Genthin/Berlin l Dieser Radler ist in den vergangenen Tagen auch manchem Genthiner aufgefallen. Claude Brouir ist derzeit auf einer 100-Tages-Tour quer durch Europa unterwegs und hat dabei auch Genthin bereist.

Zu Gast bei Weltenbummlern

Zumal hier zwei ausgewiesene Weltenbummler dem Europareisenden Quartier boten. Denn Station machte der 55-jährige Brouir bei Elly Kern und Thomas Dietert, die vor einigen Jahren selbst in einem globalen Triathlon unter anderem mit dem Fahrrad unterwegs waren. „Dabei haben wir die Gastfreundschaft fremder Menschen kennengelernt und bieten nun unsererseits anderen die Möglichkeit zur Rast an“, berichtet Thomas Dietert, der am Donnerstag auf dem Sozius des Trikes Platz nahm und den Besucher in Richtung Brandenburg begleitete. Im Internet könne man Quartiere anbieten, um Reisenden eine Rast zu ermöglichen.

Für Brouir ist die Europatour so etwas wie eine innere Einkehr. „2017 war ein schlimmes Jahr in meinem Leben, ich habe mir eine Auszeit genommen und will diese mit meiner Reise sinnvoll ausfüllen.“ Durchaus mit einem tieferen Sinn. Claude Brouir ist am 19. Mai in Brüssel zu seiner Rundreise in sechs europäische Hauptstädte aufgebrochen. Von dort aus ging es nach Amsterdam. Heute und morgen macht er Station in Berlin.

Sechs Hauptstädte im Visier

Von dort aus geht es weiter nach Rom, Paris und über Luxemburg zurück in die belgische Heimat. Die Städte hat der Radler mit besonderer Mission, aus gutem Grund ausgewählt, sind sie doch Keimzelle der Europäischen Union. Aus der 1951 ins Leben gerufenen Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde später eine Gemeinschaft für Frieden, Völkerverständigung und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

„Wir müssen wieder mehr für Europa werben“, findet Brouir. Es gäbe derzeit viel Widerstand gegen den europäischen Gedanken, dabei sei dieser heute wichtiger denn je. Mit seiner Fahrradtour sammelt der Belgier gleichzeitig für die Krebs-Forschung und wirbt für umweltfreundliche Energien. Die vier Solarzellen auf dem Dach des Trikes, speisen Strom in Batterien. Dieser Strom kann als unterstützender Antrieb für das Fahrrad genutzt werden.

70 Kilometer am Tag

„Ich könnte auch Strom aus der Steckdose verwenden, das habe ich aber noch nicht gebraucht“, berichtet der 55-Jährige. Die Sonne habe während der vergangenen Wochen so beständig geschienen, dass immer genug Strom vorhanden war. Rund 70 Kilometer legt der Belgier am Tag zurück, wenn die Reise am 28. August endet, werden so rund 5000 Kilometer zusammengekommen sein.

In den großen Städten wird der Vater von zwei erwachsenen Söhnen von anderen Radlern oder Vertretern der Partei „Die Grünen“ erwartet, ist er in Belgien doch selbst für die Öko-Partei „Ecolo“ tätig. Erfreut zeigte sich der Radler über die vielen Windkraftanlagen, Solarparks und die zahlreichen Solarzellen auf Hausdächern, an denen er während seiner Fahrt auch in der Region Genthin vorbeigekommen ist. „Das zeigt, wie sehr die Deutschen sich auch im Privaten mit Nachhaltigkeit befassen.“

Überfahrt mit der Fähre

Besonders eindrucksvoll sei auch die Überfahrt mit der Fähre in Ferchland gewesen. Mit seinem auffälligen Fahrrad ist Brouir auch immer ein Hingucker für Autofahrer. „Die sind sehr freundlich, auch wenn ich manchmal ein Verkehrshindernis bin“, berichtet er. Die meisten schauten zwei mal hin, viele grüßten freundlich. Angst vor Unfällen habe er nicht. Auch Pannen habe es bislang kaum gegeben. Claude Brouir hofft, die Reise bis zum Schluss wie bisher fortsetzen zu können.

Mehr zum Thema gibt es auf der Internetseite: www.facebook.com/efstour.eu