Genthin l Die jüngste Einwohnerstatistik mit dem Stichtag 31. Dezember überrascht nicht: Die Einheitsgemeinde Genthin ist weiter geschrumpft. Von 2018 auf 2019 weist die Statistik einen Rückgang um 183 Einwohner aus. Die Zahl belegt eine steigende Tendenz: So wurde von 2017 auf 2018 ein geringeres Minus, das 137 Einwohner betrug, erfasst.

Aktuell sind in der Kanalstadt 14.174 Menschen zu Hause. Genthin wird dabei zunehmend älter. So beträgt das Durchschnittsalter der Kanalstädter 49 Jahre, bei Männern 47 und bei Frauen 51 Jahre.

Hohe Verluste seit Jahren

Genthin zählt zu den Kommunen im Jerichower Land, denen die Demografen schon seit Jahren hohe Verluste vorhersagen. Das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt geht davon aus, dass die Bevölkerungszahl in zehn Jahren nur noch bei etwa 12.500 Menschen liegen wird. Das zurückliegende Jahr hat für diese Talfahrt erwartungsgemäß den Weg geebnet.

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Ursächlich für den Bevölkerungsrückgang bleibt der Umstand, dass die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Geburten – wie in den vergangenen Jahren auch – deutlich übersteigt. 91 Geburten standen 254 Sterbefällen gegenüber.

Weniger Geburten als Todesfälle

1995 wurden noch knapp doppelt so viele Kinder geboren wie Menschen innerhalb eines Jahres verstorben sind. Das Verhältnis hat sich schon seit Jahren umgekehrt.

Zuzüge können diesen Einwohner-Verlust bei weitem nicht kompensieren. Im Gegenteil. Die Zuzüge konnten selbst die Wegzüge im vergangenen Jahr nicht annähernd ausgleichen. So wurden in der Einheitsgemeinde 575 Personen registriert, die entweder der Kernstadt oder ihren Ortsteilen den Rücken kehrten. Im Gegenzug konnten jedoch nur 557 zugezogene „Neu-Genthiner“ begrüßt werden.

Zuzüge mehr als Wegzüge

Einen bescheidenen Lichtblick gibt es aber dennoch in der Kernstadt Genthin. Auch hier sank die Gesamtbevölkerungszahl, konkret von 10.450 auf 10.320 Personen. Es tut sich eine eklatante Schere zwischen 62 Geburten und 207 Sterbefällen auf. In der Kernstadt war jedoch die Zahl der Zuzüge mit 482 größer als die Zahl der Wegzüge mit 469.

Erklärungsversuche für dieses zaghafte Plus sind schwierig. Ob die Aktion „Ansiedler und Fachkräfte für Genthin“, gegründet von Vermietern, Unternehmern und der Stadt Genthin, daran Anteil hat, ist gegenwärtig nicht darstellbar. Offensichtlich ist jedoch, dass Genthin in seiner Einwohnerbilanz bisher nicht wie andere Kommunen von der zugespitzten Wohnraumsituation in den benachbarten Großstädten profitieren konnte. Das Umland wird zunehmend attraktiv mit finanziell erschwinglichem Wohnraum. Von Burg gehen gegenwärtig wesentlich deutlichere Signale aus, um für einen Zuzug zu werben. Die Wohnungsbaugesellschaft wirbt für die Stadt Burg seit einem Jahr in Berlin und ist mit Institutionen, Vereinen und Medien regelmäßig im Gespräch. Erste Zuzüge sind hier bereits zu verzeichnen.

Ortsteile leiden unter Schwund

Die aktuellen Bevölkerungszahlen Genthins stimmen indes nachdenklich: In der Kernstadt Genthin lebten 2019 in etwa so viele Menschen wie vor etwa 90 bis 100 Jahren.

Genthin zählte 1908 nach Angaben des Museums 6000 Einwohner ohne Altenplathow, 1925 waren es laut Brockhaus 9120 Einwohner mit Altenplathow zusammen. 1933 wies ein Heimatkalender 10 472 Einwohner für die Kanalstadt aus.

Ausnahme ist Mützel

Auch die Genthiner Ortsteile blieben im vergangenen Jahr nicht von einem Bevölkerungsschwund verschont. Einzige Ausnahme bleibt Mützel. Hier zeichnet sich ein ganz zartes Pflänzchen Optimismus ab, ganz gegen den allgemeinen Trend. Hier dominieren sechs Geburten gegenüber zwei Sterbefällen, sind mehr Zuzüge (23) als Wegzüge (18) zu verzeichnen. So zählte Mützel zum Ende des Jahres 550 Einwohner, neun mehr als im Vorjahr.

Federn musste auch Tucheim als größter Ortsteil in der Einheitsgemeinde lassen. Die Einwohnerzahl verringerte sich innerhalb eines Jahres von 1140 auf 1114. Auch hier klafft ein Lücke zwischen acht Geburten und 15 Sterbefällen, 35 Zuzügen und 54 Wegzügen. Dennoch verliehen die Tucheimer gegenüber der Stadt auch im zurückliegenden Jahr wiederholt ihrer Forderung Nachdruck, Baugrundstücke für junge Leute auszuweisen. Dafür bestünde eine Nachfrage.

Parchen leidet besonders heftig

Die Demografie-Falle erwischte Parchen im zurückliegenden Jahr besonders heftig. In die Statistik gingen vier Geburten ein, die 14 Sterbefälle in der Gesamtbilanz nicht ausgleichen konnten. 39 Einwohner verließen Parchen und nur 29 kamen neu hinzu, sodass sich die Einwohnerzahl von 777 letztlich bei 757 zum Stichtag 31. Dezember einpegelte.