Jerichow l Menschen mit psychischen Erkrankungen sind gerade jetzt auf eine unmittelbare Versorgung und den besonderen Schutz der Gesellschaft angewiesen. Um das zu gewährleisten, kämpft die Verwaltung des Fachkrankenhauses Jerichow hier an mehreren Fronten. Zum Ersten gehe es darum, so Verwaltungsleiter Dennis Voigt, „dass wir rechtzeitig und in ausreichender Anzahl Masken, Handschuhe und Schutzkleidung zur Verfügung haben“. Mal war das eine knapp, mal das andere, so Voigt.

Zum Zweiten mache die vermehrten Quarantänefälle des Personals jeden Tag zu einer neuen Herausforderung. „Neben den üblichen zehn Tagen Quarantäne kommen ja noch die jahreszeitlich bedingten Erkältungskrankheiten“, sagt der Verwaltungsleiter. Das erfordere eine kreative Personalplanung, damit in diesen Zeiten die Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen können. Der dritte Punkt, so Voigt, seien die Impfmaßnahmen seitens des Krankenhauses, auch diese dienen dem Schutz der Patienten. Hier gebe es Abstimmungsgespräche mit dem Impfzentrum des Landkreises Jerichower Land, doch da Krankenhäuser nicht an erster Stelle stehen, seien die Gespräche noch in den Anfängen.

Hygieneregeln gelten auch im Fachkrankenhaus

Die notwendigen hygienischen Maßnahmen sind in psychiatrischen genau wie in somatischen Krankenhäusern sicherzustellen, betont Geschäftsführer Thomas Wendler und das sei im Awo Fachkrankenhaus Jerichow nicht anders. Das heißt: Einzelzimmer für Neuaufnahmen, Einrichtung von Quarantänebereichen, Isolation von positiv getesteten Psychiatriepatienten. In der Jerichower Klinik beispielsweise wird dafür die kleinste Station mit zehn Betten genutzt. Eine Hälfte wird als Isoliereinheit freigehalten und kann nicht belegt werden. Zwei Zimmer werden stets freigehalten für mögliche Notfälle. Hinzu kommt die Verschiebung geplanter Aufnahmen durch individuelle Patientenentscheidungen und durch die Zurückhaltung der Einweiser. Diese schwankende Belegung ist durch das Krankenhaus nicht kalkulierbar, das Personal muss aber trotzdem vorgehalten werden. Das sieht Wendler problematisch, denn es wirke sich in zweierlei Hinsicht auf die Einrichtung aus, zum einen finanziell und zum anderen auf die Erfüllung des Versorgungsauftrages bei der Behandlung der Patienten. „Wir hoffen in finanzieller Hinsicht auf eine Unterstützung seitens des Bundes.“

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Die Awo hatte sich bereits im Januar dem „Appell der Deutschen Krankenhausgesellschaft und aller Landeskrankenhausgesellschaften an die Bundesregierung und die Länder“ zur Ausweitung des Rettungsschirms auf alle Krankenhäuser in der aktuellen Corona-Pandemie angeschlossen. Aktuell bekommen nur Corona-Schwerpunkt-Kliniken eine direkte Unterstützung, so Thomas Wendler und „damit sind wir rausgefallen“.

Der Geschäftsführer spricht auch die Situation der psychiatrischen Tagesklinik an. Die kann wegen der pandemiebedingten einzuhaltenden Abstandsregelungen nur mit ca. 50-60 Prozent der sonst üblichen Patientenzahlen belegt werden. Der Personalaufwand ist aber fast gleichbleibend, weil die Gruppentherapien mit gleichem Personal wie üblich durchgeführt werden.

Großer Zeitaufwand für das Personal

Der Zeitaufwand des Personals für pandemiebedingte Schutzmaßnahmen ist groß, einschließlich der regelmäßigen Antigen-Schnelltestungen und anlassbezogenen PCR-Testungen. Dieser zusätzliche Aufwand für die Testungen steigt noch einmal deutlich, sobald ein Ausbruch zu verzeichnen ist. In der Summe führen all diese Umstände sowohl zu einer nicht planbaren als auch häufig niedrigen Belegung mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen für die Fachkrankenhäuser und der Behandlung der Patienten.