Altenplathow l In der Altenplathower Kirche gibt es nun neben Hermann den Älteren auch Hermann den Jüngeren. Während das Original, die romanische Grablege aus dem Jahr 1171, in der Sakristei in Augenschein zu nehmen ist, schmückt die weitestgehend original nachgearbeitete Holzplastik seit ihrer Einweihung am Sonntag den unmittelbaren Kanzelbereich.

Historische Zeichnung als Grundlage

Lars Bonitz, Vorsitzender des Förderkreises Altenplathower Kirche, ließ noch einmal die Geschichte um Claus Mielke Revue passieren, wie er sich aus eigenem Antrieb heraus vor sechs Monaten dem „Schnitzprojekt“ Hermann zuwandte. Mielke war über eine heimatgeschichtliche Schriftenreihen auf die Grablege aufmerksam geworden und machte sich in aller Akribie an die Arbeit, Hermann aus einer Eichenbohle auf der Grundlage einer Rekonstruktionszeichnung von Dr. Max Bathe, Genthiner Museumsleiter in den 50er und 60er Jahren, zu schnitzen. Zugleich unterbreitete Claus Mielke dem Förderverein den Vorschlag, Hermann - unentgeltlich - in den Nachfolgebau seiner Kirche einziehen zu lassen.

Es sei ein unwahrscheinlich bewegender Moment gewesen, später dem fertiggestellten Hermann erstmals gegenüber zu stehen, erinnert sich Bonitz. Der Vorsitzende des Fördervereins vermittelte den Gästen, dass es jetzt Zeit sei, den Künstler zu würdigen. Er habe viel viel Arbeit und ein unwahrscheinliches Engagement in dieses Relief investieren müssen, bis es seiner Bestimmung in der Altenplathower Kirche gefunden habe. Sehr persönliche Worte bei der Feierstunde fand Claus Mielke, der im Vorfeld eigentlich angekündigt hatte, nur ganze kurz etwas sagen zu wollen. Er freue sich über die vielen Gäste, was ihm fast einbisschen zu viel der Ehrung sei.

Bilder

Handwerkliche Herausforderung

Die Schnitzarbeit bliebe ein Wiederherstellungsversuch, betonte Mielke. Er sei eine handwerkliche Herausforderung gewesen, der er sich stellen wollte. „Solche große Grabplatte wollte seine Frau allerdings nicht zuhause haben“, scherzte Mielke, der neben seinen Angehörigen und Freunden Heimatforscher Otto Schulze, den Mitgliedern des Fördervereins und Museumsleiterin Antonia Beran für die Unterstützung seiner Arbeit dankte.

Gemeinsam mi der Museumsleiterin leuchtete Mielke die Grabplatte aus, um haargenau ihre Struktur zu erfassen. Museumsleiterin Antonia Beran, die einen kurzen geschichtlichen Abriss über das historische Wirken Hermann von Plothes gab, hob die kunstgeschichtliche Bedeutung der romanischen Grablege aus dem Jahr 1171 hervor, die seit ihrem Auffinden im Jahr 1905 die Fachwelt beschäftigt. Man müsse Claus Mielke dafür danken, dass er die Vision einer vollständigen Darstellung des Grabsteins im Sinne einer Rekonstruktion angepakt und dabei manche Lücke erfolgreich ergänzt habe.

Beran verwies darauf, dass es - ganz im Gegensatz zu bisherigen Darstellungen - Claus Mielke überraschenderweise gelungen sei, Schriftzüge auf dem Kissen der Grablege Hermann von Plothes ausfindig zu machen. „Um die zu entschlüsseln, müssen jetzt Fachleute ran, sagte Beran.Pfarrerin Magdalene Wohlfarth sprach von der Grablege von einem „einzigartigem Objekt, das ganz abweichend von Darstellungen dieser Zeit keine Waffen wie etwa Schwerter zeige.

Was habe sich der Künstler, als er die Grablege schuf, gedacht? Diese Frage stellte sie in den Raum. Hermanns Hand liege auf dem Herz - Wohlfarth assoziierte dies mit bekannten Redwendungen „Hand aufs Herz legen“, oder „Da geht einem das Herz auf“. „Ich glaube, Hermann war ein frommer und außergewöhnlich mildtätiger Mann“, schlussfolgerte die Pfarrerin. Die andere Hand auf dem Bauch, dem Zentrum der Dinge, ließe vermuten, dass Hermann in guten Beziehungen zu den Menschen seiner Zeit gelebt habe. Das Relief wirke auf sie sehr friedlich, resümierte die Pfarrerin ihre Betrachtung.