern, das mit seinem zusätzlichen Finanzbedarf die Debatte und Suche nach tragfähigen Lösungen erst ausgelöst hatte. Die Gesamtkosten des Projektes in Gommern steigen wegen des überhitzten Bausektors massiv an. Bei Ausschreibungen für Bauleistungen wurden Steigerungen gegenüber den Planansätzen von bis zu 35 Prozent ausgemacht. Die Gesamtkosten der Sanierung erhöhen sich in Gommern nach derzeitigem Stand um 21 Prozent auf knapp 4,2 Millionen Euro. Das sind 720.000 Euro mehr.

„Das ist so. Das stellt uns vor immense Probleme, aber wir können es nicht ändern“, erklärte Kreistagsvorsitzender Volker Bauer am Rande, der als Gast an der Bauausschusssitzung teilgenommen hatte.

Lückenschluss

Um die Lücke im Gommern-Projekt zu schließen und die Sanierung nicht ins Stocken zu bringen, hat die Verwaltung nach Finanzmitteln in anderen Projekten gesucht und stieß auf Genthin und die Sekundarschule Parey.

Wegen der zeitlichen Verzögerungen in Genthin werden Förderungen für Genthin in diesem Jahr nicht mehr beantragt und fließen daher auch nicht mehr. Haushaltsmittel des Kreises, die 2018 für Genthin geplant waren, wären damit frei. Gleiches gilt für Mittel aus dem Parey-Projekt.

Der Ausschuss stimmte am Ende einstimmig der Umschichtung zugunsten der Gommeraner Schule zu. Ebenso dem Projekt Ortsdurchfahrt Redekin. Die Bauabschnitte 2 und 3 werden zusammengelegt. 372.000 Euro zusätzliches Geld sind nötig. Die Bauarbeiten sollen noch dieses Jahr starten. „Das wäre sehr, sehr wichtig, ein Dauerthema für die Redekiner“, erklärte Egon Buchmann.

Kalitzer Straße erst 2022

Ähnlich wie im Schulbereich hat die Verwaltung auch hier ein anderes Projekt wegen des zusätzlichen Finanzbedarfes in Redekin verschieben müssen. Es betrifft die Ortsdurchfahrt Brietzke. Hier sollte 2018/19 begonnen werden. Ein zweiter Abschnitt, die Kalitzer Straße, steht erst 2022/23 im Plan. Mit der Verschiebung von Abschnitt 1 wächst die Aussicht, die Ortsdurchfahrt Brietzke zwar später, aber in einem Ritt zu bauen.

Nicht auf der Tagesordnung stand das Projekt „Grundhafter Ausbau Ortsduchfahrt Loburg/Freiheitsstraße“, das noch am vergangenen Donnerstag im Finanzausschuss Thema war. Die Mitglieder des Bauausschusses wunderten sich ebenso wie Vorstand Girke. Eine Aufklärung dafür gab es nicht.

Im Finanzausschuss war das Vorhaben besprochen und befürwortet worden. 110.000 Euro mehr werden hier benötigt – auch hierfür soll Geld, das für die Sekundarschule Parey gedacht war, umgeschichtet werden. Die Gesamtkosten steigen auf eine Million Euro an. Das hat vor allem mit einem Durchlass zu tun, der zusätzlich errichtet werden muss. „Naturschutzauflagen“, begründete Girke. Nach Baumfällarbeiten Anfang des Jahres soll noch in diesem Jahr mit dem Bau begonnen werden.