Genthin l Wieder weniger Genthiner als im Vorjahr. Lebten 2019 noch 14.174 Menschen in der Stadt und ihren Ortsteilen, sind es mit Stichtag 31. Dezember 2020 nur noch 13.976. Grund dafür ist, dass die Stadt immer noch mehr Menschen verliert als hinzukommen. Die Stadtverwaltung Genthin hat in ihrem Stadtentwicklungskonzept festgestellt: „Die Zahl der Sterbefälle in Genthin ist alljährlich überschlägig doppelt so hoch wie die Zahl der Geburten. Uneinheitlicher aber quantitativ ausschlaggebender ist das Saldo aus Zu-und Wegzügen.“

Kleiner Hoffnungsschimmer in Genthin

Das lässt sich auch mit Blick auf das Jahr 2020 bestätigen: Während 582 Menschen weggezogen und 286 gestorben sind, wurden nur 78 Kinder neu geboren oder zogen 696 Menschen nach Genthin. Ein Verlust von 94 Personen. Nicht viel in einem Jahr, aber über die Dauer von mehreren Jahren macht sich die Zahl bemerkbar. Ein Hoffnungsschimmer, der sich bereits in den vorangegangenen Jahren in der Genthiner Kernstadt abgezeichnet hat, ist auch 2020 zu entdecken. Hier kamen 528 Menschen hinzu, während nur 498 Menschen wegzogen.

Allerdings sinkt auch die Zahl derer, die in der Stadt leben, weiterhin. 10.137 waren es (2019: 10 320). Die Stadt hat den Handlungsbedarf erkannt. Auch weil die 6. Regionalisierte Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt weiter sinkende Bevölkerungszahlen prognostiziert. Dort ist für das Jahr 2030 eine Zahl von rund 12.500 Einwohnern angegeben. Das Jahr 2030 ist eine Art magische Schwelle für viele Verwaltungen. Genthin hat im vergangenen Jahr sein Stadtentwicklungskonzept bis zu diesem Zeitpunkt fortgeschrieben.

Mehr jüngere Zuzügler und Geburten

Hier geht man von verschiedenen Szenarien aus, bei denen die günstigsten nur wesentlich weniger Einwohner als jetzt vorsehen. „Bei einer stabilen Zahl von Arbeitsplätzen und einem gleich bleibenden Einpendleranteil könnten sich bis 2030 rund 670 arbeitsplatzbedingte Zuzieher in Genthin niederlassen“, heißt es da. Auch müssten die Zuzügler eher jünger und die Geburtenraten eher positiv sein. „Treten diese Effekte ein, könnte Genthin im Jahr 2030 rund 13.400 Einwohner zählen“, hofft die Stadt, das wären nur rund 500 Menschen weniger als aktuell.

Dass sich diese Erwartung erfüllt, zeigt sich ausgerechnet zehn Jahre vor dem Jahr 2030 nicht. Gab es 2019 noch 91 Geburten, waren es 2020 nur noch 78. Ein deutlicher Rückgang, nachdem in den Jahren zuvor die Zahl der Geburten noch bei über 100 pro Jahr gelegen hatte. Auch geht die Zahl der Erwerbstätigen zurück mit deutlichen Auswirkungen auf die Wirtschaft, der Fachkräfte vor Ort fehlen, und auch auf den städtischen Haushalt, denn weniger Menschen in der Stadt, bedeuten auch weniger Steuerzahler und damit eine deutliche Schwächung der finanziellen Leistungen.

Bleibeangebote unterbreiten

Die Stadtverwaltung hat sich in den kommenden Jahren drei große Ziele gesetzt. In Kooperation mit der lokalen Wirtschaft will sie neu Beschäftigten Bleibeangebote unterbreiten. Dazu gehören konkret Willkommenspakete mit Stadtinformationen oder Bauflächenportfolios. Die Stadt möchte zudem bei Schulabgängern für lokale Karrieremöglichkeiten etwa in Ausbildungsmessen und Jobbörsen werben. Eltern sollen in der Berufstätigkeit durch eine verlässliche Kinderbetreuung unterstützt werden. Diese Aktivitäten ergänzen Standortvorteile wie die Stadtbibliothek, das Kreismuseum, die Sport- und Schwimmhalle, sowie die Vereine und Jugendeinrichtungen, die trotz der Verwerfungen der Corona-Saison 2020/21 derzeit nicht zur Disposition stehen. Denn auch diese Einrichtungen gehören, wie auch das Vorhandensein von Kitas und Schulen, zu den Faktoren, die junge Menschen oder Familien zum Herziehen oder Bleiben veranlassen.

Ob das allerdings gelingt, bleibt fraglich. Denn nach wie vor sind die Prognosen der Demografen düster. Die Demografen des Statistischen Jahrbuchs gehen davon aus, dass Genthin bis 2030 weiter Einwohner verlieren wird. Sogar mehr als Gommern, Elbe-Parey und Burg. Auf den gesamten Landkreis umgerechnet, bedeutet das einen deutlichen Einwohnerverlust von derzeit etwa 89 500 auf rund 80 000 Menschen.