Stadtrat

Genthin auf der Suche nach einer Kulturstätte

Die Stadt Genthin bekommt kalte Füße, die Bewirtschaftung des Stadtkulturhauses ab Januar 2022 wie angekündigt zu übernehmen. Keiner weiß derzeit, wie teuer Brandschutzanforderungen werden.

Der Genthiner Musik-Express beim Auftritt im Stadtkulturhaus im Oktober 2020. Ihr Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen war die letzte öffentliche Veranstaltung im Stadtkulturhaus, bevor die Cororan-Auflagen griffen.
Der Genthiner Musik-Express beim Auftritt im Stadtkulturhaus im Oktober 2020. Ihr Jubiläumskonzert zum 50-jährigen Bestehen war die letzte öffentliche Veranstaltung im Stadtkulturhaus, bevor die Cororan-Auflagen griffen. Archivfoto: Mike Fleske

Genthin - Von Simone Pötschke

Wo können ab dem nächsten Jahr Jugendweihen, Karnevalveranstaltungen und Märchenaufführungen stattfinden? Wie bisher im Stadtkulturhaus? Steht die Stadt noch zu ihrem Wort, die Bewirtschaftung des Stadtkulturhauses ab dem kommenden Jahr in eigene Regie zu nehmen? Noch hat ein Beschluss des Stadtrates aus dem Jahr 2018 Gültigkeit, wonach die Stadt die Immobilie, die sich im Eigentum der Inprotec AG befindet, ab dem 1. Januar 2022 bis zum 31. Dezember 2028 als Pächter übernimmt.

Ein wirkliches Bewirtschaftungskonzept für das Haus hat die Stadt trotz mehrfacher Ankündigung nie vorgelegt. Inzwischen macht sich Ernüchterung breit. Denn die genauen Kosten für ein Brandschutzkonzept, das für den Saal des Stadtkulturhauses vorgelegt werden muss, sind dem Stadtrat nur nach Schätzungen bekannt.

Im Moment liegt auch dem Landkreis dieses Konzept nicht vor. QSG-Geschäftsführer Lars Bonitz informierte auf Volksstimme-Nachfrage, dass die Baupläne des Stadtkulturhauses derzeit digitalisiert und nach Fertigstellung dem Unternehmen gesendet würden, welches dann das Konzept erstellt.

Die Stadt bleibt so lange in der Klemme. Einerseits wünschen sich die Genthiner eine größere Versammlungs- und Veranstaltungsstätte, andererseits wäre diese eine freiwillige Leistung, die nur bei einem ausgeglichenen Haushalt von der Kommunalaufsicht genehmigt wird. Zudem mahnt die Verwaltung an, dass die Stadt beim Stadtkulturhaus in fremdes Eigentum investieren würde. Die Verwaltung legt in dieser Woche drei Optionen vor, wie die Stadt aus dieser „selbstgemachten Klemme“ herauskommen kann. Die drei Alternativen kommen am Montag auf den Tisch des Bauausschusses. Hier ist ein erster Stimmungstest zu erwarten.

Option 1: Zurückrudern

Die Stadt tritt von der Vereinbarung mit der Firma Inprotec zurück . Für diesen Fall könnte sich die QSG als bisheriger Betreiber neu aufstellen und der Stadt - wie bisher gehabt - die öffentliche Nutzung des Stadtkulturhauses einräumen. Aus der Verwaltung hieß es, dass Vorgespräche mit der QSG geführt worden seien. Aus dem Stadtrat war zu erfahren, dass vom Inhalt dieser Vorgespräche bisher nichts bekannt ist. Die Frage wäre bei dieser Option, ob die Stadt der QSG weiterhin einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro an die QSG gewähren würde.

Option 2: Neubau

Zumindest auf dem Papier ist der Traum von einem Neubau einer Versammlungsstätte noch nicht ausgeträumt. Sechs Standorte wurden unter 18 Vorschlägen bisher für weitergehende Untersuchungen ausgewählt. Ernsthaft verfolgt wurde in den vergangenen Monaten ein mögliches Bauvorhaben trotzdem nicht, obwohl es im Stadtrat Nachfragen gab. Ein Neubau, eine freiwillige Leistung, findet sich auch nicht im aktuellen Haushalt wieder, eine Planung wurde nicht vorangetrieben, so dass das gesamte Vorhaben auf unbestimmte Zeit auf Eis liegt. Bisher geht die Verwaltung von mindestens 4,8 Millionen Euro aus, die die Kommune für einen Neubau aufbringen müsste.

Option 3: Mischvariante

Bei dieser Option kommen gleich mehrere kommunale als auch privatwirtschaftlich betriebene Einrichtungen ins Spiel. In die Betrachtung bezieht die Verwaltung unter anderem die beiden größeren Sportstätten der Stadt ein. Allein für deren zusätzlicher Ausstattung werden 500.000 Euro veranlagt. Im Gespräch ist bei dieser Option auch die Aula der Grundschule Uhland, die für kleinere öffentliche Beratungen, Bürgerversammlungen und Einschulungen genutzt werden kann.