Genthin l Der Therapie- und Schaugarten „Natur pur“ von Thomas Kostka ist längst aus dem Winterschlaf erwacht. Es grünt und blüht und Thomas Kostka hat in diesem Jahr wieder neue Pläne für den 2500 Quadratmeter großen, weitestgehend naturbelassenen Garten. Eine Outdoorküche mit einem Lehmbackofen und ein Hofladen sollen die nächsten Vorhaben sein. In einem Volksstimme-Beitrag berichtete Kostka, für die Finanzierung der neuen Projekte Leader-Fördermittel in Anspruch nehmen zu wollen.

Bei der rollstuhlgerechten Kräuter- und Sommerküche mit Lehmbackofen geht es um 25 000 Euro, über deren Vergabe die Mitglieder der Lokalen Leader-Aktionsgruppe „Zwischen Elbe und Fiener Bruch“ (Elfi) entscheiden. Die stehen Kostkas Anliegen aufgeschlossen gegenüber. Nicht alle Leser teilen diese Auffassung. Es sei „bedenklich“, dass erneut für den Schau- und Therapiegarten staatliche Gelder durch Thomas Kostka beantragt wurden, meint Kerstin Ramminger aus Altenplathow.

40.000 Euro für Kräuterküche

Die Summe über 40.000 Euro (eingeschlossen sind dabei 15.000 Euro eines vorangegangenen Projektes - d. R.) für eine Kräuter- und Sommerküche mit einem Lehmbackofen „überschreitet mein Verständnis“, schreibt sie in einem Brief an die Redaktion. Zumal, macht Ramminger ihre Bedenken geltend, der Garten sicherlich mehr privat als öffentlich genutzt werde. Die Anlage sei auch nicht frei begehbar, Öffnungszeiten fände man nicht.

Sie sei selbst Gartenbauingenieurin und habe ihren Garten so gestaltet, „dass zu jeder Jahreszeit Insekten Nahrung finden und die Blütenvielfalt über das Jahr nicht abreißt“. In Altenplathow gäbe es eine Reihe vergleichbarer großer Gärten, viele davon seien „großartig gestaltet“ und böten ihren Besitzer sicherlich auch eine Art von Therapie, scheut Kerstin Ramminger nicht den Vergleich mit der Anlage von Thomas Kostka. Sie setzt nach: Diese Gärten seien ohne Steuergelder, nach Feierabend in der Freizeit, mit einem guten Gespür für die Natur und ihren Bewohnern angelegt worden.

Projekte mit Nutzen für Umwelt

Staatlich gefördert werden sollten nach ihrem Verständnis solche Projekte die wirklich einen hohen Nutzen für die Umwelt und den Erhalt der Natur hervorbringen und nicht Projekte, die Visionen bedienen, die vielleicht in einem Stadtteil wie Altenplathow eher weniger in Anspruch genommen werden.

Heike Winkelmann vom Leader-Management hat eine andere Betrachtungsweise. Antragsteller für die konkreten Projekte im Therapie und Schaugarten, stellt sie zunächst richtig, sei nicht die Privatperson Thomas Kostka, sondern die Physiotherapie Tanja Granitzki. Leader unterstütze, so Heike Winkelmann, auch das örtliche Unternehmertum.

Angebote dienen Kinder und Jugendlichen

Die Angebote des Schau- und Therapiegartens dienten - im Unterschied zu den anderen Gärten in Altenplathow - nicht ausschließlich dem privaten Unternehmen, sondern sprechen darüber hinaus unter anderem Kinder- und Jugendliche sowie Benachteiligte, darunter Rollstuhlfahrer, an. Somit werde ein Beitrag zur Sicherung von Dienstleistungen für die Daseinsvorsorge geleistet. Das erfülle ein Kriterium für Vergabe von Leader-Mitteln.

Eine grundsätzliche Öffnung des Gartens, widerspricht Heike Winkelmann der Erwartung Kerstin Rammingers, könne nicht eingefordert werden. Gewährleistet sei eine Öffnung zu Projektzwecken, also zu Seminaren oder zum Backen. In dem Therapie- und Schaugarten gäbe es eine Reihe weiterer Aktivitäten, die mit der Förderung nicht zu tun hätten.

Kritik wegen Raserei

Kostka selbst reagierte gelassen auf die Kritik von Kerstin Ramminger. „Damit muss ich leben“, sagt er. Gegenwärtig stehe er ohnehin in der Kritik, weil er sich wiederholt gegen die Raserei des Umleitungsverkehrs entlang der Altenplathower Straße ausgesprochen habe.

Die Vergabe der Leader-Mittel wird von den Mitgliedern der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) beschlossen. Sie prüfen alle Anträge hinsichtlich der Lokalen Entwicklungsstrategie. Das Projekt Outdoor-Küche könne aus der Sicht von Heike Winkelmann gleich drei ihrer Handlungsfelder bedienen: Natur und Landwirtschaft, Kultur und Tourismus sowie die Daseinsvorsorge im demografischen Wandel.

Eigenanteil ist zu entrichten

Private Antragsteller können über Leader eine 45- bis 50-prozentige Zuwendung erhalten. Diese Zuwendung stellt die EU und in kleinen Teilen auch das Land zur Verfügung. Den Eigenanteil muss der Antragsteller, in diesem Fall die Physiotherapie Granitzki, selbst stemmen. Fördermittel zu erhalten, sei auch nicht immer ein Geschenk. „Da steht auch ein nicht unerheblicher Aufwand dagegen“, meint Heike Winkelmann vom Leader-Management.