Genthin l Ein gemütlicher Spaziergang zwischen den Tagen endete für das Ehepaar Claus und Hadmuth Mielke entlang des ehemaligen Treidelweges an der gesperrten Brücke. Irgendwo, etwa auf der Höhe des Lidl-Marktes, bedeuten aufgestellte Absperrungen dem Ausflug einen abrupten Schluss. Auch wer hier mit dem Rad oder motorisiert ankommt, gerät zwangsläufig in eine Mausefalle. Die Fußgängerbrücke wäre für sie ohnehin tabu, deshalb gibt es auf beiden Seiten der Brücke Wendehammer.

Befristete Beruhigung

„Was geschieht da eigentlich, wird die Brücke und damit der Weg entlang des Kanals eines Tages wieder passierbar sein?“, fragte Hadmuth Mielke am Lesertelefon. Fachbereichsleiterin Dagmar Turian kann der Altenplathowerin nur eine „befristete Beruhigungspille“ verabreichen, indem sie auf die ausstehende Haushaltsberatung verweist.

Im Interesse der Sportler

An ihrer Kassenlage wird sich entscheiden, ob die Stadt ein neues Brückenbauwerk in Angriff nehmen wird oder nicht. Die Mitglieder des Bau- und Vergabeausschusses signalisierten bereits im vergangenen Jahr, dass sie einem Neubau wohlwollend gegenüber stehen, vor allem im Interesse von Spaziergängern und Freizeitsportlern.

Viel Spielraum für eine Entscheidung haben sie allerdings nicht. Denn die Mängel an der Brücke, besonders im Bereich der Widerlager, erwiesen sich als so gravierend, dass ein gesetzlich vorgeschriebenes Gutachten im vergangenen Jahr eine Vollsperrung anmahnte. Der Gutachter ging sogar noch einen Schritt weiter und empfahl den Abriss. Denn die schrottreife, massive Eisenbrücke könne aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht mehr saniert werden.

Stadt trägt allein die Kosten

Dagmar Turian brachte in den bisherigen Diskussionen auch das Argument vor, dass ein Neubau auch deshalb notwendig sei, weil mit dem Kanalausbau ganz andere Wassergegebenheiten und Strömungen entstanden seien, für die die alte Brücke nicht gebaut worden sei. Bisher veranschlagte die Verwaltung vage und unverbindlich etwa 140.000 Euro für einen Neubau.

Trotz aller Vorarbeit will Dagmar Turian keine großen Erwartungen auf einen baldigen Baubeginn wecken. Knackpunkt bleibt ein bestätigter Haushalt. Der Stadtrat hat bisher nichteinmal einen Entwurf diskutiert. Zeit wird also noch ins Land gehen.

Erst mit einem vom Landkreis bestätigten Haushalt, gab die Fachbereichsleiterin zur Auskunft, werde sich der Bau- und Vergabeausschuss als zuständiger Fachausschuss überhaupt erst verbindlich mit dem Vorhaben beschäftigen können. Dann könne auch eine Planung in Auftrag gegeben werden.

Verhältnisse durchgecheckt

Klar ist allerdings bereits jetzt, dass die Stadt allein die Kosten für einen möglichen Ersatzneubau zu tragen hat. Zu diesem Ergebnis kam die Verwaltung, nachdem sie die Eigentumsverhältnisse durchcheckte. Bei der Schifffahrt, so Dagmar Turian, bestehe auch keinerlei Bedarf, den Treidelweg zukünftig durchgängig zu gestalten.

Sie braucht keine Brücke über den Einstich. Anderenfalls hätte sich unter Umständen das Wassertraßenneubauamt finanziell an einem Ersatzbrückenneubau beteiligen müssen.