Genthin l 14  533 Einwohner hatte die Einheitsgemeinde Genthin im vergangenen Jahr. 219 Menschen weniger als 2016 und sogar 548 weniger als 2015. „Die hohe Einwohnerzahl war vor drei Jahren auf die bei uns lebenden Flüchtlinge zurückzuführen“, bestätigt Genthins Bürgermeister Thomas Barz (CDU). Aber diese nach oben weisende Tendenz gab es nur sehr kurzfristig. Mittlerweile sind viele der Menschen aus Syrien und Afghanistan aus unterschiedlichen Gründen aus Genthin weggezogen.

Sterberate höher als die Zahl der Geburten

Der bereits vor rund zehn Jahren prognostizierte Trend der Abwanderung setzt sich damit wieder fort. Denn 580 Zuzügen und 110 Geburten stehen 673 Wegzüge und 236 Sterbefälle gegenüber. Damit liegt Genthin im landesweiten Trend. „Die Tendenz der Bevölkerungsentwicklung ist weiterhin fallend“, blickt Thomas Barz voraus. Das lasse sich auch an der Einwohnerzahl der Kernstadt belegen. Lebten hier 2016 noch 10 800 Menschen, waren es 2017 nur noch 10 595.

2012 waren es noch 11387 Menschen. Die Folgen dieses Schrumpfens für die Kommune sind immens. Abgesehen von geringeren Steuereinnahmen und geringeren Zuweisungen aus dem Finanzausgleich gerät auch die Wirtschaft unter Druck: Unbesetzte Ausbildungsstellen und Fachkräftemangel sorgen für eine Schwächung der wirtschaftlichen Lage insgesamt. Letztlich steht dann auch die gesamte Infrastruktrur auf dem Prüfstand, wenn Einrichtungen wie Sport- und Schwimmhallen nicht genutzt oder Kitas und Schulen nicht ausgelastet sind.

Noch hohe Kinderzahl

Derzeit ist das Gegenteil der Fall. Insbesondere die Kitas in den Ortschaften haben hohe Kinderzahlen. Allerdings kommen die Eltern aus den geburtenstarken Jahrgängen 1975 bis 1985, ab 1990 gab es mit der Wende eine starke Abwanderungsbewegung und einen starken Geburtenrückgang.

Die demografischen Probleme kommen auf die Stadt zu. Das zeigt ein Blick in die Statistik der Vergangenheit. 1995 wurden noch knapp doppelt so viele Kinder geboren, wie Menschen innerhalb eines Jahres verstorben sind. Bereits seit einigen Jahren hat sich das Verhältnis umgekehrt. Nicht zuletzt deshalb sehen die Demografen besonders Genthin in einer schlechten Lage. Die Prognosen gehen dahin, dass die Stadt von 2012 bis 2030 rund 21 Prozent ihrer Einwohner verlieren wird (siehe Grafik).

Positive Tendenzen

Gefolgt von Gommern und Elbe-Parey, die beide im Jahr 2030 rund 16 Prozent weniger Bevölkerung haben werden. In der Kreisstadt Burg sollen es in zwölf Jahren acht Prozent weniger Menschen sein. Landrat Steffen Burchhardt (SPD) wies kürzlich darauf hin, dass das Jerichower Land von der zentralen Lage zwischen Magdeburg und Brandenburg profitiere. „Der Kreis und jede Gemeinde haben viele Stellschrauben, insbesondere die weichen Standortfaktoren positiv zu beeinflussen.“

In Genthin gebe es zudem positive Tendenzen. „Wir haben in den vergangenen Jahren keine Kita und keine Schule schließen müssen“, wird Bürgermeister Barz nicht müde zu betonen. Zudem sei die wirtschaftliche Lage der Stadt stabil. Allein im Industriepark werden mittlerweile wieder Fachkräfte gesucht.

Möglicherweise kann sich Genthin als Stadt im Grünen mit guten Anbindungen an die Nachbarstädte doch behaupten und wird attraktiv für Familien. Jeder neugeborene Einwohner wird zudem bereits jetzt mit einem Baby-Begrüßungspaket von der Stadt willkommen geheißen.