Parchen l Vier Jahre nach Gründung der sogenannten Mischförderschule, in der Förderschüler mit den Förderschwerpunkten Lernen und emotionales und soziales Verhalten gemeinsam lernen, lud die Schule Parchen erstmalig zum Tag der offenen Tür ein. Und dies hatte man wörtlich zu nehmen, denn alle Türen standen offen und die zahlreichen Gäste und Eltern sowie künftige Schülerinnen und Schüler konnten sich vom Unterricht in den gemischten Klassen, vom Fachunterricht, Kursen, Pädagogischen-, Medien- und Raumkonzepten überzeugen und bei von den Schülern selbst gebackenem Kuchen und gemixten Shakes im Café fachsimpeln.

Eine Menge Veränderungen

Mia, Ostara und Leon begrüßten die Gäste und Eltern herzlich und Luka und Lea führten mit der Schulleiterin Petra Lubig durch die Schule. Es gab viel zu berichten, denn in den vier Jahren hat sich eine Menge in der Schule getan, was man im in den Schaukästen und vielen Bilderrahmen nachvollziehen konnte.

Inzwischen lernen fast alle Klassen gemeinsam, was noch vor vier Jahren undenkbar gewesen wäre. Das Engagement der Mitarbeiter beim Umsetzen verhaltenstherapeutischer Konzeptionen, aber auch bei spannenden Experimenten im Fachunterricht trug die Veranstaltung.

Bilder

Moderne Räume

Bei einem Rundgang waren die immer besser werdenden räumlichen Bedingungen auffällig. Spezielle Räumlichkeiten, reizarm und ablenkungsfrei gestaltet, sowie Trainingsräume zum Aggressionsabbau, aber auch zur Entspannung, zeigten das breit angelegte Profil, in denen die 80 Schülerinnen und Schüler von Klasse 1 bis 9 nach Grund-, Sekundar-, und Förderschullehrplan unterrichtet werden.

Hier gelte dem Landkreis als Träger ein großer Dank, sich der besonderen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler anzunehmen und bereit zu sein, hier die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen, betonte die Schulleiterin in ihrem Rundgang.

Arbeit im Schülerrat

Leon konnte stolz von den Lern- und Verhaltenserfolgen berichten, die monatlich durch den Schülerrat bei der Wahl des „Schüler des Monats“ prämiert werden und ihren Abschluss in einer Fahrt der Besten zum Schuljahresende finden, wo es auch den Zivilcouragepreis zu verteilen gilt. „Diese Arbeit mit positiver Verstärkung wird unseren Schülerinnen und Schülern mehr Selbstvertrauen in ihre eigene Leistungs- und Verhaltensfähigkeit geben und ist unserer Meinung nach der richtige Weg“, so Petra Lubig.

Polizei mit Stand

Die Zusammenarbeit mit vielen Netzwerkpartnern sei ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs, berichtete Petra Lubig. So sei eine Genthiner Ergotherapie und die gesunde Essenversorgung durch einen Parchener Landgasthof nicht mehr aus dem Konzept wegzudenken, wovon sich die Besucher auch überzeugen konnte.

Auch die wichtigen und regelmäßigen Zusammenarbeiten mit den Trägern der Jugendhilfe helfen jedem Schüler seinen individuellen Weg zum Lernerfolg zu sichern, erklärte die Schulleiterin. Deshalb beteilige sich die Förderschule auch am ESF-Programm „Schulerfolg sichern“ und könne mit der Schulsozialarbeiterin Justine Matthies einen wesentlichen Beitrag mit sozialem Training, Beratung und Prävention leisten. Die Polizei des Jerichower Landes sei hier starker Präventionspartner und war am Tag der offenen Tür ebenso vertreten.

Reinschauen in Unterricht

Beeindruckend und für viele Gäste erstaunlich war das Durchhaltevermögen der Schülerinnen und Schüler an einem solch aufregenden Tag, den Gästen ihre Schule vorzustellen. So konnte die Klasse 4 mit ihrer Lehrerin Irena Lewy und der Pädagogischen Mitarbeiterin Marlies Titsch die neu hergerichtete Bibliothek, für die sie nun verantwortlich sind, vorstellen und berichten, dass sie sich auf die bald bevorstehende Eröffnung freuen.

Die Klassen 2 und 5/6 öffneten mit ihren Klassenlehrerinnen Ellen Rulff und Christin Tabler die Türen für zwei Unterrichtsstunden. So konnten sich die Gäste die pädagogisch-therapeutischen Konzepte erläutern lassen.

Zweifel beseitigt

Und auch die umfangreiche Betreuung während der lerntherapeutischen Angebote nach dem Unterricht konnten von den Pädagogischen Mitarbeiterinnen Christine Lemke und Frau Claudia Fröhlich präsentiert werden. Diese Unterstützung durch Pädagogische Mitarbeiterinnen sei aus einer solchen Förderschule nicht wegzudenken und erfordere noch viel mehr politische Beachtung und Wertschätzung. Pro Klasse müsste hier Unterstützung gewährt werden, merkte die Schulleiterin an.

2014 begann der Weg mit vielen Zweifeln und vielen Hürden (Volksstimme berichtete). Es galt aus zwei Schulen, aus Schülerinnen und Schülern mit zwei Förderschwerpunkten, aus zwei Kollegien ein „WIR“ zu machen. Zweifler waren zahlreich vorhanden. Wir sind viel mehr ‚Wir‘ als wir das 2014 waren, stünde auf dem Zeitstrahl im Foyer. „Unser ‚Wir‘ ist ein ganz anderes als 2014 und doch stellen wir es immer wieder auf die Probe. Nun arbeiten wir weiter zusammen an einem Konzept“, sagte Petra Lubig.

Die Schulleiterin freute sich über eine gelungene Veranstaltung. „Es war ein wunderschöner Tag mit Freunden und Partnern, der nicht besser hätte sein können. Ich bin stolz auf unsere Schüler und sage allen Danke, die uns bis hierhin begleitet haben und auch diesen Tag zu einem Erfolg haben werden lassen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und das Gewinnen neuer Partner.“