Genthin l Wie kann dem demografischen Wandel durch eine attraktive Kommune, die interessant für Unternehmensgründerinnen ist, entgegengewirkt werden?

Frauen gründen anders

Unter anderem mit dieser Frage beschäftigte sich eine Gesprächsrunde um Anne-Marie Keding, Ministerin für Justiz und Gleichstellung in Sachsen-Anhalt, Genthins Bürgermeister Thomas Barz, Beatrix Pausch vom Technologie- und Gründerzentrum Jerichower Land und der Unternehmerin Silvia Roßmann.

„Gründen Frauen anders?“, wollte Moderator Andreas Mann etwa von Beatrix Pausch wissen. „Frauen gründen mit mehr Vorlauf, Männer eher spontan“, konnte sie berichten. Besonders häufig seien gründende Frauen in Pflegeberufen, im Dienstleistungsbereich und in der Gastronomie zu finden.

Durchaltevermögen gefragt

Bei der Gründerquote seien Frauen mit fast 50 Prozent fast mit den Männern gleichauf. Bei Unternehmensgründungen komme es, so Pausch, auf das Durchhaltevermögen in den ersten Jahren an.

Diese Aussage bestätigte die Genthiner Unternehmerin Silvia Roßmann. Sie gründete 1990 mit ihrem Mann Bernhard das Geschäft „Ideen von A bis Z“, das bis heute in der Innenstadt besteht.

Harte erste Jahre

„Wir hatten drei harte erste Jahre“, beschrieb Roßmann die Anfangszeit. Das Unternehmerpaar sei nach der Wende ins kalte Wasser gesprungen und hätte sich mit langen Arbeitstagen und viel Engagement langsam freigeschwommen. Unterstützt habe damals ein Steuerberater.

„Wir haben uns viel Wissen selbst angeeignet“, erläuterte Silvia Roßmann. Wer bereit sei, sich weiterzuentwickeln, könne auch heute noch auf dem Markt bestehen, machte sie Mut. Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) machte deutlich, dass auch von solchem Unternehmergeist die ländliche Region gestützt werde. „Wir müssen als Kommune die Wirtschaft verstetigen, die da ist“, brach der Bürgermeister eine Lanze auch für den Chemiepark, der ein wichtiger Arbeitgeber sei.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Große Unternehmen suchen Mitarbeiter, die Jugend müsse nicht weg. Wichtig sei dafür, nicht nur, dass Arbeitsplätze vorhanden seien, sondern auch eine Infrastruktur aus Wohnungen, Kitas, Schulen, aber auch digitaler Anbindung. Ministerin Anne-Marie Keding (CDU) wies darauf hin, dass für Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine besondere Bedeutung habe. Auch sollten erfolgreiche Geschäftsfrauen junge Unternehmerinnen fördern.

„Bei Männern ist dieses Fördern selbstverständlich, Frauen müssen stärker dazu ermuntert werden.“ Auch der Umgang mit einem eventuellen Scheitern müsse eine andere Qualität haben. „Wenn Unternehmerinnen scheitern, müssen sie wissen, dass damit nicht das ganze Leben in die Brüche geht.“

Neu anfangen gehört dazu

Es müsse Möglichkeiten zum Wiedereinstig in angestellte Beschäftigungsverhältnisse geben. Auch seien Berichte über das Scheitern hilfreich für andere, um es besser zu machen.“ Weitermachen und neu anfangen gehört dazu, auch die Gesellschaft muss damit umgehen lernen.“

Im zweiten Teil der Diskussion kamen die Gesprächspartner im Podium mit den Gästen ins Gespräch, unter ihnen Vertreter von lokalen Vereinen, Unternehmen und des Genthiner Stadtrates. Moderator Andreas Mann bat den Bürgermeister am Ende des Gespräches nach einem Satz, der Genthin im Jahr 2025 beschreibt.

„Was würden Sie gern für eine Schlagzeile lesen?“ Für Thomas Barz war es folgende: „Die Geburtenrate steigt erneut - Die Stadt Genthin baut neben einem Kindergarten auch eine neue Grundschule.“ Wenn es in einer Stadt viele Kinder gäbe, dann sichere dies die Zukunft der Region. „Vielleicht wäre ein weiterer Wunsch, dass Gründerinnen und Gründer sich bei uns ganz gern ansiedeln.“