Genthin l Noch laufen die Maschinen nur testweise. Ansatz, Abfüllanlage, Etikettenautomat – alles funktioniert, ist aber noch nicht im Dauerbetrieb. Kurze Anlaufphasen zeigen den wenigen vor Ort befindlichen Mitarbeitern, an welchen Stellen die Maschinen noch instand gesetzt werden müssen. Noch wirken Teile der Hallen des Waschmittelwerkes verwaist, doch das soll sich in wenigen Wochen ändern.

„Im Februar geht es mit einer Linie und einer Schicht richtig los“, verspricht der geschäftsführende Gesellschafter von Thurn, Peter Schoof. Ab April sollen Waschmittel unterschiedlicher Art in Genthin hergestellt werden, bis zum Sommer die Zahl der Mitarbeiter auf 35 anwachsen. Thurn ist seit Anfang Oktober mit seinem Tochterunternehmen Thurn Contract Service in Genthin ansässig.

Neun Beschäftige im Team

Seitdem seien nach und nach die Grundlagen für einen Regelbetrieb gelegt worden. Dazu gehörte eine umfangreiche Mitarbeitersuche. Neun Beschäftigte sind als Kernmannschaft bereits tätig. Unter ihnen Betriebsleiterin Walburga Gellert, eine echte Fachfrau.

Die Industriemeisterin begann mit der Lehre im Waschmittelwerk und einem anderen Schritt im Jahr 2000 bei Henkel und machte alle Entwicklungen des Standortes mit. „Ich denke, diesmal haben wir eine echte Chance auf einen Neubeginn, die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr gut.“ Als Dritter der Führungsriege ist Supply Chain Manager (Verantwortlicher für die Lieferkette) Peter Klein am Standort.

Zuversicht hinsichtlich 2020

Er ist seit einem Jahr bei Thurn und war zuvor rund 20 Jahre unter anderem bei Reinigungshersteller Procter & Gamble tätig. Er ist insbesondere dafür zuständig, dass Zulassungen für den Betrieb der Anlage verlängert und dass die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. „Das bekommen wir pünktlich zum neuen Jahr hin“, ist sich der alte Hase im Geschäft sicher.

Insgesamt blicken die Betreiber zuversichtlich auf das kommende Jahr. Rückenwind habe es von der Genthiner Stadtverwaltung gegeben, auch mit den im Chemiepark ansässigen Unternehmen wurden Gespräche geführt und regelmäßige Treffen vereinbart. „Wir sind auf ein sehr aufgeschlossenes Umfeld gestoßen, was uns den Start vereinfacht hat.“ Auch die Gespräche mit Auftraggebern seien erfolgreich gewesen. Hier habe man Partner aus dem Drogerie- und Lebensmittelbereich gefunden. Hergestellt werden soll im Auftrag wieder Waschpulver sowie Geschirr- und Reinigungsmittel. Nicht nur für den deutschen, sondern auch für den internationalen Markt. „Geplant ist, dass dies von Genthin aus geschieht“, sagt Peter Schoof.

Auf Brexit vorbereitet sein

Schwerpunkt sind dabei die britischen Inseln, insbesondere England und Irland. „Da sagen natürlich alle, was passiert beim Brexit?“, zitiert der Geschäftsführer. „Wir sind darauf vorbereitet und zu jedem Zeitpunkt lieferbereit.“

Zumal Thurn Genthin auf den Rückhalt des Hauptsitzes in Neunkirchen-Seelscheid (Nordrhein-Westfalen) setzen kann. Dort gibt es auch eine Stelle für Forschung und Entwicklung. „Wir arbeiten dort an eigenen Rezepturen für Reinigungsmittel, die wir der Industrie anbieten“, erläutert Schoof. Allerdings ein Gütesiegel „Made in Genthin“ wird man auf den Flaschen und Dosen künftig dennoch nicht finden. „Wir entwickeln und produzieren für externe Auftraggeber.“

Ein Teil Genthiner Industriegeschichte

Als einer der ersten Gäste wurde in der vergangenen Woche Bürgermeister Matthias Günther durch das Werk geführt. „Für mich ist das eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte, ich war hier Ende der 80er Jahre als Lehrling in der mechanischen Werkstatt.“ Betreffend der Ansiedlung von Thurn sagt er: „Es ist gut, dass es mit der Waschmittelherstellung weitergeht, das ist ein Teil des Chemieparks und ein Teil der Genthiner Industriegeschichte.“ Auch Günther sieht optimistisch in die Zukunft, hat er die Ansiedlung doch aktiv unterstützt.