Kultur

Bekannter Künstler „Felix“ hat Genthiner Wurzeln

Beliner Bildhauer Knut Norbert Firchau hat in seiner Jugendzeit 13 Jahre in Genthin gelebt.

Holzschnitt von Knut Norbert Firchau aus den 60er Jahren.
Holzschnitt von Knut Norbert Firchau aus den 60er Jahren. Repro: Steffen Reichel

Genthin/Berlin - Von Steffen Reichel und Mike Fleske

Kunstkenner bezeichnen ihn gern als Berliner und Weltenbummler. Doch der heute 82-jährige Künstler Knut Norbert Firchau hat seine Jugendjahre in Genthin verbracht. Die Kanalstadt war von 1945 bis 1958 seine Heimat. Er gehört zu den wenigen, die vom legendären Genthiner Kunstlehrer Werner Otto Alisch eine Eins aufs Abschlusszeugnis der Volksschule bekamen.

So war der Weg für Knut Norbert Firchau quasi vorgezeichnet. 1958 verließ er Genthin und begann ein Studium an der Hochschule für bildende Künste und dem Pädagogischen Institut in Dresden. Damit ging für Firchau ein 13 Jahre dauernder Lebensabschnitt zu Ende.

1945 war die Familie Firchau aus Ostpreußen nach Genthin gekommen. Dort war Knut Norbert 1939 in Allenstein geboren worden. Die Flucht vor der Roten Armee endete zunächst in Kirchmöser. Nach einem Monat bekam Firchaus Vater, Ingenieur, der für Frau und zwei Kinder zu sorgen hatte, eine Stelle im Genthiner Elektrizitätswerk und Knut Norbert wurde in die Dürerschule eingeschult.

In der Jugendzeit von Musik und Malerei begeistert

Nach acht Jahren ging er zur Oberschule, legte nach vier weiteren Schuljahren 1957 die Reifeprüfung ab. In seiner Jugend war Knut Norbert Firchau von der Musik genauso wie von der Malerei begeistert, bildete mit dem um ein Jahr älteren Jürgen Mill ein Gitarren-Duo. „Unsere Musik war der Rock'n'Roll, das haben die Lehrer in Genthin damals nicht gern gehört“, hatte sich Firchau einmal im Gespräch mit der Volksstimme erinnert.

Zu dieser Zeit ist er ständig mit dem Fahrrad und der Gitarre auf dem Rücken unterwegs. Das habe ihm den Spitznamen „Felix Fiedelkorn“ eingebracht. Und dieser Name „Felix - der Glückliche“ ist auch Jahrzehnte später immer noch ein Teil von ihm - als Künstlername.

Schichtarbeit im Genthiner Waschmittelwerk

Weil er zwar eine Zusage für sein Studium hatte, aber ein Jahr warten musste, wurde Firchau Packer im Waschmittelwerk. „Die kleinen Waschmittelpäckchen in große Kartons, die großen Kartons dann auf Paletten und die Paletten dann auf die Frachtkähne, die am Kanalufer festgemacht hatten“, so sei der damals sogenannte „Einsatz in der Produktion“ abgelaufen.

Die Schichtarbeit füllte ihn aber nicht aus. Vormittags oder nachmittags, wie die Schicht gerade fiel, war Knut Norbert Firchau ehrenamtlicher Mitarbeiter des Kreisheimatmuseums Genthin, wurde von einem nicht minder bekannten Genthiner betreut: Klaus Börner, der bekanntlich über eine künstlerische Ausbildung verfügt.

Börner wurde nach Alisch zum zweiten Genthiner „Zeichenlehrer“ für Knut Norbert Firchau. Der Museumsleiter ermöglicht Firchau dann auch seine erste Personalausstellung - 1964 in Genthin, im Museum. Da war Firchau nach dem Studium bereits als Kunsterzieher und Mentor für Studenten in Sebnitz tätig und auf dem Sprung zum Fachreferenten für Kunsterziehung im Pionierhaus Dresden-Radebeul, mit parallelem Fernstudium an der Humboldt-Universität, das ihm die Lehrbefähigung für Kunsterziehung an der Oberschule einbrachte.

Holzschnitte einst auch im Genthiner Wasserturm gezeigt

Kulturhausleiter in Strausberg, künstlerischer Mitarbeiter im Kulturzentrum Berlin-Friedrichshain, Galerieleiter in Friedrichshain und Leiter einer Kreativwerkstatt waren von 1966 bis 1999 weitere berufliche Stationen Firchaus, der danach freischaffend tätig war. Seine Art zu Arbeiten - eine ganz besondere: Firchau schafft seine Werke als spiegelverkehrte Bilder, die mit verschiedenen Stech-, Schnitzbeitel und einem Holzhammer in eine Holzpatte gestochen werden.

Auf diese wird anschließend Farbe aufgetragen und das Motiv auf Papier gedruckt. „Wenn ich loslege, dann fange ich meist bei eins an und höre erst bei fünfzig auf“, hat er mal verraten. Damit habe er oft seine Nachbarn zur Verzweiflung getrieben, die spät in der Nacht das Gehämmere und Geklopfe ertragen mussten.

Anlässlich seines 50. Abiturjubiläums kehrte Firchau 2007 mit einer Ausstellung von Holzschnitten nach Genthin zurück. Denn mit diesen hat er sich im Verlauf seines Lebens einen Namen gemacht. Er habe als Künstler viele Freunde in der Welt gefunden, bei denen er immer willkommen ist und die dem Berliner immer willkommen sind, hieß es damals in der Laudatio des Kunstvereins.

Gedenkausstellung zeigte Porträts berühmter Berliner Maler

Er war in seinen jüngeren Jahren ein echter Tausendsassa. Umfangreiche Reisen führten ihn nach China, Japan, Mexiko oder Marokko. Mit jedem Aufenthalt ließ er sich für sein Schaffen ein klein wenig mehr inspirieren. Einige Zeit lebte Firchau sogar in Neuseeland.

2013 ist Firchau in Berlin gestorben * und ist dort nach wie vor ein bekannter Mann. So gab es im vergangenen Winter eine Ausstellung in der Anna-Ditzen-Bibliothek in Neuenhagen bei Berlin, in der von Firchau geschaffene Porträts von berühmten Literaten wie Joachim Ringelnatz, Uwe Johnson oder Kurt Tucholsky zu sehen waren.

* In einer früheren Version hieß es, das Firchau noch in Berlin lebt.

der Künstler Knut Norbert Firchau auf einem Bild von 2007
der Künstler Knut Norbert Firchau auf einem Bild von 2007
Steffen Reichel