Rennen

Genthiner Simsons im Duell

Rennfieber in Genthin. Hobbyfahrer-Teams bereiten sich auf den Start beim 24-Stunden-Rennen der Simson-Mopeds vor.

Von Mike Fleske

Genthin l Satter Motorenklang, der unverwechselbare Geruch von Zweitaktern und ganz viel Kult: das sind die 50-Kubik-Mopeds der Marke Simson. Gleich zwei Rennvarianten drehen dieser Tage ihre Runden auf einem Grundstück bei Genthin. Denn zwei Teams aus der Kanalstadt bereiten sich auf das 24-Stunden-Rennen in Vahrholz bei Kalbe am 19./20. September vor. „Wir trainieren jetzt gemeinsam und gehen nächste Woche getrennt auf die Rennstrecke“, sagt Oliver Hofmann vom DMD-Racing-Team.

Für die Sieger des Jahres 2018 und nach eigenem Bekunden „glückliche“ Drittplatzierte von 2019 ist es bereits die sechste Teilnahme beim Rennen oder doch die Siebte? So genau weiß das niemand mehr, denn mittlerweile gehört der Start in der Altmark zum Jahreskalender selbstverständlich dazu. In der Rennliste heißen sie DMD-Racing. „Kermit“ nennen sie ihre Truppe intern. Das Konterfei des Frosches aus der Muppet-Show prangt dann auch auf den Team-Shirts und dem Moped.

Die Mitstreiter des zweiten Genthiner Teams bedienten sich bei ihrem Namen in der Geschichte. „Pocahontas“ nennen sie sich, nach dem Lied. Die MSC-Pocahontas-Truppe ist in diesem Jahr zum dritten Mal beim Rennen dabei – im vergangenen Jahr landeten sie auf dem neunten Rang. „Wir haben alle Benzin im Blut“, erklärt Pocahontas-Fahrer Danny Grabley die Begeisterung. Schon als junge Bengels hätten sie an den Maschinen herumgeschraubt und die Faszination „Simson“ habe nie nachgelassen. „Natürlich könnte man auch einfach einen Ausflug mit den Mopeds machen, aber das ist natürlich nicht dasselbe wie ein Rennen“, findet Patrick Pietrzak vom Pocahontas-Team. Die Stimmung sei bei den Rennen immer eine ganz besondere.

So soll sie auch in diesem Jahr werden. Zwar ist aufgrund der Corona-Beschränkungen die Besucherzahl auf 500 begrenzt und Abstand geboten. Die Teams müssen ihre Mitglieder detailliert anmelden, niemand sonst darf in das Fahrerlager. Daneben müssen eine Reihe von Hygieneauflagen eingehalten werden. Aber das Rennen steigt – als eines von sehr wenigen in diesem Jahr. „Konzepte wurden erarbeitet und von den Ämtern genehmigt“, teilten die Vahrholzer Veranstalter dieser Tage mit. Man freue sich auf eine Mega-Veranstaltung. Auf einem abgeernteten Maisacker entsteht für einige Tage eine kleine Zeltstadt mit Fahrerlager, Technik und allem, was zu einem waschechten Rennzirkus dazugehört. In der kommenden Woche geht es für mehr als 60 Teams auf die Piste. Einen Tag lang über das Feld – mit einem Moped pro sechsköpfigem Team. „Der Motor darf getauscht werden“, erläutert Denny Granzow vom DMD-Racing-Team.

Dann werde mit einem Motor gefahren und der andere repariert. Eine echte Belastungsprobe für Moped, Fahrer und Techniker. Während die Pocahontas-Fahrer im vergangenen Jahr mit einem Motor auskamen, musste das DMD-Racing-Team gleich dreimal den Motor tauschen.

„Wir haben Fahrer, die 450 bis 500-Kubik-Maschinen gewohnt sind, die fahren mit gehörigem Druck und das macht sich bei einer kleinen Maschine natürlich bemerkbar“, erklärt Oliver Hofmann. So habe man auch in diesem Jahr wieder viel an der Technik gearbeitet und sei zuversichtlich, sicher durch das Rennen zu kommen. Natürlich wollen beide Teams in der kommenden Woche möglichst weit vorn landen und sich ein Duell um den Spitzenplatz liefern. Aber etwas anderes wird bei den mittlerweile mehr als 30 jungen und älteren Motorsportlern noch viel größer geschrieben: die Gemeinschaft.

„Wir haben in beiden Teams Aktive zwischen 16 und über 50 Jahren, dazu kommen Kinder, die bei der Vorbereitung auch oft dabei sind, es ist ein generationsübergreifendes Hobby“, sagt Danny Grabley und Denny Granzow fügt hinzu: „Wir zeigen den jungen Leuten, dass es abseits von Computer und Smartphone Möglichkeiten zur Betätigung gibt und hoffen, dass wir ihnen ein wenig Wissen über Technik und Handwerk weitergeben können.“ Und natürlich ist mitfiebern und anfeuern beim Rennen auch ein Stück Gemeinschaft.

Start des 24-Stunden-Laufes ist am 19. September 2020 um 13 Uhr. Genau 24 Stunden später ist Zieleinlauf.

Der Ergebnisdienst von „Herr der Zeiten“ wird voraussichtlich die Daten des Rennverlaufes live übertragen.