Nachhilfe

Büffeln statt baden in Brettin

Die Sekundarschule Brettin setzt auf Nachhilfe, um die durch den ausgefallenen Präsenzunterricht entstandenen Lerndefizite zu entschärfen. Das Team der Schule wird unterstützt durch externe Lehrkräfte.

Von Thomas Skiba 08.07.2021, 16:01
Theresa, Judy und Lucy besprechen mit der stellvertretende Schulleiterin Antje Wagner den Schultag. Die Mädchen wollen in dem zusätzlichen Unterricht fehlenden Stoff nachholen.
Theresa, Judy und Lucy besprechen mit der stellvertretende Schulleiterin Antje Wagner den Schultag. Die Mädchen wollen in dem zusätzlichen Unterricht fehlenden Stoff nachholen. Foto: Thomas Skiba

Brettin - Das Bild eines bekannten Musikers wird durch Magneten an der Tafel des Klassenzimmers gehalten, links und rechts davon schließen sich Texte an – Wortblöcke in Englisch, die auf Verstehen werden wollen. Draußen warten Sonne, Badesee und Eis auf Judy, Theresa und Lucy, doch die Songs von Rapper Eminem übersetzen sich nicht von allein. Die drei Mädchen, allesamt Schülerinnen der 9. Klasse an der Sekundarschule Brettin, werden durch Lehrerin Sabine Nürnberg von der Schülerförderung Genthin im Nachhilfe-Unterricht für das Fach Englisch angeleitet.

Und dieser zusätzliche Unterricht ist freiwillig. Antje Wagner, stellvertretende Schulleiterin und Kunstlehrerin, erklärt: „Wir haben durch das Land Sachsen-Anhalt eine Aufstockung unseres Schulbudgets bekommen, um sogenannte coronabedingte Lernrückstände aufzuholen.“ Die Schule setzt hierbei auf vorhandene Strukturen, wie der Verein aus Genthin, und bietet nach dem regulären Unterricht in der siebenten und achten Stunde zusätzlich Nachhilfe in Deutsch, Mathematik und Englisch an.

52 Schüler meldete die Schule zur Förderung an, die an drei Tagen der Woche angeboten wird. Organisiert werden die Stunden in Kleingruppen mit höchstens bis zu sechs Schülern. Das fehlende Wissen sei eine Folge des ausgefallenen Präsenzunterrichts, so Wagner weiter und „mit Online-Angeboten konnte nicht jeder Schüler im gleichen Maße abgeholt werden“.

Schule stößt an Grenze des technisch Machbaren

So unterschiedlich wie die Mädchen und Jungen seien, so mannigfaltig sei auch mit der Herausforderung des häuslichen Lernens umgegangen worden. „Einige erledigten genauso wie sonst ihre Aufgaben, waren fleißig und gewissenhaft, andere haben sich regelrecht ausgeklinkt“, fasst Wagner die Erfahrungen der letzten Monate zusammen. Außer in der Persönlichkeit des Einzelnen, sieht sie auch in den zum Teil fehlenden technischen Voraussetzungen einen Grund für das unterschiedliche Identifizieren mit dieser Art des Lernens. Nicht jeder Haushalt habe einen Internetanschluss mit ausreichender Bandbreite für eine Video-Schulung, auch an der Sekundarschule stieß man hier schnell an die Grenzen des technisch Machbaren.

Jetzt, mit der Wiederaufnahme des Unterrichts in der Schule sind Lerndefizite deutlich erkennbar und von Seiten der Lehrer nicht zu tolerieren. „Darum bieten wir diesen zusätzlichen Unterricht an, der von den Schülern auch nachgefragt wurde“, heißt es von Seiten der Schulleitung.

Alle Pennäler, die sich dem zusätzlichen Unterrichtsstoff stellen, seien bisher bei der Stange geblieben und strengten sich an, Wissenslücken zu schließen, erläutert Wagner, „und dass, trotz sommerlichen Wetters“. Für Nachhilfe-Lehrerin Sabine Nürnberg beinhalten die zusätzlichen Stunden eine besondere Qualität: „Wir können hier in kleinen Gruppen den Lernstoff durchackern. Das ist intensiver und für die Schüler sehr effektiv.“ Gerade beim Erlernen einer Fremdsprache sei das ständige Üben eine Notwendigkeit. In kleinen Gruppen werde einfach mehr gesprochen und „jeder ist viel öfter dran“.

Nachhilfelehrerin Sabine Nürnberg unterrichte früher schon an der Brettiner Sekundarschule.
Nachhilfelehrerin Sabine Nürnberg unterrichte früher schon an der Brettiner Sekundarschule.
Foto: Thomas Skiba
Der Schulhof bleibt im Juli leer: Trotz Aufhebung der Einschränkungen soll in diesem Jahr kein Sommerfest stattfinden.
Der Schulhof bleibt im Juli leer: Trotz Aufhebung der Einschränkungen soll in diesem Jahr kein Sommerfest stattfinden.
Fotos: Thomas Skiba