Jerichow/Genthin l. „Viele Senioren wären mit ihren Enkeln zu uns zum traditionellen Osterkörbchen-Suchen ins Kloster gekommen. Leider ist das zurzeit nicht möglich,“ erläutert Kloster-Geschäftsführer Bernd Witt den Hintergrund einer Aktion, die das Team des Klosters Jerichow im Corona-Jahr kurz vor Ostern auf die Beine gestellt hat: Die Klos- termitarbeiter verteilen 155 selbst gebastelte Osterkörbchen an Bewohner und Pflegekräfte des Senioren-Hauses Genthin-Wald.

 

Sämtliche Seniorenhäuser sind derzeit für Besucher geschlossen und die Bewohner dürfen das Areal der Einrichtung nicht verlassen. „Damit fallen die Osterbesuche aus, und wir wollen das ein wenig ausgleichen“, sagt Witt. Die Einschränkungen für die Senioren seien schon erheblich, „das wissen wir alle und fühlen mit“, so Witt weiter.

Freude für Senioren

Die Übergabe der Körbchen organisierten Claudia Tritt, Einrichtungsleiterin, und Irena Schlüter, Pflegedienstleiterin des Seniorenhauses, dem Anlass angemessen unter Schutz. „Die Überraschung ist gelungen, es ist eine ganz wundervolle Idee“, sagte Schlüter. Selbst unter dem Gesichtsschutz erkannte man, dass die beiden Frauen gerührt waren von so viel Anteilnahme an der momentanen menschlich schwierigeren Situation. „Wir sind uns sicher, dass sich unsere Senioren und unsere Mitarbeiter darüber freuen.“ Versteckt und gesucht wird in diesem Jahr nicht, erklärt Schlüter die weitere Vorgehensweise, „unsere Mitarbeiter verteilen die Körbchen.“

Einrichtungsleiterin Tritt bedauert, dass für das Seniorenhaus Genthin-Wald immer noch kein leistungsfähiges Internet vorhanden ist: „Noch nicht mal die Vorbereitungen dazu wurden getroffen“, sagt sie und dabei werde sowohl die B 107 als auch der Radweg ausgebaut. „Warum hat man da nicht gleich Lichtwellenleiter mit verlegt?“, fragt sie sich. Anders als viele glauben, sagt Tritt, können viel Senioren mit dem Internet umgehen und die, die sich bisher nicht trauten, „tun es jetzt.“

Denn über Video-Telefonie wie Skype oder Zoom bleiben sie mit ihren Familien in Kontakt und können in Echtzeit zum Beispiel verfolgen, „wenn der Enkel oder Urenkel die ersten Schritte macht“. Dazu brauchen aber auch die Seniorenheime eine zeitgemäße Datenleitung, so Tritt, die zulässt, dass auch viele „Skyper“ gleichzeitig im Netz sein können. „Jetzt, bei Besuchsverboten, wäre das eine ernstzunehmende Alternative und wichtig für die Lebensfreude unserer Bewohner“, ist sich Pflegedienstleiterin Schlüter sicher.

Beide hoffen, dass bei den zuständigen Stellen ein Umdenken einsetzt und wenn die Corona-Krise irgendwann vorbei ist, auch die Senioren-Heime mit solchen Anschlüssen bedacht werden.

Zusätzliche Betreuung

Um die Zeit in den Häusern abwechslungsreich und angenehm zu gestalten, werden in jedem Wohnbereich zwei zusätzliche Betreuungskräfte eingesetzt, wie Schlüter sagt. „Es werden Spiele gespielt, es wird gesungen und Gedächtnis-Training durchgeführt“, schildert die Pflegechefin. Auf dem Gelände dürfen die Bewohner spazieren gehen, und es werde durch die Wohnbereiche auch dazu angeregt. Eine wichtige Sache kann Einrichtungs- leiterin Tritt vermelden: Es kam erst vorgestern eine große Lieferung mit Schutzkleidung, Desinfektionsmitteln und – Toilettenpapier. „Wir sind auf die Osterfeiertage vorbereitet – auch dank der Osterkörbchen.“