Ferchland/Derben/Parey l Der Verlust des Fährbetriebes veranlasste jetzt die Ferchländer und Griebener auf der anderen Elbseite zu Protest-Aktionen. Vor der Beschlussfassung waren nur wenige Ferchländer bei den Ausschusssitzungen und den Sitzungen des Gemeindesrates zugegen, als über das Thema gesprochen wurde.

Angegriffen fühlt sich nun im Zusammenhang mit der Stilllegung des Fährschiffes aber die Schiffswerft Hermann Barthel GmbH in Derben. „Wir wollen es nicht auf uns sitzen lassen, dass wir für die Stilllegung verantwortlich sein sollen“, machen Corinna und Hermann Barthel gegenüber der Volksstimme und Gemeindebürgermeisterin Nicole Golz deutlich. Es heiße immer, die Stilllegung sei aufgrund der hohen Kosten für die Landrevision erfolgt. „Wir werden immer darauf angesprochen. Aber das können wir nicht auf uns sitzen lassen“, so Hermann Barthel. Ein von der Werft im August 2019 vorgelegtes Kostenangebot für die Landrevision lag bei einer Netto-Summe von rund einer Million Euro.

Landrevision auch billiger zu haben

Darin war alles enthalten, was auf dem Fährschiff zu reparieren oder zu erneuern wäre. Um die Fähre weiter fahrtüchtig zu halten, wäre aber nicht alles, was in dem Kostenangebot aufgeführt wurde, erforderlich gewesen, so Corinna Barthel. Man hätte das Fährschiff auch zu weit geringeren Kosten flott machen können. Corinna Barthel: „Eine Landrevision kann man auch schon für 10.000 Euro durchführen.“ Und Hermann Barthel ergänzt: „Ein gewisses Restrisiko bleibt dabei immer.“

In dem Angebot zur Landrevision 2020 ist unter anderem enthalten, dass „ein Überholen der beiden Maschinen für eine längere Lebensdauer zwingend erforderlich ist“. Für die in der Fähre verbaute Schottel-Anlage werden keine Ersatzteile mehr gefertigt. Die Folge davon ist, dass der Preis für die Reparaturen stetig steigen werde. Der Ist-Zustand der Elektro-Anlage auf dem Fährschiff sei bedenklich. Die Anlage weise erhebliche Mängel auf. Es bestehe Gefahr für Leib und Leben. Die Heizkörper seien teilweise ohne Funktion. Auch die Sanitäreinrichtung habe erhebliche Mängel.

„Ziel dieser Kostenschätzung war es, zu wissen, was erforderlich ist, um die Fähre für die nächsten fünf Jahre betreiben zu können. Dazu gehört auch das neue Fährzeugnis“, erklärte Michael Rindert, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Elbe-Parey, gegenüber der Volksstimme. Dieses Kostenangebot war die Grundlage für die Gemeinde Elbe-Parey, um beim Land Sachsen-Anhalt Fördermittel für die Landrevision 2020 zu erhalten. Das Land Sachsen-Anhalt hält für die Landrevision 500.000 Euro für drei Jahre bereit. Die Kosten für die beiden letzten Landrevisionen beliefen sich auf 45.000 und 50.000 Euro.

Gemeinde hat hohe Verluste

Die Gemeinde Elbe-Parey hatte das Fährschiff im Jahr 2011 nicht fahrtüchtig übernommen. Es mussten über 100.000 Euro investiert werden, um es fahrtauglich zu machen. „Bis Ende 2019 verzeichnete die Gemeinde Verluste in Höhe von rund 300.000 Euro. Aktuell sind es in diesem Jahr etwa 45.000 Euro“, so Bürgermeisterin Nicole Golz.

„Der Gemeinderat hat so entschieden, weil er der Meinung war, dass die Betreibung der Fähre unter diesen Umständen wirtschaftlich nicht machbar war.“

Wirtschaftlich nicht mehr machbar

Für die Entscheidung der Gemeinderäte war die Landrevision nicht der einzige und nicht der entscheidende Faktor. Die Bürgermeisterin wehrt sich vehement gegen Anschuldigungen, dass sie die Fähre nicht mehr wollte. Nicole Golz: „Der Gemeinderat hat so entschieden, weil er der Meinung war, dass die Betreibung der Fähre unter den gegebenen Umständen wirtschaftlich nicht machbar ist.“ So gab es in den beiden letzten Jahren viele Ausfalltage wegen des Niedrigwassers der Elbe. Auch die Stilllegung aktuell resultiert aus Niedrigwasser.

Der Beitrag des MDR-Fernsehens wird voraussichtlich in der kommenden Woche in der Sendung „Sachsen-Anhalt-heute“ zu sehen sein.