Genthin/Burg l „Unser Ziel muss es sein, neue Bürger nach Burg zu locken“, betonte Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) am 12. August in der Volksstimme. Deshalb will die Stadt die immer noch nach unten gehende Kurve bei der Entwicklung der Einwohnerzahl zumindest aufhalten und die aktuelle Niedrigzinsphase ausnutzen. Unter anderem damit, möglichst schnell Bauflächen für neue Einfamilienhäuser in Burg zur Verfügung zu stellen – in der Kernstadt ebenso wie in den Dörfern.

In einem vereinfachten Verfahren soll jetzt eine 19  000 Quadratmeter große Baufläche im Bereich zwischen Ludwig-Jahn-Straße und Kanalstraße zur Verfügung gestellt werden, nachdem dort im Jahr 2004 mehrgeschossige Wohnhäuser abgerissen worden waren. Der Stadtrat hat bereits zugestimmt, für das Terrain einen Bebauungsplan zu erstellen. Ziel sei es, dass im kommenden Jahr bereits die ersten Fundamente gesetzt werden, sagt die zuständige Fachbereichsleiterin Sonnhild Noack.

Investoren stehen schon bereit

Auch Niegrips Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa ist überzeugt, dass die Einwohnerzahl in den kommenden Jahren um 200 steigen wird und damit auch Kindertagesstätte und Grundschule „mehr als gesichert sind“. Denn der Stadtrat hat in den zurückliegenden Monaten den Weg für zwei Wohngebiete am Wasser frei gemacht – südlich des Detershagener Weges und der Feldstraße. Zwei Investoren stehen parat.

Auf die Frage der Volksstimme, ob sich Genthin in der Hinsicht, auch einen Zahn zuzulegen bei der Erschließung neuer Wohngebiete, nicht etwas bei Burg abschauen könnte, lässt Bürgermeister Matthias Günther schriftlich antworten: „Grundsätzlich versuchen die Stadt Burg und die Stadt Genthin mit gleichen Bausteinen die negative Bevölkerungsentwicklung abzumildern. Dazu gehören das Angebot von Bauflächen, Verbesserung des Wohnraumniveaus, Stärkung der lokalen Wirtschaft, Ansiedlungsanreize schaffen, hochwertige Bildungs- und Betreuungsangebote vorhalten und Freizeitangebote zu unterstützen.“

Die Bereitstellung von Bauflächen sei für den Wohnraumbedarf als auch für den gewerblichen Bedarf nach wie vor erklärtes Ziel der Stadt Genthin und werde fortlaufend weiterentwickelt. Neben dem Wohnraumangebot würden auch mit hohem Aufwand Kinderbetreuungsplätze vorgehalten, die einen zusätzlichen Anreiz für Familien bieten könnten. Dennoch, so schreibt Günter weiter, seien die beiden Städte nicht miteinander zu vergleichen.

Infrastrukturelle Unterschiede

Durch die regionale Einstufung der Stadt Burg als Mittelzentrum und die Nähe zur Landeshauptstadt und Anbindung an die Autobahn bestünden infrastrukturelle Vorteile, die die Stadt Genthin nicht mit eigenen Initiativen ausgleichen könne. Weshalb sich der weitere Rückgang der Einwohnerzahlen von Genthin – von derzeit 14 366 Einwohnern (Stand 31.12.2018) auf vom Statistischen Landesamt prognostizierte 12  500 – kaum werde aufhalten lassen. Im Entwurf des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts 2030+ (ISEK), das noch bis zum 8. September in der Stadtverwaltung Genthin für jedermann zur Information und möglichen Stellungnahme öffentlich ausliegt, gibt sich die Stadt Genthin das Ziel, 2030 mindestens 13 400 Einwohner zu zählen. Sie rechnet laut ISEK dabei mit Zuzüglern, die die erhebliche Anzahl der durch Renteneintritt frei werdenden Arbeitsplätze besetzen wollen würden.

Was in vielen größeren Städten oft ein rares Gut ist, nämlich Flächen, auf denen vor allem die viel umworbenen (jungen) Familien Eigenheime bauen könnten, gibt es in Genthin zuhauf. Der ISEK-Entwurf weist in den Bebauungsplänen der Kernstadt zum 1. Quartal 2019 insgesamt 62 freie Bauplätze aus, die planungsrechtlich baureif beziehungsweise zur Baureife führbar seien. Weitere 161 Bauplätze wären in der Kernstadt entwickelbar. Dazu kommen noch 44 freie Bauplätze in den Ortschaften und Ortsteilen. Weitere 89 Bauplätze gäbe es dort zudem noch als Baulücken.

Bauen für viele zu teuer

Nur, wer will die alle haben, also neu bebauen? Michael Weber, Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft Genthin mbH (SWG) hat schon vor zwei Jahren in einem Gespräch mit der Volksstimme erklärt, dass für die freien Grundstücke der SWG von Baumschulenweg bis Rankeweg einfach keine Nachfrage bestünde. Es habe mehrfach Versuche gegeben, das Interesse privater Häuslebauer für die Grundstücke zu wecken. Ergebnislos.

Als Gründe dafür gab Michael Weber das durch Bauvorschriften in letzter Zeit „ziemlich teuer“ gewordene Bauen an und junge Leute, die sich aus beruflichen Gründen eben nicht an Genthin binden wollten. Deshalb setze die SWG ihren Schwerpunkt auf die Instandsetzung der Bestandsgebäude.

Wer hat Interesse an Kleinstadt?

Letztendlich, so meint Genthins Bürgermeister Günther, sei bei allen kommunalen Bemühungen das Lebens- und Umfeldbedürfnis eines jeden Menschen unterschiedlich und nicht kommunal beeinflussbar. Wer aber ein Interesse an einer idyllischen Kleinstadt haben sollte, sei in Genthin herzlich willkommen.