Genthin l Hartmut Nothe aus Kader-Schleuse zählt mittlerweile zu den gesetzten Gästen, wenn die Verbandsversammlung des Trinkwasser- und Abwasserverbandes Genthin (TAV) zu einer öffentlichen Beratung zusammenkommt. Er hat sich zum Sprecher einer Initiative gemacht, die die Forderung nach Gebührengleichheit für Kunden der dezentralen und zentralen Abwasserentsorgung aufmacht. Anfang November hatte er TAV-Geschäftsführerin Loretta Kablitz eine Liste mit 337 Unterschriften übergeben, die diesem Ansinnen Nachdruck verleihen sollten.

„Die Leute werden inzwischen unruhig und erwarten eine Reaktion des TAV. Die Stimmung ist mittlerweile gereizt“, sagte Hartmut Nothe kurz vor Beginn der Verbandsversammlung. Noch bevor er in der Beratung bei der Einwohnerfragestunden zu Wort kam, preschte - vermutlich nicht abstimmt - mit Birgit Albrecht aus Klitsche eine weitere Betroffene vor. Sie beobachte die zukünftige Rolle der Entsorger, die der TAV bei der dezentralen Abwasserentsorgung einschaltet, mit Argwohn.

Zahl der Entsorger schrumpft

Ein Entsorger aus dem Stremmebereich stelle seinen Betrieb zum Jahresende ein, ein Entsorger aus Brandenburg und ein weiterer aus Kade würden Klitsche hauptsächlich aus betriebswirtschaftlichen Gründen nicht anfahren. Gegen einen weiteren Entsorger aus der Region, das war Albrechts Ausführungen zu entnehmen, gibt es offensichtlich Vorbehalte, auf die sie nicht näher einging. Vor diesem Hintergrund befürchtet Birgit Albrecht, dass die wenigen Entsorger, die auf dem Markt bleiben, ihre Monopolstellung ausnutzen und die Kosten zum Nachteil der Kunden in die Höhe treiben könnten. Fraglich sei für sie, ob die verbleibenden Entsorger überhaupt über die notwendigen materiell-technischen und personelle Kapazitäten verfügen, die Entsorgung übernehmen zu können, so Albrecht.

Auf die Frage Albrechts an die Verbandsversammlung, wann der TAV gedenke, einen Fäkalienwagen anzuschaffen –das war nicht mehr als die direkte Aufforderung an das kommunale Unternehmen, die dezentrale Abwasserentsorgung in die eigenen Hände zu nehmen – blockte Pareys Bürgermeisterin Nicole Golz in ihrer Funktion als Vorsitzende der Verbandsversammlung ab.

Zu der Problematik werde die Verbandsversammlung im ersten Quartal des neuen Jahres Stellung nehmen, sagte Golz und zog sich damit auf den Sachstand zurück, der bereits seit Anfang November bekannt ist. „Wir werden genau hin- sehen“, versicherte die Vorsitzender der Verbandsversammlung.

Arbeit auf eigene Rechnung

Im Bereich des TAV arbeiten zugelassene Entsorger für die dezentrale Entsorgung der Kleinkläranlagen betriebswirtschaftlich auf eigene Rechnung. Die Kosten des Verwaltungsaufwands, die mit der dezentralen Versorgung verbunden sind, trägt der TAV.

Geschäftsführerin Loretta Kablitz hatte schon bei der Übergabe der Unterschriftenliste gegenüber Hartmut Nothe darauf hingewiesen, dass es einer rechtlichen Prüfung bedürfe, ob die Gebühren für die dezentrale Entsorgung durch die Gebühren für die zentrale Entsorgung überhaupt subventioniert werden könnten.

Anschluss-Weigerung in Klitsche

Der von Birgit Albrecht massiv vorgetragenen Forderung nach Gleichbehandlung der Gebührenzahler entgegnete Ute Lichtenberg, selbst aus Klitsche kommend und Jerichow-Vertreterin in der Verbandsversammlung, dass bei Informationsveranstaltungen des TAV Ende der 1990er Jahre von den Bürgern aus Klitsche ein deutliches „Bloß nicht“ zu einem zentralen Anschluss an die Abwasserentsorgung gekommen sei. Für Kader-Schleuse sei dies nicht der Fall gewesen, erwiderte daraufhin Hartmut Nothe. Eine zentrale Erschließung sei hier technisch schwer umsetzbar und vermutlich finanziell nicht vertretbar gewesen.

Im Verbandsgebiet des TAV sind 96 Prozent der Haushalte an die zentrale Entsorgung angeschlossen, 850 Haushalte unterhalten dezentrale Anlagen.

Nach Nothes Rechnung trage ein Haushalt mit zentraler Entsorgung, obwohl er das Dreifache an Wasser verbrauche, nur das 1,13-fache mehr an Gesamtkosten als der dezentral entsorgte Haushalt. Dieses Rechenexempel führte der Kader in einem Offenen Brief an, den er im Juni an den Genthiner TAV gerichtet hatte.