Genthin l „Wir sollten den Winkel an der Kirche noch etwas steiler anfliegen und auch den Marktplatz als Hintergrund nutzen“, Filmemacher Matthias Paeper weiß, was er will und hat für den nächsten Einsatz der Kameradrohne zwischen Genthiner Trinitatiskirche und Rathaus klare Anweisungen an Drohnenpilot Markus Benders. Benders ist ein Profi auf seinem Gebiet, seit rund sieben Jahren kann er für besondere Filmaufnahmen aus der Luft gebucht werden.

In Genthin ist er für die Luftaufnahmen aus der Vogelperspektive zuständig. Dritter im Bunde ist Grafiker Christian Kloprogge. Auftraggeber ist Matthias Paper, der gebürtige Genthiner betreibt seit vielen Jahren ein Grafikstudio in Köln und hat sich vor einigen Jahren in den Kopf gesetzt, einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Genthin von oben“ zu drehen. „Im Laufe der Zeit ist auch durch die Vielzahl ähnlicher Projekte mein Anspruch immer höher geworden“, sagt Paeper. Diesen Anspruch finanziert er komplett aus eigener Tasche, ohne Filmförderung und Fernsehgelder. „Es hat deshalb auch ein wenig gedauert, bis das Projekt Struktur angenommen hat“, erklärt er. Nun geht das Vorhaben aber mit Schwung auf die Zielgerade.

Spannende Aufnahmen über Genthin

Nahezu spektakuläre Aufnahmen sind den Filmern bereits jetzt gelungen, Perspektiven von ungewohnter Nähe und Draufsichten auf Landschaften und Objekte, wie sie selten oder sogar noch nie aufgenommen worden. Das Team war nicht nur außerhalb der Kirche im Einsatz, sondern auch drinnen. Während im Freien mit einer handelsüblichen stabilisierten Kameradrohne gedreht wurde, kam im Innenbereich der Kirche eine sogenannte Racer-Drohne zum Einsatz.

Bilder

„Der Unterschied ist, dass die Kamera bei der Racer starr ist, durch die Bewegung der Drohne wird der Winkel verändert“, erklärt Markus Benders, während er auf seiner Fernbedienung auf dem Kontrollmonitor die eingefangenen Motive überprüft.

Unterschied zwischen Profi und Hobbyfilmer

Da die Drohne sehr kompakt sei, könne man sehr spannende Aufnahmen machen. Allerdings braucht es dafür einiges Geschick. „Der Unterschied zwischen einem Profi und einem Hobbyfilmer ist, dass der Profi genau weiß, welche Bilder er aufnehmen möchte, bevor die Drohne aufsteigt. Dadurch gelingen leichte Kurven und ruckelfreie Bilder.“

Ein Hobbyfilmer überlegt sich erst, wenn die Drohne in der Luft ist, welche Aufnahmen er haben möchte und neige dann zu ruckartigen Bewegungen, die am Ende eigenartig aussehen. „Das ging mir bei meinen Versuchen nicht anders, deshalb habe ich diesen Teil des Filmes in Profihände gelegt“, fügt Matthias Paeper hinzu.

Wetter spielt nicht gut mit

Nicht ganz zufrieden ist das Filmteam am ersten Tag mit den Wetterbedingungen. Der Himmel bleibt den ganz Tag lang bewölkt.

Erst im Laufe des Wochenendes haben die Filmer einige sonnige Momente, die natürlich sofort genutzt werden. Darunter sind Aufnahmen am und im Wasserturm, in der Stadt und im Industriegebiet. „Wir drehen dabei nur Motive, die auch von außen sichtbar sind“, erklärt Matthias Paeper.

Kein Filmen ohne Erlaubnis

Dafür hatten die Filmemacher eine Reihe von Genehmigungen bei Behörden, Hauseigentümern und Unternehmern eingeholt, auch eine Aufstiegserlaubnis gehörte dazu. Denn einfach so die Drohne fliegen lassen und Aufnahmen machen, darf man nicht. „Im schlimmsten Fall dürften wir bestimmte Szenen nicht verwenden, weil keine Genehmigung zum Filmen der Motive vorliegt“, erklärt Paeper. Allerdings sei das Projekt in den Verwaltungen und auch bei Privatleuten sehr positiv aufgenommen wurden.

„Viele Leute haben die Hinweise auf unsere Dreharbeiten in der Volksstimme gelesen und uns sehr freundlich begrüßt“, berichtet Markus Benders. Auch im Genthiner Festkomitee für die 850-Jahr-Feier zeigte man sich begeistert von dem Filmprojekt. Zugesagt ist bereits, dass die Premiere von „Genthin von oben“ ein offizieller Teil der Programmwoche werden soll.

Weitere Dreharbeiten folgen im Winter

Bis es so weit ist, gibt es allerdings noch einige Arbeitsschritte. Um Genthin in verschiedenen Jahreszeiten einzufangen, werden weitere Dreharbeiten im Winter und im Frühjahr folgen. In dieser Woche ist der nächste Arbeitsschritt ein Flug mit einer Cessna über der Stadt. Matthias Paeper erklärt: „Dann sollen Aufnahmen aus Höhen entstehen, die mit Kameradrohnen nicht gemacht werden können, da diese nicht so hoch aufsteigen dürfen.