Jubiläum

Genthiner entreissen den Schriftsteller Edlef Köppen dem Vergessen

Einigen Zufällen ist es zu verdanken, dass die Stadt- und Kreisbibliothek nach einem großen Sohn der Stadt benannt ist. Genau 25 Jahre ist das her.

Von Mike Fleske
Vor 25 Jahren wurde die Stadt- und Kreisbibliothek nach dem Schriftsteller Edlef Köppen benannt.  Die Kinder auf dem Foto waren die damals jüngsten lebenden Verwandten.
Vor 25 Jahren wurde die Stadt- und Kreisbibliothek nach dem Schriftsteller Edlef Köppen benannt. Die Kinder auf dem Foto waren die damals jüngsten lebenden Verwandten. Repro: Mike Fleske

Genthin - Heute ist der Name Edlef Köppen (1893 - 1939) weithin in der Stadt sichtbar. Sein Name steht auf einem Schild vor der Stadt- und Kreisbibliothek, Leben und Werk des in Genthin geborenen Schriftstellers werden von einem nach ihm benannten Freundeskreis erforscht. Dokumente von und über ihn werden in einem Archiv niedergelegt, stehen der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Vor 25 Jahren - am 9. Juni 1996 erhielt die Bibliothek den Namen des großen Sohnes der Stadt.

„Wir wollten damals einen Akzent zur 825-Jahr-Feier in Genthin setzen“, erinnert sich die langjährige Leiterin der Bibliothek Gabriele Herrmann und heutige Betreuerin des Köppen-Freundeskreises. Es war eine fröhliche und dennoch würdevolle Zeremonie, als das Namensschild enthüllt wurde - von den damals noch jüngsten noch lebenden Verwandten Köppens, die damals noch Schüler waren. Der damalige Bürgermeister Wolfgang Bernicke erinnerte an Edlef Köppen, der zu diesem Zeitpunkt nur wenigen ein Begriff war.

Lebensweg geprägt durch den Ersten Weltkrieg

Köppen einst Freiwilliger im Ersten Weltkrieg, wurde durch seine Erlebnisse zum Pazifisten und veröffentlichte 1930 den Antikriegsroman „Heeresbericht“ und weitere Romane. Doch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurde der Heeresbericht verboten, konfisziert und eingestampft. Köppen zog sich in die innere Emigration zurück, wurde Filmdramaturg, starb 1939 an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Köppen lange nicht wiederentdeckt. Dass es eine Beschäftigung in Genthin gab, ist dem Genthiner Schriftsteller Manfred Helmecke zu verdanken. „Bei einer Veranstaltung in Hannover, Anfang der 90er Jahre, kamen meine Frau und ich mit einem Schriftstellerkollegen ins Gespräch“, erinnert er sich. Als der erfuhr, dass das Schriftstellerehepaar Monika und Manfred Helmecke aus Genthin stammt, fragte er: „Kennen sie Edlef Köppen?“

Doch die beiden Genthiner kannten ihn nicht, nahmen den Namen des Schriftstellerkollegen mit in die Heimat und beschäftigten sich mit dem Leben und Wirken Köppens. „Wir hatten das Gefühl, dass es an der Zeit sei, Köppen zu würdigen und haben eine erste Veranstaltung organisiert“, führt Manfred Helmecke aus.

Benennung der Bibliothek war Startsignal für weitere Aktivitäten

Er war damals Mitglied im Hauptausschuss der Stadt Genthin und schlug vor, dass die Bibliothek den Namen des großen Schriftstellers bekäme. Dem stimmten die Mitglieder zu und gaben so ein Startsignal für weitere Aktivitäten. Unter anderem kaufte die Stadt Teile des Nachlasses Köppens. „Wir haben uns dann Gedanken gemacht, wie wir diese Unterlagen aufbereiten und sind aktiv geworden“, fügt Gabriele Herrmann hinzu. So entstand neben dem Köppen-Archiv auch der Freundeskreis, der mittlerweile seit 17 Jahren besteht.

Durch die Mithilfe der Mitglieder konnten nicht nur Veranstaltungen wie Lesungen, Ausstellungen und Vorträge organisiert werden, sondern auch weitere Teile des Köppen-Nachlasses erschlossen werden. Unter anderem fanden sich weitere Unterlagen im Potsdam-Museum, die vor fünf Jahren für eine Digitalisierung vom Freundeskreis eingesehen werden konnten.

Die Jahrestage des Ersten Weltkrieges boten vor ein paar Jahren auch überregionalen Medien Anlass zu Edlef Köppen zu recherchieren. Im Deutschlandfunk oder Norddeutschen Rundfunk erschienen Beiträge, auch Tageszeitungen beschäftigten sich mit Köppens Leben, seinem Hauptwerk oder seinen Kriegsgedichten. Selbst in internationale Publikationen wie Spaniens größter Tageszeitung „El País“ oder in der auflagenstärksten italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ war der Name des Genthiners Köppen ein Thema.

Austellung und O-Töne auf der Interneseite der Bibliothek

Der Genthiner Freundeskreis wird seine Erinnerungsarbeit und Forschung zu Edlef Köppen fortführen. Derzeit entsteht in Eigenregie ein Hörbuch mit unbekannten Erzählungen des Schriftstellers. „Außerdem arbeiten wir daran, dass eine Straße nach Köppen benannt wird“, sagt Gabriele Herrmann.

Auch in der Stadt- und Kreisbibliothek geht die Beschäftigung mit dem großen Sohn der Stadt weiter. „Wir werden am Mittwoch auf unserer Internetseite einen Auszug aus der Edlef-Köppen-Ausstellung, die sich in unserem Treppenhaus befindet, veröffentlichen“, kündigt Cornelia Draeger an.

Für alle Köppen-Interessierten gibt es noch weitere Angebote, hat Draeger doch zwei Texte Köppens eingesprochen. Als besonderes Schmankerl wird es eine Originalaufnahme mit der Stimme Edlef Köppens geben. Zu sehen und zu hören ist das Material hier.

Der Schriftsteller Edlef Köppen wurde 1893 in Genthin geboren und starb 1939 in Gießen.
Der Schriftsteller Edlef Köppen wurde 1893 in Genthin geboren und starb 1939 in Gießen.
Repro: Stadtarchiv Genthin