Genthin l Vor verschlossenem Tor standen nicht wenige Kunden des Genthiner Gartencenters in den vergangenen Tagen. Ein Plakat informierte über Betriebsferien bis Februar 2021. „Hat der Betreiber etwa wieder zugemacht?“, fragte ein Kunde am Lesertelefon der Volksstimme und bedauerte das Aus gerade in den Sommermonaten. Doch auch wenn der Sommerverkauf in diesem Jahr entfällt, es tut sich was im Gartencenter.

„Keine Sorge, wir machen nicht dauerhaft zu“, beruhigt Geschäftsführer Ilfan Kilinc. Man habe nur vorübergehend geschlossen. „Aufgrund der Baustelle auf der B107 gibt es derzeit keinen direkten Weg zum Gartencenter, sondern nur einen mit acht Kilometer Umweg, daher haben wir derzeit kein sehr hohes Kundenaufkommen“, erläutert Kilinc.

Betrieb nicht in vollem Umfang möglich

Es lohne sich derzeit einfach nicht das Geschäft offenzuhalten. Denn im Center werde umgebaut und der Betrieb sei ohnehin nicht im vollen Umfang möglich. „Wir sind mitten in der Neugestaltung des Innenbereiches und kehren schon bald nach Genthin zurück.“ Als Öffnungsdatum nennt Kilinc den 1. Oktober.

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Die Plakate seien vor längerer Zeit vorbereitet worden und hätten daher den Februar 2021 angekündigt. „Wir machen aber in Genthin weiter, dem Geschäft geht es gut und auch unsere Niederlassung in Berlin läuft“, fügt der Geschäftsführer hinzu.

Seit dem vergangenen Jahr sind die Geschäftsleute aus Berlin Neukölln in Genthin tätig, hatten das Unternehmen aus einer erneuten Insolvenz übernommen. Man war einige Zeit zuvor auf das Objekt aufmerksam geworden und habe sich in der Kanalstadt mit einem eigenständigen Unternehmen engagieren wollen, da unter anderem die Gewächshäuser in einem guten Zustand seien.

Der Wunsch dazuzugehören

Bewusst habe man den Namen der Stadt damals in den neuen Firmennamen übernommen. „Wir wollen zu Genthin gehören und wollen so auch wahrgenommen werden“, machten die Geschäftsführer seinerzeit deutlich. Dabei bleibt es auch künftig. Allerdings werden die Gartencenter in Genthin und Berlin inhaltlich angeglichen, der Internetauftritt sei bereits optisch überarbeitet worden.

Für die Genthiner ist das Gartencenter ein Teil der Stadt, sozusagen der Einzelhandelsgeschichte. Ab 1961 war Günter Pauer im damaligen Genthiner Gartenbau tätig. 1990 übernahm er den Betrieb und war mehr als zwei Jahrzehnte Chef im Genthiner Gartenbau GbR.

2012, als Pauer sich in den Ruhestand verabschiedete, übernahm Torsten Kühne, der zuvor gemeinsam mit seinem Vater in Dresden ein traditionsreiches und erfolgreiches Familienunternehmen führte.

Wandel im Laufe der Zeit

Allerdings hatte sich das Geschäft im Laufe der Jahre gewandelt, neue Konkurrenten auf dem Sektor waren hinzugekommen, der Pflanzenmarkt umkämpft. 2016 musste Kühne Insolvenz anmelden und gab die Geschicke des Betriebes an die Unternehmerfamilie Kammlott in Erfurt ab. Auch diese ging im vergangenen Jahr in Insolvenz.

Aber auch wenn die Unternehmen zunächst mit neuen Ideen und neuem Schwung begannen, 2018 schlug die nächste Insolvenz in Genthin zu Buche. Als Ursache dafür hatte der damalige Insolvenzverwalter den trockenen Sommer und die fehlende Nachfrage nach Pflanzen ausgemacht. Auch wenn der Betrieb zunächst weitestgehend unverändert weiterlief, war der Niedergang nicht mehr aufzuhalten.

Weniger Mitarbeiter als zuvor

Die neuen Eigentümer starteten im Frühjahr mit weit weniger Mitarbeitern als in vorangegangenen Jahren. Waren es bei Pauers im Jahr 2010 noch mehr als 60, waren es beim Start des neuen Unternehmens im Jahr 2019 nur sieben.

Allerdings waren die neuen Eigentümer mit ihrer ersten Genthiner Saison durchaus zufrieden und stellten weitere Mitarbeiter ein. Im Frühjahr waren sechs Mitarbeiter im Pflanzenbereich tätig, sechs weitere Angestellte im Verkaufsbereich.