Genthin l Das Schwergewicht unter den Feuerwehren, die Genthiner und die Altenplathower, hatte im Rückblick auf der Jahr 2017 im positiven Sinne „das letzte Wort“. Auf sie vereinten sich die meisten Einsätze unter den Ortswehren der Einheitsgemeinde. 112 waren es, darunter 25 Brände und 56 Technische Hilfeleistungen. Darunter gab es Einsätze, die es in sich hatten.

Schwere Einsätze

Zwei Einsätze mit jeweils einem Toten und geballte Unwettereinsätze. Alles in allem, resümierte Stadtwehrleiter Schmechtig, konnten all diese Einsätze „fach- und sachgerecht abgearbeitet“ werden. Bei allen Einsätzen wurde die Hilfsfrist von zwölf Minuten eingehalten, sodass eine Löschgruppe nach einer ausgefeilten Alarm- und Ausrückeordnung vor Ort war.

Kann also der Genthiner, der den Notruf 112 wählt, auch zukünftig auf zuverlässige und professionelle Hilfe zu jeder Tageszeit durch die Wehren rechnen? Genthins Stadtwehrleiter Achim Schmechtig bejahte dies rückblickend auf das Jahr 2017 vor den Feuerwehrleuten, fand dennoch etliche einschränkende „Aber“, die das Tagesgeschäft erschweren. Erfreulich sei ein kompaktes Angebot der Ausbildung am Standort, auf Kreis- und Landesebene. Dazu kamen zwei Ganztagsausbildungen. Allerdings betrug die Teilnahme an der Ausbildung am Standort nur 49,6 Prozent.

Kein Unterschied zur Berufsfeuerwehr

Was die Professionalität der einer Freiwilligen Wehr anbelangt, zeigte Achim Schmechtig klare Kante: „Eine Freiwillige Feuerwehr unterscheidet sich heute nicht mehr von einer Berufsfeuerwehr. Das einzige, was eine Freiwillige Feuerwehr noch nicht hat, sind Betten im Obergeschoss und die Rutschstange, um im Alarmfall in die Fahrzeughalle zu kommen und den Löschzug zu besetzen.“ Ein Dauerbrenner sind dabei nach wie vor - nicht nur bei den Genthiner ehrenamtlichen Brandschützern - Personalprobleme.

Die Alarmverfügbarkeit ist in Genthin sehr zeit- und situationsbedingt, durchschnittlich rücken elf bis 14 Einsatzkräfte zum Alarm aus. Das sei verbesserungswürdig, sagte Schmechtig und konfrontierte die Feuerwehrleute damit sicherlich nicht mit einer Neuigkeit. Seit 2009 haben allein zehn Kameraden die Ortsfeuerwehr berufsbedingt verlassen.

Aber den Genthiner und Altenplathower Feuerwehrleuten ist es zumindest teilweise gelungen, der demografischen Entwicklung der Stadt Genthin und der arbeitsbedingten Abwesenheit einiger Feuerwehrleute etwas entgegenzusetzen. Das gibt es nicht überall. Bedrängnis schaffte in Genthin Raum für ungewöhnliche Lösungen, Stichwort Doppelmitgliedschaften. So rückt bei Einsätzen in Genthin ein Mitglied der Güsener Wehr aus, der in Genthin beruflich vor Ort ist. Stichwort Bauhof. Die Stadt Genthin bei der Einstellung von Mitarbeitern für den Bauhof als ein Kriterium die Mitgliedschaft in der Feuerwehr geltend gemacht.

Jugendwehr sehr gut aufgestellt

Schmechtig machte klar, dass weder die avisierte Anhebung der Dienstzeit-Altersgrenze noch die laufende Werbekampagne der Feuerwehr die Reihen der Feuerwehr stärken werde. „Uns bleibt nur der Weg über eine starke Jugendarbeit“, sagte der Stadtwehrleiter an die mit 14 Mitgliedern sehr gut aufgestellte Genthiner Jugendfeuerwehr gerichtet. Das geht auf: Schon im vergangenen Jahr konnten aus den Reihen der Jugendfeuerwehr Kevin Jänicke und Lukas Lechner in den aktiven Dienst übernommen werden.

Bürgermeister Thomas Barz (CDU) pflichtete dem Stadtwehrleiter bei: Eine gute Kinder- und Jugendarbeit ist der Schlüssel für die Zukunft. Alles andere, sagte er im Hinblick auf die Anstrengungen der Politik, sehe der differenziert. Barz brachte zum Ausdruck, dass für die Feuerwehrleute nicht etwa die zigste Erhöhung der Zulagen entscheidend sei, sondern es ihnen an Wertschätzung von außen mangele.

Bezogen auf den „Tag der Feuerwehr“, der in Genthin mit einem Aktionstag in Trägerschaft des Fördervereins der Feuerwehr Mützel begangen wird, fand Barz nachdenkliche Töne. „Ich finde es wichtig und angezeigt, dass für das Wirken in der Feuerwehr oder anderen Hilfsorganisationen geworben wird, aber bedaure, dass gerade die ehrenamtlich engagierten Mitglieder der Feuerwehren sich engagieren und neben den bereits überobligatorischem Engagement sich nunmehr einen weiteren Tag widmen, um Nachwuchs bzw. Interessierte zu gewinnen.“

Bürgermeister Barz warb dafür, dass für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses unbedingt das Investitionsprogramm, dass das Land in einem Umfang von 100 Millionen Euro auflegen wird, in Anspruch zu nehmen und sich nicht mit Zwischenlösungen zufriedenzugeben. „Grätschen Sie in dieses Programm, ich appelliere an Sie, mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen.“