Genthin l Obst und Gemüse sind weitestgehend geerntet, die Gartenlauben werden in den nächsten Tagen winterfest gemacht. Die Mehrzahl der städtischen Kleingartenanlagen wird die öffentlichen Zugänge ab dem 1. November bis zum 1. April schließen. Es wird ruhiger. Aber nicht still. Jedenfalls nicht für Reimar Porrini, Vorsitzenden des Stadtverbandes der Gartenfreunde Genthin. Auch wenn die für vergangene Woche geplante Beratung mit den Vorsitzenden der zehn Kleingartenanlagen, die im Genthiner Stadtverband organisiert sind, coronabedingt ausfiel.

„Wir bleiben natürlich weiterhin in engem Kontakt“, sagt Reimar Porrini mit selbstverständlicher Gewissheit.

Corona-Folgen für Gärtner

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sollte natürlich auch bei der Beratung der Kleingärtner ganz oben auf der Agenda stehen. Es ist und bleibt auch für die Gartenfreunde das beherrschende Thema des Jahres.

Dass Corona für das Genthiner Kleingartenwesen neben viel Aufregung auch für positive Effekte sorgte, sei jedoch absolut nicht vorhersehbar gewesen, sagt Reimar Porrini fast ein wenig verlegen. So habe sich die Zahl der verpachteten Parzellen seit Mai erstaunlicherweise stabil gehalten. Dabei sei die Verunsicherung der Gartenfreunde zunächst groß gewesen, ob sie während der Pandemie überhaupt die Parzellen nutzen und wirtschaften dürfen.

65 Gärten stehen leer

Von den 550 Gärten in den zehn Anlagen, die im Stadtverband organisiert sind, werden derzeit 485 genutzt, 65 Gärten stehen leer. Die Gartenanlagen sind damit zu knapp 90 Prozent ausgelastet. 13 Gärten konnten dabei in diesem Jahr neu verpachtet werden – für Genthiner Verhältnisse respektabel, schätzt Reimar Porrini das Geschehen in den vergangenen Monaten ein.

In den Vorjahren pendelte die Belegung der Gärten zwischen 80 und 85 Prozent. Damit lag Genthin bisher etwa im Landesdurchschnitt, wo von 120.000 Kleingärten etwa 20.000 leer stehen.

Zuwachs aus Leipzig und Berlin

Auf die Frage, was der Stadtverband in diesem Jahr anders gemacht haben könnte als in den Vorjahren, hat Reimar Porrini keine alles erschöpfende Antwort parat. Allein Corona könne es nicht gewesen sein.

Die große Genthiner Hobbygärtner-Familie hat in diesem Jahr in der „Birkheide“ sogar Zuwachs aus Leipzig und Berlin bekommen. Die Familien reisen am Freitagabend an und bleiben bis Sonntagabend.

Lockere Regeln für neue Interessenten

Das wirft natürlich die Frage auf, ob ein Kleingarten zukünftig ein kleines Wochenendgrundstück ersetzen darf. Denn nach dem Bundeskleingartengesetz hat der Kleingärtner die Pflicht, die Pachtparzellen zu einem Drittel kleingärtnerisch zur „Gewinnung von Gartenbauerzeugnissen für den Eigenbedarf“ zu nutzen.

Um weitere Interessenten zu gewinnen, handhaben wir diese Regelung nicht ganz so streng, erklärt Reimar Porrini. Ihm sei ein Garten mit Rasen lieber als ein Garten, der verwildert und vor sich hin dümpelt.

Viele können sich Garten nicht leisten

Von einem vielfach prognostizierte Zulauf aus dem Raum Berlin/Potsdam, den Genthin auch aus anderen Bereichen durchaus herbeisehnt, könne allerdings nicht die Rede sein. Trotz Werbung über das Internet.

Es sei allerdings so, betont Reimar Porrini, dass sich Berliner und Potsdamer vielfach einen Garten einfach nicht mehr leisten können. Da biete Genthin mit einer jährlichen Pacht von neun Cent pro Quadratmeter einen sehr moderaten Preis. Damit orientiert sich die Stadt an den Vorgaben des Bundesverbandes der Kleingärtner. Für eine 600 Quadratmeter große Parzelle muss ein Hobbygärtner in Genthin, der einer Sparte des Stadtverbandes angeschlossen ist, beispielsweise eine Jahrespacht in Höhe von 80 Euro entrichten.

Von großen Gärten trennen

Doch der Stadtverband will sich nicht nur allein darauf verlassen, dass eines Tages verträgliche Pachten Großstädter nach Genthin locken könnten. „Um unsere Sparten zukunftsfähig zu gestalten, müssen wir uns nach und nach von den großen Gärten, die sich bis zu 1200 Quadratmeter erstrecken, trennen. Gärten über 600 Quadratmeter will heute niemand mehr“, sagt Porrini. Das betrifft sowohl die Sparten „Birkheide“ als auch „Zille“. Gefragt seien nach den Erfahrungen Stadtverbands-Vorsitzenden Parzellen in einer Größe von 400 Quadratmetern.

Gerade auch vor diesem Hintergrund brauche Genthin Porrini zufolge dringend ein Kleingarten-Entwicklungskonzept, das es in anderen Städte längst gäbe. Unter anderem in Burg wird derzeit an einem solchen Konzept gearbeitet.