Genthin l Lars Bonitz hat sich einige Wochen vor der Bürgermeister-Wahl einen prall gefüllten Termin-Kalender auferlegt. Jeder Feierabend ist ausgebucht, der Altenplathower ist im Wahlkampf-Modus. „Ich will in der Öffentlichkeit präsent sein und mit den Leuten in Genthin und den Ortsteilen ins Gespräch kommen.“ Als zäher Wahlkämpfer will er offensichtlich nichts dem Zufall überlassen.

Viele Termine

Am Wochenende besuchte er den Tag der offenen Tür beim Futtermittelhandel Schulz in Fienerode, nächsten Sonnabend ist ein Termin in Tucheim gesetzt. Selbst seinen Pkw nutzt er als Wahl-Werbefläche in eigener Sache. Wo Bonitz dransteht, ist Bonitz im wahrsten Sinne des Wortes drin.

In den sozialen Netzwerken ist er als Wahlkämpfer unterwegs und will so auch die jüngeren Wähler erreichen. Lars Bonitz fährt eine offensive, mehrgleisige Wahlkampfstrategie. An Entschlossenheit, Thomas Barz im Bürgermeisteramt zu beerben, mangelt es ihm nicht.

Steiniger Weg

Dafür war er bereit, einen unbequemen und steinigen Weg für seine Bewerbung in Kauf zu nehmen. Bei der Nominierung war er dem offiziellen CDU-Kandidaten mit wenigen Stimmen unterlegen. Er hielt trotzdem an seinem Vorhaben fest. Er sei aus der Partei ausgetreten, um somit dem ehemaligen Parteikollegen einen fairen Wahlkampf zu ermöglichen, sagt er.

Sein Selbstbewusstsein hat dabei augenscheinlich keinen Schaden genommen. Denn aus seinem Bekanntenkreis habe er für diesen Schritt viel Zustimmung erfahren.

Zwischen Lob und Kritik

Der Altenplathower polarisiert das Wahlvolk: Während seine Kritiker ihm Unglaubwürdigkeit nach dem CDU-Intermezzo vorwerfen, wird er von seinen Unterstützern für seinen Mut gelobt, „gegen den Strom zu schwimmen“. Das beflügelt Bonitz. „Ich habe mit meiner Bewerbung um das Bürgermeisteramt ein Ziel, und das verfolge ich konsequent. Ich bin überzeugt davon, das Richtige getan zu haben“, sagt er.

Der unbedingte Wille, das Bürgermeisteramt anzutreten, sei keine Reaktion auf die missglückte Nominierung durch den CDU-Ortsverein, betont Bonitz, der seit zwei Jahren der QSG als Geschäftsführer vorsteht. Um sich privat über seine berufliche Zukunft im Klaren zu werden, habe es mit seiner Ehefrau schon über die Weihnachtsfeiertage sehr intensive Gespräche gegeben. „Wir haben uns lange unterhalten und glauben, dass für uns nun alles passt.“ Die Entscheidung sei ihm nicht in den Schoß gefallen, versucht der vierfache Familienvater deutlich zu machen.

Kommunalpolitische Erfahrung

Bonitz kann in das Bürgermeisteramt kommunalpolitische Erfahrung als Stadtrat der CDU-Fraktion einbringen. Er arbeitet im Wirtschafts- und Umweltausschuss des Stadtrates mit und vertritt die Stadt Genthin im Unterhaltungsverband Stremme/Fiener Bruch. Als Vorsitzender des Fördervereins Altenplathower Kirche engagiert er sich ehrenamtlich. „Wenn mir dafür auch beruflich kaum noch Zeit bleibt“, schränkt er ein.

Bei den Wahlen zum Stadtrat trat er vor vier Jahren in der „jungen Garde der CDU“ an und schaffte aus dem Stand den Sprung in das Stadtparlament. „Ich wollte etwas bewegen, in Genthin etwas gestalten. Auch für meine Kinder“. Das habe ihn seinerzeit bewogen, ein Mandat im Stadtrat anzunehmen. Bonitz geht deshalb kommunalpolitisch nicht unbeleckt in den Wahlkampf.

Stolz auf Region entwickeln

Als gebürtiger Genthiner treibt den Wirtschaftsingenieur Logistik das Identifikationsproblem der Kanalstädter um. „Wir müssen daran arbeiten, dass die Genthiner, auch die der Ortschaften, wieder stolz auf ihre Region sind und ein Bewusstsein für die Möglichkeiten haben. Das vermisse ich bisher.“

Auf die Agenda hat sich Bonitz geschrieben, die Dörfer wieder selbständiger arbeiten zu lassen. „Die Ortschaftsräte wissen am besten, wo die Probleme sind.“ Vereine will er nach vorne bringen und familienfreundliche Kommunalpolitik vorantreiben. Bürgermeister Barz, sagt Lars Bonitz, hinterließe seinem Amtsnachfolger ein positives Erbe. Er habe Genthin einen Dienst erwiesen, indem er für die Stadt sichere finanzielle Verhältnisse geschaffen habe.