Jerichow l Gerade im ländlichen Raum sind Hochzeiten und Beerdigungen mit ganz viel Öffentlichkeit verbunden. Auf den Dörfern kennt man sich und wenn jemand für immer geht, wollen sich die meisten auch von dem Verstorbenen würdig verabschieden. Auf Grund der Pandemie bleibt derweil Pietät und Anteilnahme auf der Strecke – weitestgehend. „Doch wir versuchen, die Bestattungen mit der ihnen gebotenen Würde durchzuführen“, sagt Ute Wusterhaus von der städtischen Friedhofsverwaltung Jerichow. In der Einheitsgemeinde lehnen sich die Abläufe einer Beerdigung an die Empfehlungen des Bundesverband Deutscher Bestatter, erklärt sie. Die wurden den ansässigen Bestattungsfirmen mitgeteilt. Beerdigungen dürfen derzeit nur im engsten Kreis der Familie abgehalten und größere Gedenkfeiern könnten später nachgeholt werden. Es sollte mit den Hinterbliebenen besprochen werden, den Kreis der Teilnehmenden möglichst klein zu halten (bis maximal 10 Personen inklusive Bestatter und Friedhofsmitarbeiter, um das Risiko der Ansteckung zu verringern.

Teilnehmerlisten mit Kontaktdaten

Ebenfalls sollte bei Trauerfeiern vor Ort Teilnehmerlisten ausliegen, in denen durch einen Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung oder einen Mitarbeiter des Bestatters die Teilnehmer einschließlich Kontaktdaten eingetragen werden. Dieses dient der schnelleren Identifikation der Teilnehmer, sollte zu einem späteren Zeitpunkt einer der Teilnehmer als positiv auf Corona getestet werden. Die Teilnehmerlisten werden von der Friedhofsverwaltung verwahrt und nach vier Wochen vernichtet.

Wusterhaus weist darauf hin, dass die Trauerfeier im engsten Familienkreis auf dem Friedhof am Grab und nicht in der Kapelle oder Trauerhalle durchgeführt wird. Auch die Abstände gilt es einzuhalten: Auf dem Weg zum Grab sind es ein Sicherheitsabstand von anderthalb bis zwei Metern zum Nachbarn. Verzichtet werden soll auf das Händeschütteln und Umarmungen. Bestattungsunternehmen Horst Mittendorf ist froh, so sagt er, dass er über eine Beschallungsanlage verfügt. Mit der kann trotz der geforderten Weitläufigkeit der Zeremonie die Trauerrede gehalten werden – und jeder kann sie hören.

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Mit Desinfektionsmittel, Mund- und Nasenschutz, Schutzbrillen und Einweghandschuhe arbeiten die Bestatter schon seit langem. „Das ist für uns normal, der Verstorbene wird nur unter Schutz für die Bestattung zurecht gemacht.“ Auch schon vor Corona mussten sich die Mitarbeiter mit sogenannten multiresistenten Keimen auseinandersetzen. Die bleiben auf den Leichnamen noch lange erhalten und „da besteht die Pflicht zur Desinfektion und zu Schutzkleidung.“

Neue Handschuhe für jeden Schritt

Jeder Handgriff vom Sarg zum Verstorbenen und zurück werde mit neuen Handschuhen ausgeführt, nach jeder Berührung werde desinfiziert. Deswegen sei er auch mit allem Notwendigem ausgestattet. „Nur das Desinfektionsmittel war mal etwas knapp.“ Der Bundesverband Deutscher Bestatter merkt in seinen Veröffentlichungen an, dass das Handwerk bisher nicht bundesweit als systemrelevanter Beruf eingestuft sei. Das wäre jedoch wichtig, damit die rund 4500 Bestattungsfirmen in die Notfallpläne der Länder aufgenommen und mit Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel versorgt würden.

Zurzeit finden in der Einheitsgemeinde kaum Beerdigungen statt. Dafür nimmt die Seelsorge einen gewichtigen Platz bei den Menschen ein. „Wir können nicht zusammenkommen, selbst Hausbesuche gelten als problematisch“, sagt die frisch ins Amt geführte Pfarrerin Rebekka Prozell. Sie sehe sich als Multiplikator – einerseits könne sie mit Gesprächen Sicherheit und Trost vermitteln, andererseits wäre es möglich, „dass ich vielleicht den Virus übertrage.“ Darum finden die Gespräche am Telefon statt und wer Hilfe, etwa beim Einkaufen, bräuchte, werde auch das organisiert, so Prozell: „Der Kirchenkreis stehe bereit.“ Aktuell bastele sie kleine Ostergrüße mit Segen, Blumensamentüten und einer Kerze, die dann ins Fenster.