Parey l Die jüngste Hauptausschuss-Sitzung der Gemeinde Elbe-Parey hatte unter anderem den Aufstellungsbeschluss über den Bebauungsplan „Photovoltaikanlage Ziegelei – Parey“ in der Ortschaft Parey zum Thema und beschied diesen positiv. Damit spricht der Hauptausschuss eine Empfehlung für den Gemeinderat aus, der in seiner nächsten Sitzung über das Vorhaben abstimmt.

Einen Tag zuvor stimmte der Ortschaftsrat Parey über den Aufstellungsbeschluss ab und entschied sich dagegen. Zum Thema und den Gründen, die zur Ablehnung führten, nahm die Ortsbürgermeisterin von Parey, Cora Schröder, Stellung: „Wir haben viel diskutiert und der Antragsteller sagte zu, einen städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde abzuschließen“, so Schröder.

Vertrag mit Gemeinde

Damit bleiben die Gewerbesteuern vor Ort und „kommen der Gemeinde zugute“. Auch habe sich der Investor bereiterklärt, den Förderverein Elbe-Parey zu unterstützen. Ein Pareyer Bürgervertreter mahnte, laut Schröder den Standort mit der Ziegelei an. Die sei, so die Ortsbürgermeisterin, schon sehr verfallen und ihrer Meinung nach sei sie nicht mehr denkmalwürdig.

Hierzu holte sich der Ortschaftsrat die Einschätzung durch Ortshistorikerin Christel Wagner ein. Sie bestätigte auf Anfrage der Volksstimme, „dass der Erhalt vor zwanzig Jahren noch Sinn gemacht hätte“. Sei es der Ringbrandofen oder die Maschinengebäude – alles sei in einem baufälligen Zustand.

Hecke als Sichtschutz für Anlage

Als Argument gegen die Photovoltaikanlage fiel, dass die Menschen, wenn sie von Güsen nach Parey fahren, auf eine „Industrieanlage“ gucken. Der Investor versuchte diesen Einwand zu entkräften, indem er sich bereit erklärte, eine Sichtschutzhecke zu pflanzen. „Das Gelände würde sowieso eingefriedet werden“, so Cora Schröder und damit sei eine Hecke kein Problem. Der Lkw-Verkehr zur Wiegel Parey GmbH & Co. KG führt derzeit über die Parchener Straße. Vielleicht, so das Bedenken eines Pareyer Mandatsträgers, verlagere sich irgendwann der Verkehr über die „Alte Ziegelei“. Für Schröder kein Argument, doch es kam zur Sprache und floss in die Entscheidungsfindung ein.

Walther Henning von der AfD-Fraktion sieht in der Errichtung der Anlage einen weiteren Schritt hin zu erneuerbarer Energie in der Gemeinde. „Ich finde eine solche Anlage sinnvoller als, sagen wir mal, drei Windkraftanlagen.“ Eine Photovoltaikanlage lasse sich besser integrieren und „durch einen grünen Sichtschutz verschönern“.

Das bisschen, was an Ziegelei noch da ist, so Bürgermeisterin Nicole Golz, soll gepflegt werden und erhalten werden, „das ist auch Inhalt des Vertrages“. Auch für die Gemeindechefin sei es wichtig, dass ein städtebaulicher Vertrag abgeschlossen werde und die Beschlussvorlage sollte um diesen Passus erweitert werden. Ausschussmitglied Dietmar Kohrt kann die Ablehnung im Pareyer Ortschaftrat nicht nachvollziehen: „Wenn jetzt alles planmäßig laufe, dann geht die Anlage 2021 ans Netz und dann fließt auch Geld in die Gemeinde.“

Letzter erhaltener Ofen seiner Art

Der Hoffmannsche Ringbrandofen am Elbe-Havel-Kanal, im Volksmund „Alte Ziegelei“ genannt, ist der letzte, originale erhaltene Ofen seiner Art und ein technisches Denkmal im Komplex der ehemaligen Ziegelei in Parey. 1888 wurde die Ziegelei als moderner und leistungsstarker Betrieb gegründet, der noch bis 1978 produzierte. Produziert wurden Brand- und Dachziegel. 2014 stellte der aktuelle Eigentümer – aufgrund von Sicherungsauflagen seitens des Landkreises – den Abbruchantrag.

Wenige Tage nach dem Eingang des Antrages hatte der Landkreis zu einem Ortstermin eingeladen, zu dem Mitglieder der Oberen Denkmalbehörde und des Landesamts für Denkmalschutz sowie Vertreter des derzeitigen Eigentümers teilnahmen. Eine ähnliche Ortsbesichtigung hatte es vor 15 Jahren schon einmal gegeben. 1999 präsentierte man noch einen Entwurf für eine Umnutzung des Ringbrandofens im Rahmen des „Blauen Bandes“ als Hotel. Es fehlte damals an Investoren. Bis heute ist nichts weiter geschehen.