Genthin l Mit einer amüsanten Doppellesung wurde in der Genthiner Stadt- und Kreisbibliothek der Bibliothekstag begangen. Bestens besucht war der Vortrag von Mady Host (33) und Ines Gerrit Möhring (53). Die beiden Frauen sind seit einigen Jahren befreundet und berichten in ihrem Programm „Pumps und Wanderschuhe“ über das „Zu-sich-Finden“ und „Weit-weg-Laufen“.

600 Kilometer gewandert

Mady Host berichtete über ihre Wandertour von 600 Kilometern auf dem Küstenweg von Santander bis nach Santiago de Compostela. Ines Gerrit Möhring, vielen bekannt als Volksstimme-Kolumnistin und Autorin aus Magdeburg, steuerte heitere Alltagsgeschichten bei. Vorgestellt wurden beide durch Einspielfilme zu Beginn der Lesung, die das höchst unterschiedliche Leben der Frauen beleuchteten.

Ines Gerrit Möhring berichtete zwar, dass sie ebenfalls gern gepilgert wäre, jedoch: „Zwischen meinem Ausbildungsende und der Zeit als junge Mutter lagen nur 15 Monate.“ Ihre Lese-Kollegin hat es einfach gewagt, sich auf das Abenteuer „Pilgern“ eingelassen und ist losgelaufen. Dabei verlief nicht alles problemlos, mal blieb sie mitsamt Rucksack in einem Drehkreuz stecken, mal fand sie am Ausgangspunkt der Wandertour den ausgeschilderten Weg nicht.

Mit 'Genthinerisch' durch Spanien

Überhaupt schienen die beiden Frauen Probleme mit der Orientierung zu haben: „Nach Genthin sind wir heute mit zwei Navigationsgeräten im Auto gekommen“, witzelten sie. In der Fremde hätten aber die Spanisch-Kenntnisse geholfen, nicht in die Irre zu geraten. „Sie kommen aber auch mit 'Genthinerisch' durch Spanien“, machte Mady Host den Zuhörern Mut zum Selbst-Pilgern. Für sie sei das Spannende gewesen, ob sie mit dem einsamen Wandern überhaupt zurecht kommen könne. „Alleinsamkeit“, nannte Host das. Aber letztlich seien fast immer Leute dabei gewesen, die gemeinsam mit ihr pilgerten.

Ines Gerrit Möhring brach den Vortrag mit kolumnistischen Texten über ihren Alltag auf. Vergnüglich schilderte sie die Tücken eines Kleiderkaufes oder den „Strohwitwenblues“, wenn ihr Lebensgefährte unterwegs und sie allein zu Hause sei. Dann gebe sie ungehemmt ihrem Naschdrang nach. Aber: „Ritter Sport ist zumindest ein wenig Sport.“ Es waren kleine Geschichten aus dem Leben über das Leben, in denen sich die Zuhörer in der Bibliothek wiederfinden konnten. Selbst ihr gemeinsames Lieblingsgericht verrieten die Vorleserinnen: "Milchreis".

Damit gar nichts schiefgehen konnte, hielten die Autofahrerinnen regelmäßig Schilder, auf denen „Lachen“ oder „Applaus“ stand, empor. Warum? „Das ist heute eine betreute Lesung, Sie brauchen sich um nichts zu kümmern“, erklärten die Vortragenden. Übrigens, am 6. Juni 2018 kommen die Beiden mit dem Programm „Total abgefahren!“ in die Stadtbibliothek Burg.