Genthin l Was soll der Roboter-Elefant am Ende alles können? Typisch elefantisch Laufen natürlich, den Kopf samt Rüssel heben und senken und „Toröööö!“ rufen. Annalena Elling, 22, Auszubildende zur Industriekauffrau, lässt bestimmt durchblicken, mit welcher Kinderfigur für sie und die anderen sieben Azubis, die an der digitalen „Digi Azubi-Woche 2020“ in Genthin teilnehmen, ein Elefant verbunden ist. Mit Benjamin Blümchen, dem einzigen sprechenden Elefanten der Welt, erdacht von Elfie Donnelly.

Bevor der Robotik-Elefant aber sein „Toröööö!“ hören lassen kann, haben die Auszubildenden gemeinsam mit Hilfe von Dozentin Katrin Gerling sich soweit in das Programmieren eingearbeitet, dass sie wissen, was zu tun ist, damit der Elefant das tut, was die Azubis Phillipp und Marie wollen.

"Snake" als Vorbild

Derweil schreiben Gideon, Kevin und Niclas jeweils an ihrem ganz persönlichen Programm für den Klassiker des Computerspiels „Snake“. Bei diesem wird eine sich gerade oder rechtwinklig bewegende Schlange durch ein Spielfeld gesteuert. Obwohl die Schlange dabei nur durch einen einfachen Strich symbolisiert wird, sieht das Spiel bei jedem Azubi etwas anders aus. „Sie haben extra für mich jeder einen anderen Fehler in ihr Snake-Programm geschrieben“, schmunzelt Katrin Gerling. „Aber ich habe sie alle gefunden!“

Bilder

Die studierte Ingenieurinformatikerin und Softwareentwicklerin, die auch viele Robotik-Kurse für kleinere Schulkinder gibt, bescheinigt der angehenden Industriekauffrau, dem Mechatroniker, dem Konstruktionsmechaniker, dem Elektroniker und dem Industriemechatroniker eine „erstaunlich gute Auffassungsgabe“, was das Programmieren angeht. Schließlich sind Annalena & Co. keine digitalen Nerds, sondern lernen ganz „normale“ Berufe. An denen geht die Digitalisierung aber natürlich auch nicht vorbei. Und so empfiehlt Landrat Steffen Burchhardt, bei seinem Besuch des „Digidays“ am Freitag im Seminarraum des Genthiner Stadtkulturhauses, dass die Chefs der Azubis sich das, was der Nachwuchs hier so macht und lernt, auch mal direkt anschauen sollten.

Steffen Burchhardt erinnert sich dabei an seine Programmieranfänge vor gut 20 Jahren. „Kennt Ihr noch Turbo Pascal?“ Mit dieser Programmiersprache kann die Dozentin noch etwas anfangen. Die Jugendlichen beschäftigen sich in dieser „Digi Azubi-Woche“ eher mit „Python“ und der Auszeichnungssprache für as Internet HTML.

Ausbildungen mit Zukunft

Gideon, dem angehenden Industriemechaniker, bescheinigt Landrat Burchhardt, mit TCS (Türsprech- und Videoanlagen sowie für Kontroll- und Sicherheitslösungen rund um den Eingang) in Genthin bei einer „guten Hütte“ gelandet zu sein. Die hätte Zukunft, auch, weil sie internationale Märkte erschließten.

Als Philipp Fabian, der angehende Konstruktionsmechaniker erzählt, dass er bei der Stag GmbH in Genthin lerne und dafür von Potsdam aus nach Genthin gezogen sei, freut das den Landrat sehr, denn das passiere sonst eher in der umgekehrten Richtung.

Auch Chris, der angehende Mechatroniker, ist bei TCS gelandet und dafür aus der Prignitz nach Genthin gezogen. 90 Kilometer weit weg, immerhin. „Ihr bringt so viele Kompetenzen mit, damit könnt Ihr eure Firmen echt vorwärts bringen“, bescheinigt der Landrat den Azubis und fügt noch erleichtert hinzu: „Gut, dass Ihr keine Akademiker werden wolltet!“ Diesen Fachkräftenachwuchs könne die Region mehr als gebrauchen.

Dynamische Zeiten

Auch hier in der Region werde es für die jungen Leute immer spannend bleiben. Wer in diesen dynamischen Zeiten die Bereitschaft mitbringe, beruflich immer wieder etwas Neues zu lernen beziehungsweise anzufangen, der müsse sich keine beruflichen Sorgen machen. „Gute Truppe“, bescheinigt der Landrat den Azubis noch zum Abschluss seines Besuches. „Habt noch weiter Spaß am Programmieren und den Robotern.“

Eigentlich hatte das Techonologie- und Gründerzentrum Jerichower Land im Rahmen des Projektes „Regionale Digitalisierungszentren“ 2020 ein richtiges erstes „Digi-Jugendcamp“ am TGZ-Standort in Roßdorf geplant, so TGZ-Geschäftsführerin Elisa Heinke. Aber das musste coronabedingt abgesagt werden. Das Wichtigste – zu lernen, eigene Roboter zu bauen und sie zu programmieren – gelingt den jungen Leuten unter Anleitung von Dozentin Katrin Gerling auch in der abgespeckten „Digi Azubi-Woche“ sehr gut.

Auch wenn der Elefant von Dozentin Katrin Geiling mehrfach „operiert“ werden muss, weil eines der tausend Einzelteile, aus denen er zusammengebaut wurde, nicht in der richtigen Richtung in ihm drinsteckt. Das muss es wie alle anderen tausend Einzelteile aber auch. Denn sonst fällt er beim typischen elefantischen Tapsen immer wieder um und kann beim Vorführen mit emporgehobenen Rüssel eben nicht das gewünschte ordentliche „Toröööö!“ hören lassen.