Genthin l Das erste Geld aus dem Demokratie-Leben-Topf ist für 2019 bewilligt. Zweimal mussten die beiden Antragsteller beim zuständigen Begleitausschuss vorsprechen, um die Aktionen finanziert zu bekommen. Gründe dafür waren Fragen zu Details der Planungen, aber auch die hohen Kosten.

Mit rund 9300 Euro wird die geplante Ausstellung „Aus dem Rahmen gefallen“ des Kreismuseums Jerichower Land gefördert, bei der der Stadtförderverein Genthin den Antrag stellt. „Wir wollen außergewöhnliche Frauen des 17. bis 20. Jahrhunderts aus dem Jerichower Land porträtieren“, erläutert Museumsleiterin Antonia Beran. Die Schulen der Region sollen eingebunden werden. „Die Schüler können erkunden, was die Region an Menschen und Typen zu bieten hat.“ Die Frauenschicksale könnten jungen Leuten von heute als Vorbild oder Referenz dienen, um zu zeigen, was sich verändert hat.

Darunter etwa der Lebensweg von Dr. jur. Elsa von Bonin (1882-1965). Bekannt wurde sie durch ihre Frauen- und Heimatromane. Auch ihre Beziehung zu einer Frau machte sie zu einer besonderen Person.

Das Kreismuseum ist in Besitz von zahlreichen Dokumenten und Fotos von Elsa von Bonin, die im Zuge der Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich sein werden.

Dass die porträtierten Frauen nicht immer positive Vorbilder sein müssen, zeigt das Beispiel einer Kindsmörderin. „Hier lässt sich nachvollziehen, was sie zu der Tat gebracht hat.“ Man könne auch fragen, welche anderen Möglichkeiten als die des Kindsmordes es für sie gegeben hätte und welche Möglichkeiten es für ungewollt Schwangere heute gibt, so Beran.

Konzipiert wird die Schau als Wanderausstellung, bei der im Laufe der Weitergabe weitere Frauenschicksale hinzugefügt werden können. Zudem sollen Texte, Bilder, Mode oder Alltagsgegenstände die Präsentation anreichern.

Eröffnung am Weltfrauentag

Es solle eine mobile Ausstellung in Bewegung werden, so Antonia Beran. Das Museum betritt Neuland, vergleichbare Ausstellungen gab es noch nicht. Eröffnet werden soll sie am 8. März, dem Weltfrauentag.

Die Begleitausschussmitglieder bewerteten die neue Form einer wandernden und sich während dieser Zeit verändernden Ausstellung als positiv.

Lob gab es auch für ein Projekt, das die Pädagogin Elvira Dietert gemeinsam mit dem Förderverein des Tierparks Zabakuck initiiert hat. Sie möchte mittels Förderung von 4600 Euro ein Kultur-Kinder-Zelt auf dem Genthiner Marktplatz aufstellen. Vorbild seien Lese- und Kulturzelte, wie es sie in Berlin und Potsdam gibt. Unter dem Motto „Die Welt im Zelt“ sollen professionelle Schauspieler und Märchenerzähler Kindern Märchen und Erzählungen aus aller Welt näher bringen. „Ich bin selbst nicht in Deutschland geboren und weiß, wie sich Ausgrenzung und Anerkennung anfühlen“, erzählt Dietert. Sie habe beides erlebt und wolle mit ihrem Projekt zur Offenheit und einem Miteinander aufrufen. „Kinder sollen auf einer offenen Bühne die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen und durch Moderationen in verschiedenen Sprachen soll auch diese Vielfalt deutlich werden.“ Es solle Musik aus verschiedenen Ländern geben und die Vielfalt der Kinder in Genthin gezeigt werden. „Dafür möchte ich Porträtaufnahmen von Kindern unterschiedlicher Nationen erstellen, die in Genthin und der Umgebung leben. Diese Bilder sollen in einer Galerie im Kunstzelt gezeigt werden. Nicht nur Kinder, sondern auch Eltern, Großeltern und viele Interessierte sollen an diesem Tag das Zelt besuchen. Dass Elvira Dietert für Idee kämpfen kann und sich durchzusetzen weiß, bewies sie im Begleitausschuss. Denn seitens der Stadtverwaltung war ihr nahegelegt worden, den avisierten Termin am 23. Juni (14 bis 18.30 Uhr) etwa auf den 15. Juni zu verlegen, um Teil des geplanten Kinderfestes auf dem Marktplatz zu werden, doch das lehnte Dietert ab. „Ich möchte, dass das Kinderkunstzelt im Mittelpunkt der Veranstaltung steht und nicht Teil einer anderen Veranstaltung ist“, machte sie selbstbewusst deutlich.

Weitere Nutzung

Für sie sei es unerheblich, ob zehn oder 200 Menschen kommen. Allerdings wolle sie das Zelt für weitere Veranstaltungen nutzen und könne sich vorstellen, auf dem Genthiner Marktplatzfest oder dem Weihnachtsmarkt wieder aktiv zu werden. Bedenken seitens der Begleitausschussmitglieder gab es auch gegenüber Dieterts Beharren auf dem Genthiner Marktplatz, da möglicherweise etwa im Zabakucker Tierpark deutlich mehr Menschen erreicht werden könnten. „Nach meinem Umzug aus Potsdam und der Gründung meiner Familie ist Genthin meine Heimat geworden, deshalb muss die Veranstaltung auch hier stattfinden“, sagte sie. Das Geld hat der Begleitausschuss bewilligt, nun muss Elvira Dietert zeigen, ob ihre Idee erfolgreich ist.