Genthin l Vier Themenkomplexe hatten die beiden Redakteure Mike Fleske und Martin Walter für das Volksstimme-Wahlforum am Donnerstagabend ausgewählt: die medizinische Versorgung nach der Schließung des Johanniter-Krankenhauses, die Zukunft des Stadtkulturhauses, Ideen für die Schaffung von Arbeitsplätzen und wie der Volkspark gestaltet werden soll.

Kurzweilige Diskussionen

In kurzweiligen und informativen 90 Minuten standen ihnen Klaus Voth (CDU), Udo Krause (SPD), Gabriele Herrmann (Die Linke), Bennet Wiese (FDP), Sebastian Kroll (Bündnis 90/Die Grünen), der nach einer Stunde von Heiko Unglaub abgelöst wurde, Falk Heidel (Pro Genthin) und Rüdiger Feuerherdt (Wählergemeinschaft Mützel) Rede und Antwort. Der ebenfalls eingeladene Einzelbewerber Adrian Frenzel hatte wegen Krankheit absagen müssen.

Einig war man sich auf dem Podium über die Frustration über den Weggang des Johanniter-Krankenhauses. Letztlich aber auch verknüpft an die Erkenntnis, dass der Stadtrat das nicht hätte verhindern können. Ob das nun schon seit dem Fördermittelbescheid des Landes für den Standort Stendal in den 90er Jahren feststand, wie Heidel meinte, oder dem Stadtrat seit 2004 bekannt war, wie der im Publikum sitzende CDU-Stadtrat Gordon Heringshausen meinte.

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Medizinversorgung ist Thema

Eine Arbeitsgruppe soll nun Möglichkeiten untersuchen, wie die 24-Stunden-Versorgung zumindest teilweise wieder hergestellt werden kann. Favorisiert wird dabei ein Portal-Krankenhaus, in dem bei einer Kapazität von zehn Betten zunächst die Akutversorgung vorgenommen werden kann, bevor es zu einer möglichen Weiterbehandlung in ein richtiges Krankenhaus geht.

Recht uneins waren sich die Kandidaten darüber, was mit dem Stadtkulturhaus geschehen soll. Der mögliche Standort Toom-Baumarkt stieß bei manchen auf strikte Ablehnung. So meinte Krause, dass er von dem Standort allein schon aus Brandschutzgründen nichts halte. Feuerherdt und Voth meinten, man solle erst einmal die sechs Standorte prüfen und Heidel meinte, die Stadt habe etwas Neues verdient, das allen Spaß macht.

Für und Wider Stadtkulturhaus

Zuhörer Reinhard Templin gab zu bedenken, dass der Toom-Baumarkt erst noch von jemandem gekauft werde. Er fand es fast unredlich, den als Standort ins Spiel zu bringen, wobei er den Baumarkt ohnehin für völlig ungeeignet hält.

Zunächst einmal solle am jetzigen Kulturhaus festgehalten werden. Der Jüngste in der Runde, Bennet Wiese, betonte, dass es gerade für junge Menschen wichtig sei, dass dort ein Kulturangebot vorgehalten werde, damit nicht noch mehr Abwanderung geschehe. „Alles steht und fällt mit dem Haushalt“, meinte Feuerherdt genauso einfach wie auch nachvollziehbar.

Lebensqualität steigern

Dass der Stadtrat nicht selbst Arbeitsplätze schaffen kann, das war auch Fleske klar. Er wollte aber wissen, an welchen Stellschrauben das Gremium drehen könnte, um eben doch Jobs nach Genthin zu holen. „Wir müssen den Standort attraktiv machen, da sind die weichen Faktoren ganz wichtig“, sagte Herrmann. Leider sei die Lebensqualität in der Stadt aber abgebaut worden. Die Stadt müsse sich anbieten, forderte Wiese. Günstige Mieten und niedrige Lebenshaltungskosten seien attraktiv.

Attraktiv sind sicherlich auch Einrichtungen wie der Genthiner Volkspark – zumindest von der Theorie her. Denn über dessen Aussehen wurde beim Forum einiges geklagt. Zunächst stand aber die Frage, ob er als Veranstaltungsort noch ausgeweitet werden oder die Erholung im Mittelpunkt stehen soll. Mit drei Veranstaltungen im Jahr sei die Grenze erreicht, meinte Unglaub. Als grüne Lunge der Stadt sahen auch die Nachbarn auf dem Podium den Volkspark.

„Ich laufe jeden Tag durch den Volkspark, wie er aussieht, ist grauenvoll“, meinte Zuhörerin Hadmuth Mielke. Nur wie denn wieder Ordnung hergestellt werden könne, die Jugendlichen an die Kandare genommen werden könnten, blieb als Frage. Birgit Vasen forderte mehr Ordnungsamtsmitarbeiter, in anderen Städten würden weggeworfene Papiertaschentücher mit 100 Euro Strafe belegt. Da sollte man dann aber doch die Kirche im Dorf lassen, riet Feuerherdt.