Parey l Die Mühle erstrahlt in neuem Glanz. Ganz anders sehen die Flügel aus nach der Sanierung. Dort stehen nun der ehemalige Pareyer Bürgermeister Bernhard Melchert und Peter Kruber. Letzterer ist ein Verwandter von Erwin Ogen, dem letzten, leider bereits verstorbenen, Müllermeister.

Steine geschärft

Kruber war Ogen bereits zu Lebzeiten eine große Hilfe und hat ihn bei den Arbeiten unterstützt „Erwin Ogen hat alles selbst an der Mühle gemacht, er war sehr engagiert und handwerklich geschickt“, berichtet Melchert. Dazu gehörte das Schärfen der Steine, die Holz- und die Malerarbeiten. Nun konnte man als Unterstützung auch Jens Königsmark aus Derben gewinnen.

Nun wird die Mühle winterfest gemacht. Es gibt ab jetzt keine Führungen mehr. Die Saison ist abgeschlossen. Regelmäßig schaut jedoch Peter Kruber bei der Mühle vorbei. Sie müsse einmal pro Woche in Betrieb sein. Natürlich nur wenn der Wind bläst. Er schaut dann auch, ob alles okay ist.Erst im Frühjahr gehe es wieder an die Arbeit. Dann soll mit Hilfe der Mitarbeiter des Bauhofs eine kleine Treppe hinauf auf den Mühlenhügel installiert werden.

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2019 wieder Führungen

Im Mai nächsten Jahres werde es wieder Führungen geben, betont Melchert. Durch die Führungen seien in diesem Jahr bisher 800 Euro Spenden eingegangen. „Im vergangenen Jahr waren es 980 Euro gewesen“, so Melchert. Doch in diesem Jahr gab es auch Unterbrechungen wegen der Sanierungsarbeiten. Melchert erinnert sich gerne an die Führungen. „Es haben 14 Leute aus dem Bereich des Tunnelbaus in Magdeburg vorbeigeschaut. Sie haben 250 Euro dagelassen“, erzählt Melchert.

Auch das Erlebnisdorf Parey mit Björn Thomas an der Spitze gäbe einen größeren Betrag zur Unterstützung des Erhalts der Mühle. Der Heimatverein Parey unterstützt den Erhalt des technischen Denkmals ebenfalls. Zum Mühlentag präsentiert der Verein immer seinen Kalender an der Mühle. In die Fußstapfen von Melchert will Pfarrer Andreas Breit treten.

Besondere Atmosphäre

Beim Mühlentag 2018 sang er mit den Besuchern in Bäckerkleidung Wander- und Mühlenlieder. Begeistert sangen viele mit, es entstand eine besondere Atmosphäre in der Mühle. Nach seinem Ruhestand will Breit die Aufgaben von Melchert nach und nach übernehmen. Melchert informierte, es sei hier eigentlich keine Schulung notwendig.

Zufrieden ist letztendlich auch Mühlenbauer Martin Wernicke. Denn leider verliefen die Arbeiten nicht so reibungslos wie geplant. Erst einmal wurden bis zum Elbauenfest die alten Mühlenflügel abmontiert und in seine Werkstatt nach Kyhna gebracht. Bei Untersuchungen in der Mühle stellte sich heraus, dass Alu-Teile korrodierten.

Neue Einfriedung

Zudem wurden Mängel an einem tragenden Balken festgestellt. Das bedeutete Mehraufwand und natürlich auch Mehrkosten. Aber dann ging es zügig voran. Die Rampe erstrahlt in neuem Glanz und ist Din-gerecht. Auch die Einfriedung aus Holz ist nagelneu.

Martin Wernicke kann auf Erfahrung bauen. In Kyhna hat er sich einen Lebenstraum erfüllt. Dort befindet sich auch heute seine Werkstatt. Er durfte dort eine Bockwindmühle zur Paltrockwindmühle umbauen. 1986 habe er sich zum ersten Mal diese Windmühle angeschaut. An dem Projekt zeigt sich seine Liebe zu den historischen Mühlen.

Immer wieder besuchte er das historische Bauwerk. Bis der Mühlenbesitzer entschied, ihm die Mühle zu überlassen, mit der Maßgabe sie wieder aufzubauen. Das geschah. Auch hier war es wie in Parey die Natur, die die Weichen vorgab. Im Jahr 2002 wurde die Mühle durch einen Sturm so beschädigt, dass er die Bockwindmühle zur Paltrockmühle umbauen musste.

Unterstützung durch Heimatverein

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme betragen 57 350 Euro, 38 645 Euro davon werden über das EU-Programm Leader gefördert. Aufgrund der Nacharbeiten kamen noch etwa 5000 Euro Fördermittel dazu. Der Heimatverein unterstützt die notwendigen Maßnahmen mit einer zweckgebundenen Spende in Höhe von 4000 Euro.

So schauen auch der Mitglieder besonders auf das technische Denkmal. Auch im Kalender für das Jahr 2020 werde die Mühle eine Rolle spielen. Hier läge aber der Schwerpunkt auf dem ersten Kanal, der vor 275 Jahren gebaut wurde, erklärte auf Anfrage Ortschronistin Christiane Wagner.

Umgebaute Bockwindmühle

Zur Geschichte der Mühle: Bei der Paltrockwindmühle handelt es sich um eine umgebaute Bockwindmühle. 1951 ließ Müllermeister Arthur Ogen den Umbau vollziehen. Ein Blitzschlag ließ diese am 1. Mai 1983 in Brand geraten.

Nach der Wende fasste die Gemeinde den Entschluss, Fördermittel für die Mühle für einen Neuaufbau zu einem technischen Denkmal in Anspruch zu nehmen. Für diesen Umbau waren große Teile der Windmühle in Frenz, heute Ortsteil der Einheitsgemeinde Osternienburger Land, auf Wanderschaft gegangen. Unterstützung bei dem Prozess kam von den Mühlenfreunden in Magdeburg.

Die heutige Mühle ist ein Erbe des letzten Müllermeisters, dem sich sowohl Bernhard Melchert als auch die jetzige Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Elbe-Parey Nicole Golz verpflichtet sehen. Besonders in den Fokus wird sie dann am 10. Juni zu Pfingsten rücken, wenn der bundesweite Mühlentag begangen wird.