Stadtrat

Genthiner Kulturhaus wird nicht in städtische Hand übernommen

Die Stadt kauft das größte Veranstaltungsgebäude Genthins nicht. Diese Entscheidung traf der Stadtrat am Donnerstag in nichtöffentlicher Sitzung.

Von Mike Fleske 09.07.2021, 16:35
Das Stadtkulturhaus wird nicht städtisch. Die QSG bereitet sich auf einen Kauf vor.
Das Stadtkulturhaus wird nicht städtisch. Die QSG bereitet sich auf einen Kauf vor. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Das größte Veranstaltungsgebäude in Genthin heißt zwar „Stadtkulturhaus“. Städtisch wird die Immobilie nun aber doch nicht. Der Stadtrat konnte sich in seiner Sitzung am Donnerstag nicht zu einem Erwerb entschließen. Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) erklärte auf Volksstimme-Anfrage: „Es war dankenswerterweise der Wunsch der Inprotec-Geschäftsführung, dass der Stadtrat zur Zukunft des Stadtkulturhauses einbezogen werden soll.“

Mit dem Beschluss sei vom Genthiner Stadtrat entschieden worden, dass das Stadtkulturhaus durch die Stadt Genthin nicht erworben werden soll. „Diese Entscheidung ist in Rücksicht auf die immensen finanziellen Herausforderungen nachvollziehbar“, meinte der Bürgermeister und fügte hinzu, dass eine gute Vereinsförderung nun anstatt dessen auf den Weg gebracht werden könnte.

Fortbestand steht nicht in Frage

Die Entscheidung war nichtöffentlich gefallen, da es sich nicht nur um den Beschluss zu einem Gebäude, sondern zu dem eines ganzen Grundstückes handele, hatte der Bürgermeister zu Beginn der Sitzung erklärt. Grundstücksangelegenheiten seien immer nichtöffentlich. Die Entscheidung darüber werde aber öffentlich gemacht. Aber auch wenn die Stadt nun nicht von einem Kaufrecht Gebrauch gemacht hat, steht der Fortbestand des Kulturhauses nicht im leeren Raum.

„Wir kaufen das Haus von der Inprotec“, machte Lars Bonitz, Geschäftsführer der Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft (QSG) gegenüber der Volksstimme deutlich. Man befinde sich in Gesprächen mit dem Inprotec-Geschäftsführer Oliver Hesse.

Sollte es zu dem als sehr wahrscheinlich geltenden Kaufabschluss kommen, würde das Stadtkulturhaus nach fast fünf Jahren dorthin zurückkehren, von wo es verkauft wurde. Über Details zum künftigen Betrieb des Hauses wollte sich Bonitz noch nicht konkret äußern, sprach aber davon, dass bereits Konzepte ausgearbeitet wurden. Nicole Golz, Bürgermeisterin in Elbe-Parey und Vorsitzende des Tourismusvereins, dessen 100-prozentige Tochter die QSG ist, hatte vor einigen Wochen erläutert, dass die Vereine stärker als bisher in den Betrieb des Stadtkulturhauses einbezogen werden könnten. Dabei müsse ein Konzept her.

Baumängel sollen behoben werden

Über Details wollte auch sie noch nicht sprechen. Allerdings steht mit dem Kauf auch eine baldige Sanierung an, sodass etwa die brandschutztechnischen Probleme oder Baumängel bereits bald behoben werden und eine Wiedernutzung des Saales in greifbare Nähe rücken. Seit Dezember 2020 war diese Nutzung aufgrund von Auflagen des Landkreises nicht mehr möglich.

Dass die Genthiner Stadtratsfraktionen mit einer längerfristigen Lösung rechnen, zeigte am Donnerstag aber auch eine andere Entscheidung. Mit großer Mehrheit wurde der Beschluss vom Mai, wonach die Sporthalle in der Berliner Chaussee zu einer Mehrzweckhalle ertüchtigt werden solle, aufgehoben. Das hatte seinerzeit zu einem Protest und einer Unterschriftenaktion mehrerer Vereine der Stadt geführt, die genau diese Rücknahme und den Weiterbetrieb des Kulturhauses forderten.

Neue Form der Vereinsförderung im Gespräch

Zum damaligen Zeitpunkt war das Verkaufsangebot der Firma Inprotec noch nicht in diesem Maße in der Öffentlichkeit bekannt. In der Vergangenheit hatte es Querelen etwa um Zuschüsse für das Kulturhaus oder bestehende Brandschutzprobleme gegeben. Zudem läuft zum Jahresende 2021 die Zuschussvereinbarung der Stadt mit der QSG aus, an die die Nutzung des Kulturhauses durch die Vereine gekoppelt war. Die Stadt wollte mit der Entscheidung im Mai eine neue Auftrittsstätte für Kulturvereine aufbauen.

Möglicherweise könnte sich künftig die Vereinsförderung der Stadt ändern. Diese Idee wurde bereits von der Fraktion Grüne/LWG Fiener aufgebracht. „Wir wollen dabei eine Lösung für alle Vereine der Stadt finden, nicht nur für die, die im Stadtkulturhaus sind“, machte Grünen-Fraktionschef Lutz Nitz deutlich.