Genthin l Sebastian Witte hat seinen olympische Einstieg mit einer Bronze-Medaille gekrönt. Mit einem respektablen Platz 101, 300 Chemie-Asse aus 80 Ländern qualifizierten sich für den Wettstreit der weltbesten Nachwuchs-Chemiker, hat der Genthiner als bester im vierköpfigen deutschen Team abgeschnitten. Den Sonnabend durfte er so mit seinem Team bei einer abschließenden Feier in einem Prager Schloss im Freudentaumel erleben.

Zwei Klausuren bestanden

Für seine Medaille musste Sebastian in der vergangenen Woche sowohl eine praktische als auch eine theoretische Klausur bestreiten, die es in sich hatten. Bevor es nach Bratislava ging, traf sich das bundesdeutsche Team zu einer viertägigen Vorbereitung an der Uni Kiel.

Der Erwartungsdruck sei schon hoch gewesen, räumt Sebastian Witte ein. Trotzdem hat er die Kieler Tage als „cool und interessant“ in Erinnerung behalten. Das alles toppten natürlich die Olympia-Erlebnisse in Bratislava. „Ich war mir überhaupt nicht sicher, welche Chancen ich mir ausrechnen könnte“, gesteht der Genthiner. Für den Wettkampfteil galten harte Bandagen: „Die 300 Teilnehmer haben während der Klausurzeit in einer Art Konklave gelebt.

Bilder

„Handys wurden uns abgenommen, während des Wettbewerbs wurde keinerlei Kontakt zur Außenwelt zugelassen. Wir waren außerdem ständig in Begleitung eines Guides“, berichtet der Gymnasiast.

Silber knapp verpasst

Bei der Bewertung der gesamten Klausurergebnisse wurde ein prozentualer Endwert ermittelt, der dann über die Platzierung entschied.

Ein Wert um 50 Prozent wurde in der Vorbereitung angestrebt, Sebastian lag deutlich darüber. Der Sieger, ein Chinese, hatte mit starken 94 Prozent die Nase vorn. Rekordverdächtig schlug sich Sebastian Witte in der Theorie mit 84 Prozent. „Schade, es fehlte einfach die Zeit, so dass ich nicht alle Aufgaben geschafft habe, so habe ich haarscharf die Silber-Medaille verfehlt“, lässt Sebastian Witte seinen Ehrgeiz für einen kurzen Moment aufblitzen.

Jan Bandemer, der als Pressesprecher des Schülerwettbewerbes „Chemie – die stimmt!“ den Weg von Sebastian Witte mittlerweile seit einigen Jahren verfolgt, zollte dem jungen Genthiner am Montag Respekt. Er kenne zwar noch nicht die Aufgaben im einzelnen, die Sebastian in Bratislava meistern musste, doch ihr Niveau bewege sich mit Sicherheit auf einem Level, an dem sich selbst ein Chemie-Student die Zähne ausbeißen würden.

Nicht die letzte Teilnahme

Der Contest in Bratilslava wird nicht das Ende von Sebastians olympischer Karriere sein. Da er zuletzt die 11. Klasse besucht hat, wird er im kommenden Schuljahr die Chance bekommen, sich für die 51. Internationale Chemie-Olympiade (IChO) in Frankreich zu qualifizieren. Jan Bandemer sieht dem optimistisch entgegen: „Wie wir Sebastian kennen, wird er in diesem Jahr noch viel dazu lernen und beim nächsten Versuch bestimmt noch eine Schippe drauflegen!“

Für die Qualifikation für das Nationalteam 2018 kommt Sebastian Witte für sein bevorstehendes Chemie-Studium in den Genuss einer fünfjährigen Förderung durch die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

Praktikum steht an

Mit der Teilnahme an der Internationalen Chemie Olympiade erfüllte sich für den ehrgeizigen Elftklässler ein lang gehegter Traum. Die Fahrkarte löste er sich bei der Auswahlrunde, die im Mai an der Uni Kiel ausgetragen wurde. Mit ihm qualifizierte sich der Magdeburger Roman Behrends, der dort das Siemens-Gymnasium besucht. Auch er trat die Heimreise mit einer Bronze-Medaille an.

Nächster Höhepunkt für Sebastian Witt wird im Herbst ein 14-tägiges Praktikum bei einer Forschungsgruppe an der Leipziger Uni sein.