Genthin l Die Tage der Immobilie, in der sich gegenwärtig noch die Notunterkünfte für Obdachlose und die Tafel befinden, sind gezählt. Schon zum 1. Februar werden die Mitarbeiter der Diakonie, in deren Verantwortung sowohl die ambulante Wohnungslosenhilfe als auch die sozialtherapeutische Betreuung der Obdachlosen gewährleistet wird, in Wohnungen umziehen.

Kommunale Aufgabe

Bisher hat die Stadt Genthin, Obdachlosigkeit ist eine kommunale Aufgabe, die Immobilie am Platz des Friedens zur Verfügung gestellt. Veränderungen sind längst überfällig. Seit mehr als zwei Jahren waren die Stadt Genthin und die Diakonie auf der Suche nach Alternativen, um weg von Gemeinschaftstoiletten und -küchen hin zu separaten Wohneinheiten zu kommen.

Das in die Jahre gekommene Gebäude sei nicht mehr zu bewirtschaften und eigne sich nicht mehr als Notunterkunft, sagte Alexandra Adel, Fachbereichsleiterin für Verwaltung und Bürgerservice gegenüber der Volksstimme. Die Betriebskosten seien mittlerweile sehr hoch und nicht mehr vertretbar, ergänzte sie. Als Alternativen kämen sowohl eine Sanierung als auch ein Neubau nicht in Frage.

Orientierung an ein Burger Modell

Stadt Genthin und die Diakonie Jerichower Land hätten zwangsläufig auch vor dem Problem gestanden, bessere Bedingungen für die Obdachlosen zu schaffen, ohne sehr viel Geld in die Hand nehmen zu müssen, erklärte die Fachbereichsleiterin.

In Genthin macht man sich nun ein Modell für die Obdachlosenunterbringung zunutze, das in Burg bereits erfolgreich praktiziert wird. In Zusammenarbeit mit der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft werden die ersten Wochen des neuen Jahres genutzt, um Wohnungen als Notunterkünfte bezugsfertig herzurichten.

Ausgestatte Räume

Es handelt sich um zwei 3-Raum-Wohnungen und 2 Vier-Raum-Wohnungen jeweils ausgestattet mit Küche und Bad, die sich mit Räumlichkeiten der Tafel in einem Aufgang befinden.

Die Zahl der Wohnungen, die bereitgestellt werden, entspreche dem Bedarf. Es müsse auch weiterhin kein Bedürftiger abgewiesen werden, unterstrich Alexandra Adel. Sie betonte, dass der Kommune durch den Umzug keine Mehrausgaben entstehen würden.

Bisher standen der Diakonie in Genthin 17 Plätze für Obdachlose zur Verfügung, die sich in der täglichen Praxis auch als ausreichend erwiesen. Während die Stadt dafür verantwortlich zeichnet, Obdachlosen ein Dach über den Kopf zu bieten, unterhält die Diakonie ein Netzwerk für die Bedürftigen, das Drogen- und Suchtberatung, Schuldnerberatung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Ärzte, Therapeuten und vieles mehr umfasst.