Genthin/Parchen/Gladau l Es wird etwas kosten. Und zwar höhere Gebühren. Die kämen auf alle Genthiner Einwohner zu, die die Friedhöfe in der Stadt und in den Ortschaften nutzen. Wenn die Genthiner Stadträte in ihrer Sitzung am 4. März der von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderung der Friedhofssatzung mehrheitlich ihre Zustimmung geben würden. Unabhängig davon, ob die jeweiligen Friedhöfe dann tatsächlich auch zu bestimmten Zeiten verschlossen werden oder nicht, müssten alle die höheren Gebühren berappen.

Das machte Dagmar Turian, Fachbereichsleiterin Bau/Stadtentwicklung, auf der Sitzung des Ortschaftsrates Parchen am Dienstagabend im Feuerwehrdepot und am Mittwochabend vor den Gladauer Ortschaftsräten deutlich.

17.000 Euro pro Jahr

Weil Anfang 2020 Vandalen auf den Friedhöfen in Genthin und Altenplathow Schäden angerichtet hatten, hatte die Verwaltung diese vorübergehend über die Nacht verschließen lassen. Geöffnet sind sie derzeit montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 9 bis 16 Uhr. Um solche Schließ- und Öffnungszeiten dauerhaft zum Schutz der Ruhestätten vor Zerstörungen einzurichten, braucht es eine Änderung der Genthiner Friedhofssatzung (Volksstimme berichtete). 17.000 Euro pro Jahr würde die Umsetzung dieses Beschlusses kosten - egal, ob sich die städtischen Mitarbeiter des Bauhofes oder ein Schließdienst darum kümmern würden. Die Verwaltung plädiert allerdings für die Übertragung dieser Aufgabe an einen Schließdienst, weil die knappen Personalressourcen beim Bauhof diese zusätzliche Aufgabe kaum zulassen würden.

In Parchen und Gladau ist der Plan auf wenig Gegenliebe gestoßen: „Für Parchen brauchen wir die Einführung von solchen Schließzeiten nicht“, so Patrick Wolters (CDU) Einschätzung während der Sitzung. „Diese Kosten können wir uns sparen.“ Das sahen auch Elisabeth Simon (stellvertretende Ortsbürgermeisterin), Andy Belitz (Feuerwehr Parchen), Elko Bernau (Feuerwehr Parchen), Carsten Heidel (CDU) und Ernst-Adolf Kame (Grüne) so. Einstimmig votierten sie am Dienstagabend gegen die geplante dauerhafte Einführung von Schließzeiten und damit auch gegen die damit verbundene Gebührenerhöhung.

Gerade vor dem Hintergrund der avisierten Gebührenerhöhung lehnen auch die Gladauer Ortschaftsräte die beabsichtigten Schließzeiten ab. Viel Diskussionsbedarf regte sich unter den Gladauern dazu allerdings nicht. Wohl auch deshalb, weil es bisher auf den Friedhöfen kaum zu Vandalismus-Vorfällen gekommen ist. Erik Nietschke formulierte die Ablehnung der Schließzeit vor diesem Hintergrund sehr deutlich: „Es wäre ein Armutszeugnis für unserer Dörfer, wenn die Friedhöfe nachts abgeschlossen werden müssten.“

Ortschaften müssten mitzahlen

Die Runde der Ortschaftsräte verwies zudem darauf, dass auf den Friedhöfen überhaupt erst bauliche Voraussetzungen geschaffen würden müssten, um die Anlagen abschließen zu können. Ortsbürgermeister Klaus Voth, Chef der CDU-Stadtratsfraktion, kommentierte die Pläne zur Änderung der Friedhofssatzung mit einem lapidaren „Wenn die Genthiner die Schließung unbedingt wollen, soll es so sein.“ Allerdings: Mit der Schließung werde eine gebührenpflichtige Dienstleistung erbracht, die die Gladauer und Dretzeler gar nicht in Anspruch nehmen würden. „Wenn die Genthiner die nächtliche Schließung beschließen, werden wir nicht zahlen“ sagte Voth klipp und klar. Notfalls würden die Gladauer gegen die Gebührenerhöhung vorgehen, kündigte der Ortsbürgermeister an.

Bei Redaktionsschluss lag noch keine Entscheidung des Ortschaftsrates Tucheim vor, der gestern Abend über die Schließung zu entscheiden hatte. Bevor die Beschlussvorlage in den Fachausschuss und dann in den Stadtrat geht, haben noch Mützel und Paplitz zu entscheiden. Es ist allerdings anzunehmen, das sich die Ortschaftsräte in Anbetracht der angekündigten Gebührenerhebung ähnlich wie Parchen und Gladau entscheiden.