Genthin l Anstatt Klassenraum, der heimische Schreibtisch: Hier findet derzeit nicht nur der Schulalltag Genthiner Schüler statt – auch Lehrer mussten sich durch die Schulschließungen umstellen. „Das ist schon eine große Herausforderung“, erzählt Martina Adermann. Sie ist Lehrerin am Bismarck-Gymnasium, Klassenlehrerin einer fünften Klasse und unterrichtet Siebt- und Elftklässler in Englisch. Von jetzt auf gleich mussten Lehrer ab dem 13. März ihren Unterricht neu organisieren und eine Lösung finden, die für alle Schüler passt, auch für die mit schlechter Internetverbindung und fehlendem Computer.

Für ihre fünfte Klasse nutzt Martina Adermann eine Art digitale Pinnwand. „Das ist einfach bedienbar und erfordert keine Daten von den Schülern“, erklärt sie. Über dieses Programm kann sie den Schülern Arbeitsmaterialien zukommen lassen, die Schüler können die Ergebnisse ebenfalls hochladen. Das System hat sich für sie bewährt. Kindern, die noch gar keine Erfahrung mit dem Computer hätten, stünden die Eltern zur Seite.

Probleme mit Programmabstürzen

Das ist bei den älteren Schülern nicht mehr notwendig. Das Bismarck-Gymnasium nutzt die Lernplattform moodle. Hier lädt Adermann Hörtexte und Lernvideos hoch. „Am Anfang war problematisch, dass moodle öfters abgestürzt ist, weil zu viele Leute darauf zugegriffen haben“, sagt Martina Adermann. Mittlerweile sei das aber besser geworden.

Ist für ein Kind der Zugriff auf moodle nicht möglich, beispielsweise aufgrund einer schlechten Internetverbindung, schickt Martina Adermann die Lernmaterialien per E-Mail raus. „Bisher geht das gut“, resümiert sie.

Technik funktioniert durchwachsen

„Die technischen Voraussetzungen der Schüler sind sehr heterogen“, bestätigt Volker Schütte, Schulleiter des Bismarck-Gymnasiums. Hinzu käme, dass eine stabile Datenleitung vor allem im ländlichen Raum nicht gewährleistet ist. „Wir versuchen das individuell zu regeln“, sagt er. Älteren Schülern habe die Schule bereits Computer ausgeliehen, weil kein adäquates digitales Endgerät vorhanden war.

Auch Ingo Doßmann, Schulleiter der Grundschule Stadtmitte hat durch Gespräche mit vielen Eltern festgestellt, dass die Voraussetzungen für digitales Arbeiten nicht überall gegeben sind.

Grundschule nicht darauf vorbereitet

Hinzu käme, dass das digitale Bildungspaket der Bundesregierung an seiner Schule noch nicht angekommen sei. „Das System Grundschule ist nicht auf so eine Situation vorbereitet“, so die Einschätzung von Ingo Doßmann.

Die Grundschule setzt daher auf Lernpakete per Post, die alle drei Wochen rausgeschickt werden. Für insgesamt 110 Kinder kostet eine Runde Briefsendungen 170 Euro. Zusatzmaterialien, wie Lernvideos und Lösungen der Aufgaben für die dritten und vierten Klassen stellt die Schule auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Die Aufgaben werden nicht von den Lehrern kontrolliert, die Schule setzt hier vor allem auf die Eltern. „Die Eltern bestätigen uns, dass sie damit klar kommen“, berichtet Ingo Doßmann.

Besonders Jüngeren fehlt persönlicher Kontakt

Ein Problem nach mehreren Wochen des Lernens zu Hause sieht Ingo Doßmann darin, die Motivation der Kinder aufrecht zu erhalten. „Viele sehnen sich nach der Schule zurück, möchten ihre Kumpels endlich wiedersehen“, erzählt er.