Schopsdorf l Seit Anfang Dezember läuft das deutsch-australische Kooperationsprojekt „HySupply“. Damit soll in den kommenden beiden Jahren ausgelotet werden, wie ein gemeinsamer Wasserstoffmarkt entwickelt werden kann.

Das Projekt, in das neben deutschen Großkonzernen auch das Bundesforschungsministerium eingebunden ist, wird von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) koordiniert. Mittelbar profitiert von den Erkenntnissen dieses Programmes auch die Avacon bei ihrer Studie zur Wasserstoff-Gas-Einspeisung in die Haushaltsnetze in Schopsdorf. Wobei Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel darauf hinweist, dass man beide Pilotprojekte auseinander halten müsse: „Wir fokussieren uns aufs Netz“, macht sie deutlich. „In unserem Projekt wollen wir die Basis für die Nutzung grünen Wasserstoffes schaffen, indem wir nachweisen, dass unsere Gasnetze wasserstofftauglich sind.“ Insofern handele es sich um unterschiedliche Prozessschritte. Diese haben allerdings Anknüpfungspunkte. In der deutsch-australischen Kooperation wird erhoben, wie der Weg von der Herstellung über den Transport bis zur Nutzung von ökologischem Wasserstoff beschritten werden kann. In Schopsdorf soll der letzte Punkt nämlich die Nutzung besonders betrachtet werden.

Strom soll eingespeist werden

Geplant ist, grünen Strom, der nicht sofort gebraucht wird, zu speichern – indem er in Wasserstoff umgewandelt und ins Gasnetz eingespeist wird. Das Verfahren gibt es grundsätzlich bereits. Der Energieversorger Avacon will aber zeigen, dass statt bisher zehn, auch 20 Prozent Wasserstoff im Erdgasnetz geparkt werden können. Getestet werden soll dieses Verfahren in einem Pilotprojekt des Energieunternehmens im Fläming. Gaskunden in Magdeburgerforth, Reesdorf, Drewitz, Dörnitz, Lübars, Schopsdorf und Ringelsdorf gehören dabei zu den Ersten, die dieses neue Verfahren ausprobieren. Im Spätsommer hatte Avacon die Kunden über Einzelheiten zum Ablauf des Verfahrens informiert. Mittlerweile laufen die aktiven Vorarbeiten. Seit Anfang Oktober seien Vor-Ort-Termine vereinbart worden, erklärt Carsten Birkholz, Kommunalreferent der Avacon in Genthin.

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Dabei seien rund 220 von 340 Thermen in den Haushalten auf Tauglichkeit für das geplante Pilotprojekt überprüft worden. „Wir sind mit den Ergebnissen mehr als zufrieden.“ Denn nur etwa fünf der überprüften Anlagen seien im Moment noch nicht geeignet und könnten aber für den Gebrauch des neuen Gas-Wasserstoffgemisches nutzbar gemacht werden. Trotz Corona sei man mit den Überprüfungen im Zeitplan. Im Frühjahr sollen diese abgeschlossen werden. „Danach werden die erhobenen Daten ausgewertet und den Einwohnern in einem weiteren Infoabend vorgestellt“, kündigt der Kommunalreferent an. Dann werde dargelegt, ob man den angedachten Zeitplan weiterverfolge wie geplant. Sollte sich nichts ändern, ist geplant, dass im Frühjahr 2021 die kostenfreie Prüfung der Anlagen mit Erdgas sowie mit Prüfgas abgeschlossen sein soll.

Der Ausbau der Einspeiseanlage soll bis Oktober 2021 abgeschlossen sein. Und bis zum ersten Quartal 2023 wird die stufenweise Steigerung der Wasserstoffbeimischung angestrebt. Durch die Beimischung von Wasserstoff sollen keine Schäden oder Störungen verursacht werden. Der Gasanschlusskunde soll keinen Unterschied an seiner Energieversorgung bemerken. Durch die Beimischung von Wasserstoff soll lokal weniger Kohlendioxyd erzeugt und an die Atmosphäre abgegeben werden.

Großes Potenzial

Diese Umwandlung und Speicherung von Wasserstoff gilt als Verfahren mit großem Potenzial für eine effiziente Nutzung von erneuerbaren Energien und für eine Co2-freie Energieversorgung. Die in Schopsdorf gewonnenen Ergebnisse könnten für die spätere flächendeckende Nutzung ein Vorbild für die Umsetzung in ganz Deutschland sein.