Genthin l Des einen Freud, des anderen Leid, so lässt sich die Nutzung des freien Wlan (Wireless Local Area Network, zu deutsch: drahtloses, ortsgebundenes Internet-Netzwerk) in der Stadt Genthin kurz und bündig zusammenfassen. Während sich vor allem die jungen Menschen über das Angebot freuen, sehen die Mitarbeiter der jeweiligen Einrichtungen auch Nachteile darin – vor allem, weil die Nutzer oft Müll hinterlassen.

Die drei Genthiner Orte, in deren Umkreis das Wlan mit dem Namen „Hotspot-Genthin“ angeboten wird, sind das Rathaus, die Bibliothek und das Schwimmbad. Letzteres jedoch nur noch sehr eingeschränkt: „Wir haben es abgeschaltet“, macht Elko Bernau, Einsatzleiter des DLRG, deutlich und schiebt den Grund gleich hinterher: „Über Nacht hatten wir wegen des Wlan andauernd Menschen vor der Schwimmhalle, die ihren Müll hier liegen gelassen haben. Es ist dieselbe Situation wie auf dem Marktplatz.“

In der Schwimmhalle könne das Wlan sowieso nicht genutzt werden, weil die Abschirmung zu stark sei. Und im Wasser könne man damit erst recht nichts anfangen. Eine Ausnahme gebe es: „Wenn Handball-Turniere in der Sporthalle sind, stellen wir es wieder an“, sagt Elko Bernau. Denn dann müssten die Ergebnisse so schnell wie möglich verschickt werden.

Wlan sorgt nicht für mehr Besucher

An sich sei das freie Wlan keine schlechte Idee, aber es habe eben die Kehrseite: „Solange die Jugendlichen ihren Müll nicht ordentlich entsorgen können, bleibt das Wlan aus.“ Und wenn die Leute das Wlan nur vor der Schwimmhalle benutzen, würde sich zudem auch kein Nutzen aufgrund einer erhöhten Besucherzahl ergeben.

Diese Hoffnung hat zumindest Bibliotheksmitarbeiterin Cornelia Draeger. „Ich gehe immer vom Positiven aus“, sagt sie. Sie finde es gut, das öffentliche Wlan anzubieten. Es werde auch gut angenommen und sowohl in der Bibliothek als auch davor genutzt. „Aber es hat positive und negative Seiten“, sagt sie. Denn auch sie hat ähnliche Erfahrungen wie Elko Bernau gemacht und kritisiert, dass Wlan-Nutzer vor der Bibliothek Müll hinterlassen würden.

Zeiteinschränkung wird aufgehoben

Wie Elko Bernau sagt, sei die Situation auch am Marktplatz nicht besser. Dort steht das kostenlose Internet Genthinern und Gästen täglich von 7 bis 18 Uhr zur Verfügung. Den Grund erklärt Thomas Rindert, Sachbearbeiter in der Stadtverwaltung: „Die Nutzungszeiten wurden wegen den Ruhezeiten und den damit verbundenen, möglichen Lärmstörungen eingeschränkt. Diese werden in Kürze wieder aufgehoben.“

Eine Aufhebung dürfte jedoch einigen Anwohnern des Marktplatzes nicht gefallen, beschwerte sich doch erst kürzlich einer von ihnen in einem Leserbrief an die Volksstimme über die nächtliche Ruhestörung auf dem Marktplatz. Eine zeitlich unbegrenzte Nutzung könnte noch mehr junge Menschen anziehen.

Keine weiteren Anbieter in der Stadt

Mit auf den Weg gebracht hat das öffentliche Wlan vor drei Jahren die Initiative Freifunk aus Magdeburg. „Hauptsächlich kümmert sich die Freifunk-Initiative um den Betrieb der zugrunde liegenden Infrastruktur, während die Knoten von Dritten betrieben werden“, heißt es dazu von deren Mitglied Stefan Haun.

Betreiber ist somit die Stadt Genthin. Ursprünglich war es angedacht, auch andere Einrichtungen und Geschäfte der Stadt, wie beispielsweise Cafés, aber auch Privatpersonen für die Einführung öffentlicher Wlan-Punkte zu gewinnen. Weder der Freifunk-Initiative noch der Stadtverwaltung seien jedoch weitere Anbieter von öffentlichem Wlan im Stadtgebiet bekannt.

Nutzerzahlen sind nicht bekannt

Des Weiteren kann keiner von ihnen Nutzerzahlen liefern, „da diese nicht ausgewertet werden“, wie Thomas Rindert, der auch für den Datenschutz in der Stadtverwaltung zuständig ist, mitteilt.

Bei einer Befragung auf dem Marktplatz sind die Angesprochenen zurückhaltend. Dann erklären sich doch zwei Personen bereit, über die Wlan-Nutzung zu sprechen.

Die Tangermünderin Ines Keweloh wartet auf dem Marktplatz auf eine Freundin. Auf das öffentliche Wlan angesprochen, reagiert sie überrascht: „Das ist ja interessant. Ich wusste nicht, dass es das gibt.“ Sie zückt ihr Smartphone und probiert es umgehend aus. „Das ist schön. So etwas gibt es in Tangermünde nicht, soweit ich weiß.“ Dennoch habe sie Angst, „wenn sich mehrere Menschen in das gleiche Netzwerk einwählen“, nämlich davor, dass ihr Daten gestohlen werden könnten.

Nutzung, wenn mobile Daten aufgebraucht

Eine Genthiner Schülerin, die nicht namentlich erwähnt werden möchte, weiß von dem öffentlichem Wlan. „Ja, das nutze ich manchmal, aber nur, wenn meine mobilen Daten aufgebraucht sind“, sagt sie. Damit meint sie die Internetverbindung über das Mobilfunknetz.

Da sie ein großes Datenvolumen besitze, sei das jedoch nur selten der Fall. Einige ihrer Freunde würden das Wlan aber öfter nutzen, so die Genthinerin, die damit ebenfalls bestätigt, dass das Angebot der Stadt durchaus gut genutzt wird.