Genthin l Über sogenannte Selbstscanner-SB-Kassen hat das Genthiner E-Center kürzlich auf seiner Facebookseite informiert. Bei solchen Kassen sitzt kein Mitarbeiter des Marktes mehr auf der anderen Seite, um die Artikel zu scannen und den Preis zu ermitteln. Diese Arbeit macht der Kunde selbst. Bezahlt wird zumeist per EC-Karten-System. Bei wenigen Artikeln kämen die Kunden schnell durch den Kassenbereich, lange Schlangen würden verhindert.

Allerdings stieß das E-Center damit durchaus auch auf Widerspruch. „Die Kassiererin/der Kassierer müssen bleiben!“, meint etwa Nutzer Benni Erffa. „Nicht gut“, findet auch Mandy Dielas, die Idee. „Mir fehlt das Persönliche. Ausserdem ist die Versuchung groß, doch etwas nicht zu scannen. Gerade bei voll laufendem Betrieb und in der heutigen Zeit.“ Auch fehle ihr, dass die Kassierer und Kassiererinnen auf bestimmte Dinge hinweisen, etwa dass eine Flasche kaputt sei oder ein Salat schlecht. Andere können sich durchaus mit der Idee einer Selbstbedienungskasse anfreunden. So findet sie Nutzerin Sophie Stibitz sogar sehr gut: „Dann wäre es eine kleine Entlastung zu den Feiertagen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie funktionieren!“ Für Susann Drogi ist Skandinavien ein gutes Vorbild für solche Technik, dort seien solche Kassen schon lange gang und gäbe. „Ich würde es sehr befürworten. Und das Ganze auch noch bargeldlos.“

Zeitgewinn bei kleinen Einkäufen

Sebastian Schmidle findet den Gedanken der SB-Kasse sogar super: „Gerade bei kleinen Einkäufen ist das ein enormer Zeitgewinn. Und außerdem macht es auch Spaß, seine Ware mal selbst zu scannen.“ Er würde sich freuen, wenn das E-Center diese Technik einführen würde. Ob die Technik in absehbarer Zeit in Genthin eingeführt wird, steht noch nicht fest.

Aus der Edeka-Minden-Hannover Unternehmenskommunikation heißt es auf Volksstimme-Nachfrage: „Wir entscheiden je Standort, ob diese Kassentypen eingesetzt werden – entscheidend ist dabei, wie dieser Service in anderen Märkten angenommen wird.“ Derzeit seien in rund 30 Märkten sogenannte Self-Check-out-Kassen im Einsatz. „Diese sind ideal für den kleinen Einkauf und werden gerade in Corona-Zeiten aufgrund des Abstands und wenigen persönlichen Kontaktes gerne genutzt.

Keine Pläne für Self-Scanning-Angebot

Mitbewerber wie etwa Aldi-Nord halten sich noch zurück: „Grundsätzlich haben wir den Anspruch, die Wünsche unserer Kunden zu erfüllen und für sie den Einkauf so einfach wie möglich zu gestalten.“ Dazu gehöre, dass fortlaufend an der Optimierung der Kassenprozesse gearbeitet werde und aktuelle Entwicklungen am Markt, wie beispielsweise das Thema Selbstbedienungskassen im Blick behalten würden. „Für Deutschland und damit auch für unseren neuen Markt in Genthin gibt es aktuell bei Aldi-Nord aber keine konkreten Pläne, Self-Scanning-Angebote in unseren Märkten zu testen.“

Dass diese Technik ein Thema für die Einzelhändler ist, zeigen die Zahlen. Das Kölner Einzelhandelsinstitut (EHI) hat in einer Erhebung festgestellt, dass sich die Zahl der Geschäfte in Deutschland, die Selbstbedienungskassen einsetzen, von 2015 bis 2017 nahezu verdoppelt hat. Seinerzeit waren in mehr als 500 Geschäften rund 3000 SB-Geräte in Betrieb. Mittlerweile sind die Zahlen noch einmal deutlich gestiegen.

Kundenservice in Corona-Zeiten

„In gut 1000 Märkten mit knapp 5000 SB-Kassen können Kunden und Kundinnen bereits heute ihren Scan- und Bezahlvorgang selbst in die Hand nehmen“, hieß es seitens des Instituts im April nach dem Höhepunkt des Corona-Lockdowns. Fazit der Forscher: „Das kundeneigene Scannen der Artikel – stationär an der Kasse oder mobil am Regal – wird als zusätzlicher Kundenservice verstanden und gewinnt in Zeiten von Corona zusätzlich an Bedeutung.“ Allerdings hat eine australischen Studie vor einiger Zeit festgestellt, dass es durch das Selbstscanner-System wesentlich mehr Betrugsfälle gibt. Die Hemmschwelle falsch abzurechnen sei demnach oft gering. Außerdem ist mit dem SB-System der Kunde nun komplett für den Scan- und Bezahlvorgang verantwortlich, inklusive dem Risiko falsch abgrechnet zu haben.

Edeka Minden möchte den Kunden diese Sorge nehmen und verweist darauf, dass Mitarbeiter zur Unterstützung in der Nähe seien, sollte das System eingeführt werden. „Personal wird mit den Kassen nicht eingespart, da die Mitarbeiter etwa für Fragen oder bei Problemen zur Seite stehen.“ Auch die Kontrolle der Altersbeschränkung beim Alkoholverkauf solle so eingehalten werden.