Parchen l Bereits Anfang November 2020 hatte Ortsbürgermeister Hubert Schwandt die „Vorabinformation“ bekommen, dass die Parchener damit rechnen müssten, dass die zuständige Behörde den Antrag auf das Setzen eines neuen Brunnens für die Notbewässerung der Parchener Schlossteiche voraussichtlich wohl nicht genehmigen werde. Jetzt, so informierte Genthins Fachbereichsleiterin Dagmar Turian auf der Parchener Ortschaftsratssitzung am vergangenen Dienstag, liege der Stadtverwaltung Genthin der ablehnende Bescheid der zuständigen Behörde schriftlich vor.

Diesen Brunnenneubau angeschoben hatten der Parchener Angelverein, der Ortschaftsrat und die Genthiner Stadtverwaltung, nachdem in den vergangenen Jahren mehrmals der Wasserstand im Sommer auf bedrohliche Nie-drigwerte abgesunken war und Anfang August 2020 zwei Drittel des Fischbestandes verendet aus dem Teich geholt werden mussten. Die bis dato praktizierte Notlösung - eine dieselbetriebenen Pumpe an den Feuerlöschbrunnen anschließen und das Wasser daraus in den Teich zu leiten - dürfe einfach nicht zum Dauerzustand werden, sagte bereis Anfang November Patrick Wolter, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Hohenseeden/Parchen, die die Pumpe mehrfach zur Verfügung gestellt hatte. Denn solch eine Pumpe mache erheblichen Lärm, wie die Anwohner rund um die Teiche zu ihrem Leidwesen bemerken mussten. Umweltfreundlich sei der Dieselbetrieb der Pumpe natürlich ebenfalls nicht, und ein Feuerlöschbrunnen könne und dürfe schließlich auch nicht ständig für solch eine Notbewässerung zweckentfremdet in Anspruch genommen werden.

Problem Grundwasserstand

Dagmar Turian führte am Dienstag auch aus, dass die Behörden aktuell „problematische Grundwasserstände“ als Grund dafür ins Feld geführt hätten, die Genehmigung für den Neubau eines Brunnens in Parchen zu versagen. Auch an den Wehren am Tucheim-Parchener Bach, der normalerweise die Parchener Schlossteiche mit Frischwasser versorge, könne nur schwer etwas für eine bessere Wasserdurchlässigkeit gemacht werden, weil diese sich in privater Hand befänden. Ganz zu schweigen davon, dass die Biberdämme, die sowohl Ortsbürgermeister Hubert Schwandt als auch Andrè Siebert vom Angelverein Parchen mit dafür verantwortlich machen, dass über den Tucheim-Parchener Bach (landläufig die Beeke genannt) vor allem in heißen Sommermonaten nicht mehr genügend Frischwasser in den Schlossteichen ankomme, aus naturschutzrechtlichen Gründen kaum angetastet werden dürften.

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Nach wie vor können die Parchener das Grundwasser-Argument der Behörden einfach nicht nachvollziehen. Ihrer Ansicht nach, so Ortschaftsrat Patrick Wolter, würde aus dem neuen Brunnen ja nicht dauerhaft grundwasserschädigend das Wasser entnommen, sondern nur in Notsituationen. Außerdem verschwinde das entnommene Wasser nicht einfach im Nirgendwo, sondern bleibe über die Verdunstung im natürlichen Kreislauf.

Da laut den Behörden auch an den Wehren nichts gemacht werden könne, fühlen sich die Parchener Ortschaftsräte und der Angelverein mit diesem Problem schlicht allein gelassen. „Sollen wir die Fische in den Teichen im den kommenden heißen Sommern wieder verenden lassen?“ fragt Patrick Wolter aufgebracht in einem Gespräch mit der Volksstimme. „Interessiere das Tierwohl die Behörden wirklich nicht? Sollen die Fische wieder verenden, soll es deshalb im Ort wieder erbärmlich stinken?“ Die dieselbetriebene Pumpe möchte die Agrargenossenschaft aus Umwelt- und Lärmschutzgründen jedenfalls nicht noch einmal für eine Notsituation, die ja schon jetzt vorauszusehen sei, zur Verfügung stellen.

Ortschaftsräte geben nicht auf

Das Ansinnen, für die Notbewässerung der Fischteiche einen neuen Brunnen setzen zu lassen, wollen die Ortschaftsräte nach der jetzt vorliegenden Verweigerung der Genehmigung dennoch nicht aufgeben. Sie möchten sich von Dagmar Turian das Ablehnungsschreiben zuleiten lassen, es dann genauestens studieren und danach alle beteiligten Ämter und Behörden, so Ortschaftsrat Ernst Adolf Kampes Vorschlag am vergangenen Dienstag, zu ein oder auch mehreren Vor-Ort-Terminen einladen. Der gesamte Ortschaftsrat hat die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben, dass sich dabei doch eine Lösung dieses Problems finden lassen müsste.