Jerichow l „Wir können kaum noch Luft holen.“ Ralf Braunschweig ist traurig und zornig zugleich. In und um Jerichow soll seit Mitte Juli 2018 ein Feuerteufel unterwegs sein. „Als ob die extreme Trockenheit nicht schon genug Sorgen bereitet.“ Der Wehrleiter hofft, dass die von Landkreis und Einheitsgemeinde ausgelobte Belohnung in Höhe von 2000 Euro den entscheidenden Hinweis bringt. „Der oder die Täter wissen doch gar nicht, was sie tun. Sie spielen mit dem Leben anderer und riskieren eine riesige Katastrophe“, schimpft Braunschweig. Die Feuerwehr des Ortes befindet sich im Ausnahmezustand.

Gewisses Muster erkennbar

„Wir ermitteln natürlich mit Hochdruck, diese mutmaßliche Brandserie steht bei uns weit vorn“, betont Polizeirat Marcel Polz gegenüber der Volksstimme. Die Polizei im Kreis will bei mindestens bis zu 17 Bränden ein gewisses Muster erkennen. Es brannte in der Regel zwischen Mitternacht und 5 Uhr sowie in der Zeit zwischen 9.30 und Mittag.

Keine weiteren Details

„Mitunter muss die Feuerwehr auch zweimal am Tag raus“, weiß der amtierende Revierleiter. Schwerpunkt sei ein großes Waldstück zwischen Jerichow und Redekin. Die Polizei geht offenbar davon aus, dass in mindestens einem Fall Brandbeschleuniger verwendet wurde. Zudem habe der Brandstifter bestimmte Ortskenntnisse und komme vermutlich sogar aus der Gegend. Zu Details will sich Polz derzeit nicht äußern. „Wir sind dran.“

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Landrat Steffen Burchhardt (SPD) sieht eine „extrem hohe Gefahrenlage, weil viele Orte quasi im oder am Wald liegen“. Jedes Feuer könne zu einer Katastrophe führen, Menschenleben kosten und hohen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Die extreme Trockenheit tue ihr Übriges. Die avisierte Belohnung solle die Bevölkerung sensibilisieren, ein Bewusstsein schaffen, und damit die Arbeit der Polizei erleichtern. „Im Prinzip können die Kameraden der Feuerwehr keine Nacht mehr richtig schlafen. Diesem Spuk muss ein Ende gesetzt werden.“

Damit dürfte der Landrat den 33 aktiven Mitgliedern der Feuerwehr aus dem Herzen sprechen. „Wir hatten bislang auch Glück im Unglück. Der Wind war mehr oder weniger auf unserer Seite und die Brände wurden frühzeitig entdeckt.“

Einsatz um kurz nach 2

In der Nacht zu Sonnabend waren die Kameraden wieder einmal alarmiert worden. Kurz nach 2 Uhr brannte es nahe dem Weg zwischen Jerichow und Kleinwulkow. „Und sie waren fast alle wieder dabei“, sagt Braunschweig und schaut auf den Kurzbericht samt Unterschriften der Einsatzkräfte. „Und das in der Urlaubszeit, das ist alles keine Selbstverständlichkeit.“ Zwei Kameraden seien bereits von ihrem Arbeitgeber aufgefordert worden, doch bitte nicht mehr auszurücken und ihren Job zu erledigen, für den sie bezahlt würden. „Wer kann das einem Arbeitgeber wirklich übel nehmen“, meint der Wehrleiter und hofft dennoch, dass dies die Ausnahme bleibt.

Immense Ausgaben

Flammen loderten bislang auf Waldboden und Ödland, nur einige Hektar seien insgesamt betroffen. „Trotzdem ist der finanzielle und materielle Schaden für die Stadt schon jetzt nicht von der Hand zu weisen“, betont Bürgermeister Harald Bothe (parteilos) und verweist auf Ausgaben für die Einsätze und die Wasserkosten. „Mit das Schlimmste ist, dass es Leute gibt, die das Ehrenamt mit Füßen treten.“ Die Brandschützer stünden quasi Gewehr bei Fuß und darunter litten auch deren Familien.

Ortsbürgermeister Andreas Dertz und Kreisbrandmeister Walter Metscher lobten ebenfalls die Arbeit der Feuerwehr. Wie wichtig gut aufgestellter Brandschutz sei, zeige sich besonders in Zeiten wie diesen.