Genthin l Freitag, kurz vor 9 Uhr im Hofladen des Spargelhofes Hoffheinz in Genthin. Arbeitsbeginn für Verkäuferin Annelore Belicke. Anders als zu Beginn der Woche steht auf dem Tresen langersehnte Ware: frisch geernteter Spargel. Der Anfang der Spargelsaison ist gemacht, etwa 14 Tage früher als im Vorjahr.

Die Freude von Spargelbauer Henning Hoffheinz bleibt allerdings verhalten. Am Mittwoch betrug die Ausbeute der Spargelernte zunächst 60 Kilogramm, am Donnerstag mit 20 Kilogramm deutlich weniger. „Wir werden sehen“, will sich Henning Hoffheinz nicht zu großen Versprechungen hinreißen lassen. Sein Stimmungsbarometer bewegt sich offensichtlich zwischen Optimismus und Unsicherheit. Zwei regenarme Sommer, die den Spargelerzeugern zugesetzt haben, liegen hinter ihm. Der Spargelbauer will nun endlich nach vorn schauen. Für Hoffheinz ist gesetzt, dass am Dienstag die mobilen Marktstände aufgestellt werden, so dass die Vermarktung Fahrt aufnehmen kann. Einschränkungen wegen Corona, die den Verkauf des Spargels in irgendeiner Weise betreffen, gebe es zurzeit noch nicht. „Da machen wir also weiter wie bisher üblich.“

Arbeitskräftesituation ist Problem

Weitaus mehr brennt dem Spargelbauer eine diffuse Arbeitskräftesituation auf den Nägeln. Saisonarbeiter aus Osteuropa wurden bereits in den vergangenen Jahren knapper, die Corona-Krise verschärft die ohnehin angespannte Situation zusätzlich.

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25 Saisonarbeiter sind bereits angereist, 25 weitere werden von Hoffheinz zur Ernte noch händeringend erwartet. Zum Großteil handelt es sich bei den Erntehelfern um Stammpersonal, die Genthin bisher die Treue gehalten haben. Hoffheinz zahlt wie vorgeschrieben gesetzlichen Mindestlohn, bei guten Leistungen einen Zuschlag. Bewerbungsgespräche führte ein privater Vermittler in Rumänien in den Wintermonaten, den Hoffheinz bereits aus einer früheren Tätigkeit in einem niedersächsischen Spargelanbaubetrieb kennt.

Hoffen auf Spargelstecher aus Rumänien

Hoffheinz kann nur hoffen, dass an diesem Wochenende die so dringend erwarteten Spargelstecher aus Rumänien eintreffen. Auch wenn sie noch nicht gleich voll zum Einsatz kommen würden. „Dann machen sie eben einige Tage Urlaub, bis die Ernte auf vollen Touren aufläuft“, lässt Hoffheinz Galgenhumor durchblicken.

Die Ankündigung der Bundesregierung, dass Erntehelfer für die Landwirtschaft aus direkten Nachbarländern trotz strengerer Grenzregelungen weiter nach Deutschland kommen können, entkräftet die Bedenken des Genthiner Spargelbauern nicht. Ob die Rumänen einreisen können, sei letztlich von den Transitbestimmungen Ungarns abhängig. Die Situation sei jedoch gegenwärtig sehr unübersichtlich, entgegnet Hoffheinz.

140 Infizierte in Rumänien

Der Mangel an osteuropäischen Saisonarbeitern ist nicht neu und wird bereits seit Jahren von den Berufsverbänden beklagt. Auch ohne Corona. Hoffheinz sieht Gründe dafür auch in den sich in Rumänien verbessernden Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wer in Rumänien einen halbwegs guten Job findet, komme nicht drei Monate nach Deutschland zum Spargelstechen. Außerdem gebe es außerhalb der Landwirtschaft in anderen Branchen attraktive Arbeitsangebote für rumänische Arbeitssuchende.

Das Coronavirus tut aber auch hier sein Übriges. Rumänien meldete in der vergangenen Woche 140 Infizierte. „Warum sollten Rumänen deshalb unbedingt nach Deutschland kommen wollen, wo die Corona-Lage derart angespannt ist?“, fragt Hoffheinz.

Spargel muss vielleicht verotten

Geplant ist auf dem Spargelhof ein weiterer, 14-tägiger Einsatz eines Prototyps einer automatischen Spargelernte-Maschine, eines „Sparters“, der in den Niederlanden entwickelt wurde. Auch der werde nicht die fehlenden Saisonkräfte ersetzen können, macht sich Hoffheinz nichts vor. So zeichnete er die düsterste aller Prognosen: „Wenn nichts geht, bleibt uns nichts weiter übrig, den Spargel, der nicht geerntet werden kann, auf dem Acker zu lassen.“ Deutsche Arbeitnehmer als Spargelstecher zu gewinnen, sei eine absolute Illusion. Der Spargelhof Hoffheinz verfügt über eine Anbaufläche von 50 Hektar.