Genthin l Wenn der Morgen des Heiligabends anbricht, wird für Jenny Weinmann alles anders sein als sonst. Denn die Alten- und Krankenpflegerin im mobilen Dienst hat coronabedingt nicht wie in all den anderen Jahren an diesem für sie zweifach besonderen Tag ihre Kolleginnen zum fröhlichen Frühschoppen einladen können. Das werde ihr, wie sie in einem Gespräch mit der Volksstimme sagt, schon ein wenig fehlen an diesem 24. Dezember.

Keine große Gästeschar

Denn all die Jahre zuvor war der Vormittag dieses Tages dem Feiern ihres Geburtstages vorbehalten. In diesem Jahr kommt hinzu: Jenny Weinmann wird 50 Jahre alt. Zu solch einem Geburtstag fallen Feiern, Gästeschar und Geschenke oft größer aus als sonst üblich. Auch das wird wegen Corona nicht gehen – zumindest, was die größere Gästeschar angeht.

„Als mein Mann vor zwei Jahren 50 wurde, da hatten wir ihm gemeinsam eine größere Radreise geschenkt. Die ist mir als wunderbares Familienerlebnis in Erinnerung“, sagt die leidenschaftliche Ausdauersportlerin. „Ich weiß nun überhaupt nicht, was am 24. Dezember passiert. Ich muss mich wohl überraschen lassen.“ Dabei war Jennys Geburt vor fünfzig Jahren eigentlich erst für Anfang Januar vorgesehen. „Meine Mutti hat immer zu mir gesagt, ich habe nicht abwarten und unbedingt sehen wollen, was die Schwester für Weihnachtsgeschenke bekommt.“

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Erinnerungen an Bescherungen

Als Jennys Tochter und Sohn noch kleiner waren, kam der Weihnachtsmann höchstpersönlich bei den Weinmanns vorbei, ob in dem Kostüm nun der Papa, dessen Bruder oder ein Freund der Familie steckte. Später wurden, wenn die Familie zum nachmittäglichen Besuch der Weihnachtsvorstellung des Genthiner Amateurtheaters (Gat) aufbrach, symbolisch ein, zwei Fenster aufgelassen. Und bei der Rückkehr wurde gerufen „Huch, der Weihnachtsmann ist schon da gewesen und hat die Geschenke durchs Fenster gebracht.“

Lang noch haben Jennys Kinder, die heute selbst schon Eltern sind beziehungsweise es bald werden, die wunderbare Illusion für sich bewahrt: Den Weihnachtsmann hat keiner gespielt, den gibt es wirklich. Heute schenkt die Tochter der Mama einen Adventskalender in Form einer Tüte für jeden Tag, zumeist gefüllt mit Süßigkeiten. Denn genau wie ihr Mann liebt Jenny Weinmann es zu naschen. Auch wenn hundertprozentig konsequente Lauffreunde sie deswegen ein wenig schief angucken würden, wüssten sie das.

In der Region bekannte Sportlerin

Beide Weinmanns bewältigen trotzdem nicht nur Marathon-Strecken in sportlich ambitionierten Zeiten, sondern auch Triathlon-Wettkämpfe mit einem Marathon-Lauf, einer Strecke auf dem Rad und einer schwimmend im Wasser und dann auch noch Ultra Trails. Das sind überlange Laufwettbewerbe abseits glatter Straßen, meist über schmale Bergpfade mit dabei zu überwindenden beachtlichen Höhenunterschieden.

In diesem Jahr war für Jenny Weinmann und ihren Mann eigentlich die Teilnahme am „Ultra Trail du Mont Blanc“ angesagt. Corona hat dies zunichte gemacht.

Laufen durch die Natur

Bei diesem Lauf, der einmal rund um den Mont Blanc führt, bewältigt man per pedes schier unglaubliche 168 Kilometer am Stück. Dabei geht’s bergauf und bergab – vier Marathon-Lauf-Strecken hintereinander durch die Alpen in einer Zeit bis zu 40 Stunden. Wie ein Mensch das schaffen kann? Indem er keine Pause einlegt, sagt Jenny Weinmann. Denn wenn der Körper erst mal zur Ruhe kommt, sei es aus. Dann übernimmt der Schlaf sofort zwingend die uneingeschränkte Macht.

Die Läufe durch die heimischen Wälder sind Jenny Weinmann auch in Corona-Zeiten geblieben. Ohne Musik im Ohr. „Ich brauche die Natur dabei, den Wald, den Geruch, das Vogelgezwitscher, das Rauschen der Blätter“, sagt sie. Und mehr nicht.