Genthin (ie) l Es war fast wie vor 60 Jahren, vielleicht ein wenig gemächlicher aber bestimmt genauso feierlich, als am Donnerstag Hannelore und Willi Wenslau durch die Kader Kirche zum Altar schritten. Dort wartete bereits Pfarrerin Magdalene Wolfarth, um das Paar vor den Augen von Familienangehörigen und Freunden erneut zu segnen und dem Paar Raum zu geben, sein Eheversprechen zu erneuern.

„60 Jahre ist eine lange Zeit voller gemeinsamer Höhen und Tiefen, die Sie gemeinsam erlebt haben“, sagte die Pfarrerin. „In guten und schlechten Zeiten waren Sie beieinander, wie sie es sich am Hochzeitstag 20. August 1960 versprochen haben.“ Dass sich die beiden Eheleute überhaupt kennenlernen konnten, ist den Verwerfungen der Zeit zuzuschreiben. Hannelore Wenslau ist in Schneidlingen kurz vor den Toren Magdeburgs aufgewachsen und stammt ursprünglich aus Stettin (polnisch Szczecin). Mit vier Jahren kam sie nach Schneidlingen, als eines von zehn Geschwistern zusammen mit der Mutter. Den Vater hat sie nie kennengelernt.

Willi Wenslau ist jemand, den man getrost als Ur-Kader bezeichnen kann. Er ist durch den Austausch der Bauern von Kade nach Schneidlingen gekommen. Dort lernte er vor 62 seine Frau kennen. Beide haben Wurzeln in landwirtschaftlichen Familienbetrieben und haben ihr Arbeitsleben in der Landwirtschaft verbracht, mit vielen Tätigkeiten, die die Höfe damals erforderten.

Kontakte über die LPG

Und sie sind nicht die einzigen, die durch die Kontakte der LPG beider Dörfer zusammen gekommen sind: Willi Wenslaus älterer Bruder und Hannelore Wenslaus ältere Schwester Friedrich und Ilse Wenslau sind ebenfalls seit 60 Jahren verheiratet, hatten einst aber rund elf Monate vor den Geschwistern geheiratet. Schneidlingen und Kade – das ist eine gute Verbindung, eine, die auch die Orte heute noch pflegen.

Hannelore und Willi Wenslau mussten nach dem Glück ihrer Vermählung gleich zu Beginn ihrer Ehe einen schweren Schicksalsschlag erleben: Ihr erstes Kind, die einzige Tochter, starb bereits mit einem Vierteljahr.

Es kamen noch drei weitere Kinder, alles Jungs, und inzwischen noch sieben Enkel und neun Urenkel. „Wir sind halt eine große Familie“, witzelten Wenslaus nach dem Gottesdienst, der von einer feierlichen Stimmung und der Orgelmusik zu den Melodien Paul Gerhardts geprägt war. Und auch wenn das Gehen heute nicht mehr so leicht fällt, eins ließ sich das diamantene Paar nicht nehmen: Den in Kade traditionellen Gang um den Altar, der gehöre dazu und bringe Glück. Der Bereich vor der Kirche war liebevoll dekoriert und hergerichtet worden. Der Förderverein Kader Kirchen richtete für die Ehejubilare einen kleinen Umtrunk auf dem Kirchplatz aus.

Wenslaus mussten danach vielen Menschen zuprosten, nahmen zahlreiche Glückwünsche entgegen. „Wir haben keinen Tag bereut“, sagt Willi Wenslau heute und seine Frau freute sich: „Heute darf ich mich noch einmal wie eine Prinzessin fühlen.“