Genthin l Ist die Band Voxxclub, der richtige Höhepunkt für die Festwoche 2021? Soll die historische Lokomotive vom Waschmuseum in Richtung Wasserturm als technisches Denkmal verlegt werden?

Lebhafte Internet-Debatte

Nachdem die Berichterstattung der Volksstimme vom Dienstag in einer Facebook-Gruppe von einem Nutzer verlinkt worden war, kam eine Diskussion in Gang, die schnell ungewohnte Ausmaße annahm. Mittendrin: Kulturschaffende, lokale Altamtsträger und Auswärtige mit Genthiner Wurzeln, die sich zum Teil eifrige Wortgefechte lieferten, nachdem die Volksstimme einige Eckpunkte des Programmplanes und der Finanzierung aufgelistet hatte, die seitens der Stadt offiziell freigegeben waren.

Die teilweise aufgeregt geführte Diskussion zeigt, dass die Genthiner sich mit dem Thema 850-Jahr-Feier inhaltlich beschäftigen, mehr als es offizielle Stellen nach außen hin tun. Der Vorsitzende des Kultur-Bildungs- und Sozialausschusses Gordon Heringshausen (CDU) ging in der Sitzung am Dienstagabend gleich zu Beginn auf die Berichterstattung ein und kritisierte mehrfach auch einige Wortbeiträge der Facebook-Debatte, namentlich von Genthins Alt-Bürgermeister Wolfgang Bernicke und Ex-Landrat Lothar Finzelberg.

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Denkmal am Wasserturm

Die Diskussion der Ausschussmitglieder lehnte sich aber nur wenig an die Online-Debatte an. Einzig Marina Conradi vom Veranstaltungsmanagement der Stadt erläuterte den Standort der historischen Lokomotive. „Wir haben uns gedacht, dass die Lok am Wasserturm wesentlich mehr Menschen ins Auge fällt als am jetzigen Standort am Chemiepark.“ Verbunden werden solle der Bereich mit Infotafeln zur Geschichte des einstigen Plauer und heutigen Elbe-Havel-Kanals. Die Lok diene als Eyecatcher für Passanten und Autofahrer, um als markanter Punkt zum genauen Betrachten zu verweilen.

Letztlich drehte sich die Diskussion aber erneut um die Zuständigkeiten bei der 850-Jahr-Feier. Kritisiert wurde erneut die von Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) favorisierte Gründung einer Gemeinnützigen BGA, also eines Betriebes gewerblicher Art zur Durchführung der Festwoche.

Tourismusverein als Träger angeregt

Zu diesem Schritt war der Verwaltung von einem externen Spezialisten geraten worden. Das Vorhaben steht allerdings in der Kritik: „Wir haben einen Tourismusverein, den früheren Fremdenverkehrsverein, der vor 25 Jahren die 825-Jahr-Feier maßgeblich betreut hat, warum lassen wir die Aktivitäten nicht über diesen laufen?“, fragte etwa Wilmut Pflaumbaum (FDP). Der Bürgermeister erwiderte, dass der Tourismusverein nur noch eine Hülle sei, da die Personalausstattung nicht mehr mit der des einstigen Fremdenverkehrsvereins vergleichbar sei.

Sebastian Kroll schlug vor, das Festkomitee für die 850-Jahr-Feier in den Tourismusverein zu integrieren, um eine personelle Untersetzung zu haben. „Dort ließen sich dann Verträge unterschrieben und Geld einwerben.“ Damit spielte Kroll auf den Umstand an, dass seitens des Festkomitees bedauert wurde, eine Spende noch nicht annehmen zu können, da die Berechtigung fehlte.

Drängen aus dem Festkomitee

Der Vorsitzende des Komitees Thilo Voigt drängte erneut: „Wir können eigentlich nicht mehr diskutieren, sondern müssen weiterarbeiten.“ Denn die Zeit laufe davon, um bestimmte Dinge und Akteure zu buchen, werde es möglicherweise bald zu spät sein. Am 5. März muss nun der Stadtrat einen Beschluss verabschieden, der Klarheit über die juristischen Voraussetzungen schaffen soll.

Gabriele Herrmann (Die Linke) kündigte an, nicht zustimmen zu wollen. Ihr sei in der Unterlage zu viel Interpretationsspielraum. Weder sei geregelt, welche Terminketten bei den zu gründenden Arbeitsgruppen des Festkomitees eingehalten werden sollen, noch sei nicht klar, welche Aufgaben die BGA haben solle und auf welche Weise regelmäßig im Stadtrat informiert werde. Unter anderem führten diese Einwände dazu, dass eine geplante Sondersitzung des Kulturausschusses in der kommenden Woche zum Thema „sicherer Schulweg“ um den Punkt „850-Jahr-Feier“ erweitert wird.