Genthin l Die Corona-Vorsichtsmaßnahmen haben Genthin im Griff. Die öffentlichen einrichtungen sind seit zehn Tagen geschlossen. Dennoch wird, wenn auch mit wenigen Mitarbeitern an vielen Stellen gearbeitet. Im Jugendhaus Thomas Morus sind die Praktikantinnen Marie Dake und Caro Zimmermann in verschiedenen Kellerräumen mit Aufräumen beschäftigt.

Mit Bestandsaufnahmen beschäftigt

„Sie schauen durch, wass sich angesammelt hat und sortieren, was noch gebraucht werden kann und was nicht“, erläutert Jugendhausleiter Ronny Harzendorf. Da das Haus derzeit für die Öffentlichkeit geschlossen ist, könne man sich mit solchen Bestandsaufnahmen beschäftigen. Daneben laufe die Jugendarbeit weiter.

„Wir schauen in der Stadt an den einschlägigen Punkten, ob sich Jugendliche treffen und reden ihnen ins Gewissen, dass sie das Kontaktverbot ernst nehmen sollen“, fügt Harzendorf hinzu. Zudem betreibe das Jugendhaus ein Sorgentelefon für Kinder und Jugendliche, denen aufgrund der besonderen Situation die Decke auf den Kopf fällt oder deren bestehende Probleme sich durch die derzeitige Krise verstärkt haben. „Am Telefon, per Mail oder WhatsApp stehen wir den jungen Leuten weiterhin zu Seite.“

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Erste Woche gut gelaufen

Auch in den Horten und Kitas findet eine Notbetreuung statt. Die vor Ort befindlichen Mitarbeiter kümmern sich um die Kinder, die derzeit nach den bestehenden Regularien noch gebracht werden dürfen. Gearbeitet wird aber auch in den Schulen. Die erste Woche der Schulschließung sei gut angelaufen, sagt Ingo Doßmann, Schulleiter der Grundschule Stadtmitte.

Die Eltern seien verständnisvoll gewesen, derzeit gäbe es eine Notbetreuung mit sehr wenigen Kindern. Alle Schüler hätten Aufgabenblätter bekommen, die aber nicht eingesammelt werden. In diesen Zeiten müssten Eltern dafür extra an die Schule kommen, was beidseitig nicht gewünscht ist. Die Aufgabenkontrolle erfolgt durch Eltern mit den Lösungshinweisen. Somit bedeutet Schulausfall nicht gleich Freizeit. „Wir richten uns darauf ein, Aufgaben zur Verfügung zu stellen, falls es über die Ferien hinaus eine Verlängerung gibt. Diese Aufgaben werden parallel auf der Homepage veröffentlich und per Post zugestellt.“

Wissensvermittlung übers Netz

Denn auch in der Grundschule sei das Internet ein wichtiges Werkzeug zur Wissensvermittlung. „Zwischenzeitlich habe ich auf der Homepage auch Hinweise zur sinnvollen Mediennutzung mit den jeweiligen Links zur Verfügung gestellt“, führt Doßmann aus. Für die 3. und 4. Klassen steht dabei die sogenannte Moodle-Plattform zur Verfügung. Ein Lernangebot, dass besonders in den weiterführenden Schulen genutzt wird.

„Die Plattform Moodle erlebt gerade ihre Feuertaufe“, bestätigt Volker Schütte. Zwar würde es zu kürzeren technischen Problemen kommen, da der Datenverkehr derzeit sehr stark sei. „Ich denke aber, dass der Nutzen und Notwendigkeit dieser Kommunikationswege nicht mehr strittig ist.“ Gerade jetzt wird die Plattform besonders betreut: „Das schulinterne Moodle-Team arbeitet intensiv an der stetigen Optimierung der Inhalte und bindet jeden Tag mehr Schüler und Kollegen in das Netzwerk ein.“

 Mit digitalen Medien wird auch an anderer Stelle gearbeitet. So sind die verbliebenen Mitarbeiter im Kreismuseum Genthin derzeit mit der Digitalisierung des historischen Fotobestandes beschäftigt. Ein Bestand von rund 18 000 Bildern seit 1880. Fotos von alten Genthiner Straßenzügen, Brückeneinweihungen, dem Waldbad oder der Warmbadeanstalt. Die digitalisierten Ansichten sollen künftig Eingang in die Museumsarbeit finden und dadurch auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Auch Bibliothek setzt auf digitale Wege

Auf den digitalen Weg setzt auch die Stadt- Und Kreisbi-bliothek. Dort gibt es eine vereinfachte Möglichkeit zur Anmeldung bei der Onleihe. „Der Vorgang ist so gestaltet, dass er fast ausschließlich über das Internte läuft“, erläutert Cornelia Draeger von der Bibliothek. Einzig eine Karteikarte, die den Nutzern per Post zugeht, müsse wieder an die Bibliothek zurückgesandt werden.

„Da wir im Moment aufgrund der Schließung unseren üblichen Service nicht bieten können, ist das eine Möglichkeit, sich mit Büchern, Zeitschriften, Audio- oder Videodateien zu versorgen.“ Die Daten können für wenige Tage oder auch mehrere Wochen geborgt werden. Ganz wie im üblichen bibliotheksbetrieb - nur digital und ohne persönlichen Kontakt.

Reinigungsarbeiten in der Schwimmhalle

Wenig Kontakt haben derzeit auch die Mitarbeiter in der Schwimmhalle. Schwimmeister Elko Bernau berichtete, dass zwei bis drei Mitarbeiter vor Ort seien und mit Reinigungsarbeiten betraut seien. „Dadurch müssen wir während der Sommerschließzeiten keine so umfängliche Tiefenreinigung mehr durchführen.“ Umkleidekabinen, Sauna und Umlaufrinne des Schwimmbeckens wären derzeit Teil der Arbeit.

Gearbeitet wird auch in der Genthiner Stadtverwaltung. Bürgermeister Matthias Günther ist im Rathaus und schaltet sich regelmäßig telefonisch mit den Fachbereichsleitern zusammen. Seit 14 Tagen tagt auf diesem Weg ein Krisenstab, der die Umsetzung von angeordneten Maßnahmen auf den Weg bringt und überwacht. Die Geschäftsschließungen würden wie angeordnet vonstatten gehen.

Unter anderem habe man die Ansammlungen von Jugendlichen im Blick, diese nähmen derzeit aber ab. Insbesondere am vergangenen Wochenende waren von Anwohnern Treffen auf dem Marktplatz und im Volkspark gemeldet worden.