Genthin l Offizieller Besuch im Integrationstreff. Die Zeiten, als hier Spätaussiedler eine Heimstatt hatten, sind vorbei. Hier hat sich jetzt ein Anlaufpunkt für Kriegsflüchtlinge entwickelt, der von Ehrenamtlern betreut wird. „Vor einigen Jahren habe ich mir noch Gedanken gemacht, welche Perspektiven der Integrationstreff in zehn Jahren haben wird. Doch jetzt ist mit den Flüchtlingen neues Leben eingekehrt, jetzt hat der Integrationstreff als Teil eines Netzwerkes Fahrt aufgenommen.

Er ist für die Begegnung zwischen Flüchtlingen und Genthinern eine Schnittstelle auf lange Sicht“, sagte Genthins Bürgermeister Thomas Barz. Er unterstrich zudem, dass die SWG - sie trägt die Kosten der Integrationstreff-Wohnung, die GWG die Betriebskosten - bei der Unterbringung der Flüchtlinge starken Rückenhalt gebe. Mittlerweile gebe es keine freien Wohnungen mehr. Das städtische Wohnungsbauunternehmen vermiete dabei zu normalen Konditionen. In diesem Zusammenhang betonte Barz, dass die Anträge auf Fördermittel für den Abriss von Wohnungen in diesem Komplex verschoben wurden.

Wohnung nicht ausreichend

Unterbringung und Integration, das machte der Landrat klar, seien zwar Aufgaben des Landkreises, sie funktionieren letztlich aber nur dann, wenn sich Leute vor Ort - wie die Ehrenamtler des Integrationstreffs - engagieren. Diesbezüglich gebe es, so Steffen Buchhardt eine gute Partnerschaft zwischen dem Landkreis und der Stadt Genthin.

„Wir haben erkannt, dass wir auch die Gemeinden in die Pflicht nehmen müssen.“ Bei allem Lob, den Bürgermeister und Landrat den Ehrenamtlern des Integrationstreffs aussprachen, offenbarte das Gespräch durchaus Probleme und unterschiedliche Auffassungen. Cornelia Otto, Chefin des Integrationstreffs, stieß zunächst auf Verständnis, dass die eine 4-Raum-Wohnung, die zurzeit zur Verfügung steht, zukünftig nicht mehr für Sprachkurse ausreichen würde. Etwa 60 bis 70 Flüchtlingen wöchentlich nehmen diese Kurse wahr. Als mögliche Alternative waren der Lindenhof und das Kreishaus im Gespräch.

Getrennter Sprachunterricht

Ergebnisoffen blieb die Bitte der Flüchtlinge, zukünftig Sprachunterricht getrennt nach Männer zu Frauen durchzuführen. Während die Ehrenamtler sich der Bitte nicht verschließen wollen, lenkte Genthins Bürgermeister nicht ein. Er gab zu bedenken, dass den Flüchtlingen klar zu machen sei, sich im Gastland mit der hiesigen Kultur zu arrangieren.

Großen Unterstützungsbedarf signalisierte die Ehrenamtler an der Beschaffung von Büromaterial wie Toner, Papier und Stiften für den Deutsch-Unterricht. Da der Integrationstreff kein Verein sei, nehme er keine Spenden entgegen und habe demzufolge auch keine finanziellen Spielräume, versuchte Cornelia Otto zu erklären. Thomas Barz bot Unterstützung durch das Rathaus an, ermunterte Cornelia Otto aber auch, einen Förderantrag über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zu stellen. Dies habe sie sofort getan, sagte Otto gestern gegenüber der Volksstimme. Außerdem habe der Landkreis in kürzester zeit einen Betrag auf das Konto überwiesen.